Als Kind dachte er, er würde LKW-Fahrer – war er lange auch. Bis David Löw seine wahre Bestimmung in einer Kita gefunden hat.
BerufLeverkusener Erzieher: Vom LKW-Cockpit in den Kita-Alltag

„Es macht mich auch so stolz, wenn das, was man den Kindern beibringt, fruchtet“, sagt Erzieher David Löw.
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Im Musikzimmer der Kita Fester Weg in Steinbüchel geht es fröhlich zu. David Löw klatscht im Takt, singt mit den Kindern und sorgt dafür, dass immer etwas los ist. In seinem Job als Erzieher fühlt er sich endlich richtig zu Hause.
Am Mittwochmorgen steht in der Kita Fester Weg Musik auf dem Programm. David Löw verteilt Klanghölzer. Viele kleine Hände greifen die Musikinstrumente. „Noch einmal, zu dem Lied, das ihr neu gelernt habt“, fordert er die Gruppe auf. „Wir Kindergartenkinder, wir sind froh“, singen die Kinder mit.
„Hey, weißt du, wem diese Mütze gehört?“, ruft eine Kollegin plötzlich und wedelt mit einer grauen Mütze, die wie eine Maus aussieht. David Löw schmunzelt, nimmt die Mütze und überlegt, wem sie entlaufen sein könnte. Diese Szenen sind typisch für den Alltag des 42-Jährigen.
Vom LKW-Cockpit in den Kreativraum
David Löw hat einen ungewöhnlichen Berufsweg hinter sich. Nach dem Abitur wollte er Lehramt studieren, landete aber zunächst in der Gastronomie, dann auf der Autobahn als Berufskraftfahrer. Das war sein Kindheitstraum, inspiriert von der Fernsehserie „Auf Achse“. „Ich fand generell diese Autos toll und habe schon als Kind immer gesagt, dass ich LKW-Fahrer werde.“
Fast zehn Jahre lang lenkte er Trucks über die Autobahn. Doch eigentlich wusste er schon durch mehrere Schülerpraktika im Kindergarten und in der Grundschule, dass ihm die Arbeit mit Kindern liegt. Erst seine eigene Familie brachte die Wende. Während er seine mittlere Tochter in den Kindergarten brachte, suchten Kinder von selbst seine Nähe, und die Erzieherinnen schlugen vor, er solle es doch mal mit dem Beruf versuchen, der Bedarf sei groß.
Mit Unterstützung seiner Frau und Familie entschied er sich für die praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher (PIA) bei der AWO in Bergisch Gladbach. Drei Jahre lang lernte er Theorie und Praxis gleichzeitig.
Bewegung, Musik und Motivation
In der Kita „Fester Weg“ arbeitet er vor allem im Bewegungsbereich. Stopptanz mit Zusatzaufgaben, kleine Parcours oder die nahe gelegene Bolzwiese: Alles dient dazu, die Kinder in Bewegung zu bringen und ihre Kreativität zu fördern. Dabei leitet er auch die musikalischen Angebote. „Bewegung und Musik gehören zusammen“, sagt er. „Es ist schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder freuen, wenn sie etwas geschafft haben.“

„Ich fühle mich hier angekommen. Kinder begleiten, ihnen etwas beibringen und ihre Fortschritte sehen, das möchte ich bis zur Rente machen“, sagt David Löw.
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Besonders Jungs profitieren laut David Löw von männlichen Bezugspersonen. „Die Jungen finden es cool, wenn ein männlicher Erzieher da ist, der auch mal andere Spiele mit ihnen macht. Und vielleicht im positiven Sinne etwas grober ist. Und ich glaube, dass es für sie wichtig ist, auch eine männliche Bezugsperson zu haben“, sagt er. Dabei beobachtet er genau, wann er anleiten muss und wann er loslassen kann. „Man muss immer genau beobachten und erkennen, wann man die Kinder anleiten muss und wann man sie ‚laufen lassen‘ kann. Wenn man merkt, es hakt, muss man neue Impulse setzen. Das können auch einfache Sachen sein.“
Weg von Handys und Tablets
Besonders wichtig für David Löw ist es, die Kinder weg von digitalen Geräten zu lenken. „Die kennen sich mit den digitalen Geräten sehr gut aus. Manche Kinder kommen auf mich zu und fragen: ‚Ist das ein iPhone?‘, teilweise wissen die mit fünf Jahren schon ganz genau, dass Mama und Papa ein iPhone zu Hause haben.“ Er möchte sie dazu motivieren, die Handys wegzulegen und die Welt draußen zu entdecken. „Pilze, Bäume, Bewegung. Das fasziniert Kinder und weckt Neugier.“
Kinder sind die Zukunft. Es lohnt sich, ihnen auf ihrem Weg zu helfen.
Seine eigenen drei Kinder sind ebenfalls Teil seines Alltags. Die Älteste spielt Geige, die Mittlere Klavier, die Jüngste erkundet noch den Kindergartenalltag. „Kinder heute geben manchmal schneller auf. Ich möchte ihnen zeigen, wie gut es sich anfühlt, etwas allein zu schaffen“, sagt er. „Wenn ein Kind stolz etwas erreicht hat und es seinen Eltern zeigt, ist das unbezahlbar.“
David Löw hat seinen Traumjob gefunden. „Ich fühle mich hier angekommen. Kinder begleiten, ihnen etwas beibringen und ihre Fortschritte sehen, das möchte ich bis zur Rente machen.“ Seine Botschaft an Männer, die über den sozialen Bereich nachdenken: „Kinder sind die Zukunft. Es lohnt sich, ihnen auf ihrem Weg zu helfen.“

