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Jugendszene LeverkusenNeuer Verein will mit einer Stimme für Kinder und Jugendliche sprechen

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Verantwortliche zeigen die Einrichtungen, die sich zum neuen Verein Jugendszene Leverkusen zusammengeschlossen haben.

Verantwortliche zeigen die Einrichtungen, die sich zum neuen Verein Jugendszene Leverkusen zusammengeschlossen haben.

Während die Belastung in der Jugendarbeit steigt, sinken die finanziellen Mittel – dem will der neue Verein sich entgegenstellen.

Die psychische Belastung bei Jugendlichen nimmt immer weiter zu, die mentale Gesundheit in der jungen Generation ab – und gleichzeitig steht immer weniger Geld für offene Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung. Eine fatale Kombination, findet Florian Korb. Deswegen ist der Leiter der evangelischen Jugend Schlebusch seit Kurzem auch Vereinsvorsitzender. Nämlich des Vereins „Jugendszene Leverkusen“, in dem sich 24 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt angeschlossen haben.

„Einerseits ist es ja schön, dass unsere Einrichtungen sehr gut besucht und unsere Angebote stark nachgefragt werden“, sagt Korb. Gleichzeitig ist er wie alle Verantwortlichen besorgt, dass wichtige Projekte, wie etwa das Sommerspektakel oder der Brennpunkt-Jam, über kurz oder lang auf der Strecke bleiben könnten, wenn die Stadt endgültig in einem Haushaltssicherungskonzept feststeckt.

Eine Karte zeigt die gute Verteilung der 24 Jugendeinrichtungen in der Stadt.

Eine Karte zeigt die gute Verteilung der 24 Jugendeinrichtungen in der Stadt.

„Als Verein können wir der Stadt gegenüber auf Augenhöhe auftreten“, hofft auch Jonas Inden vom Haus der Jugend in Opladen, der zweiter Vereinsvorsitzender ist. Dafür will der Verein sich auch politisch einmischen. „Einige von uns haben bereits Sitze in Arbeitskreisen oder im Kinder- und Jugendhilfeausschuss, da hätten wir aber auch gerne einen Sitz für den Verein“, sagt Korb. „Wir arbeiten jeden Tag mit den Kindern und Jugendlichen und sind ganz nah an der Praxis.“ Wer also könne besser beurteilen, wo gespart werden kann und wo auf keinen Fall.

Der Verein soll nicht die Pflichtaufgaben der Stadt übernehmen
Jonas Inden, Haus der Jugend

Parallel dazu ist auch ein Förderverein gegründet worden, bei dem man ab einem Spendenbetrag von zwei Euro pro Monat Mitglied werden kann. „Zukunft kostet weniger als ein Streaming-Abo“, werben die Verantwortlichen hier. „Ganz wichtig ist dabei: Der Verein soll nicht die Pflichtaufgaben der Stadt übernehmen“, betont Inden. Jugendhäuser zu betreiben, sei eine solche Aufgabe, Finanzmittel in dieser Größenordnung könne ein Verein ohnehin nicht generieren. Grundsätzlich will die Jugendszene Leverkusen die Stadt nicht aus ihrer Verantwortung nehmen, sondern im Gegenteil gemeinsam noch vehementer für die Belange der Jugend eintreten. Zum Beispiel auch, wenn es um die Verteilung des Sondervermögens von Land und Bund geht, von dem 78 Millionen Euro in Leverkusen ankommen sollen, davon soll ein Teil in Bildung fließen.

Das Logo des neuen Vereins Jugendszene Leverkusen

Das Logo des neuen Vereins Jugendszene Leverkusen

„Schulische Bildung ist natürlich elementar wichtig“, sagt Inden. „Aber in den Jugendeinrichtungen fangen wir Dinge auf, die in Schulen überhaupt nicht mehr bewältigt werden können. Wenn wir das nicht mehr machen können, werden die Folgen bei den Jugendlichen und die Folgekosten für die Stadt enorm sein. Offene Jugendarbeit ist kein Nice-to-have.“ Schon jetzt liege die Kinderarmutsquote in der Stadt bei 20 Prozent und sie werde in den kommenden Jahren sicher noch steigen, sind die Einrichtungsleiter überzeugt.

Auch Jugendbeteiligung sei ein wichtiges Thema. „Zwar gibt es jetzt schon einige gute Instrumente wie den Jugendstadtrat, aber nicht jeder traut sich, da hinzugehen“, sagt Caroline Wilk vom Jugendhaus Lindenhof. „Wir können in den Einrichtungen mit den Besuchern sprechen und ihre Interessen weitertragen.“ Auch die Vernetzung der einzelnen Einrichtungen sei natürlich wichtig: „Aber wir haben schon immer top zusammengearbeitet. Vor allem geht es um die Wahrnehmung von außen.“


Lange Nacht der Jugendhäuser

Als erste große Auftaktveranstaltung des neuen Vereins findet am Freitag, 27. März, die „Lange Nacht der Jugendhäuser Leverkusen“ statt. Zum Start in die Osterferien können Kinder und Jugendliche beispielsweise zur Disko im Bunker, zur Karaoke-Night im Lindenhof, Lagerfeuer und Stockbrot bei der Ejs oder Graffiti im Haus der Jugend kommen – auch Party-Hopping ist ausdrücklich erlaubt. Das ganze Programm unter www.jugendszene-lev.de.