In der Immobilie sind Geflüchtete untergebracht, die Christdemokraten wollten den Kaufbeschluss aus dem Herbst aufheben. Das ließ eine Ratsmehrheit nicht zu.
„Teurer Fehler“CDU Leichlingen kritisiert anstehenden Kauf der Villa Schützenstraße

In der Immobilie sind Geflüchtete untergebracht, die Christdemokraten wollten den Kaufbeschluss aus dem Herbst aufheben.
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Die Leichlinger CDU-Fraktion kritisiert die Entscheidung, die Immobilie an der Schützenstraße 11, die die Stadt derzeit zur Unterbringung von Geflüchteten mietet, zu kaufen. Eine Ratsmehrheit hatte das vergangene Woche im nicht öffentlichen Teil der Ratssitzung beschlossen. Genauer gesagt: Die Mehrheit hat abgelehnt den Kaufbeschluss aufzuheben, wie es die CDU beantragt hatte.
Noch vor der Kommunalwahl im Herbst 2025 war der alte Rat der Empfehlung der Verwaltung um den damaligen Bürgermeister Frank Steffes gefolgt und hatte den Kauf beschlossen. Ein Bürgerantrag war dagegen eingereicht worden, die CDU ist vor allem wegen des baulichen Zustands und des Kaufpreises von rund 1,5 Millionen Euro dagegen. Nach dem Beschluss war allerdings nicht mehr viel passiert, weshalb Grüne, BWL, SPD, Volt und FDP ungeduldigt geworden waren.
In der Ratssitzung am vergangenen Mittwoch beschlossen die Politiker dann einstimmig eine Strategie zur Unterbringung von Geflüchteten. Darin enthalten war auch, die Schützenstraße weiter zu mieten. Mit der Ablehnung des CDU-Antrags im nicht öffentlichen Teil allerdings sieht es derzeit so aus, als müsse Bürgermeister Maurice Winter, dem in der Zwischenzeit einige vorgeworfen hatten, das Ganze auszusitzen, den Beschluss umsetzen und die Villa kaufen.
Die Mängel und Kosten hätten durch einen neutralen Gutachter festgestellt werden müssen.
„Ein teurer Fehler“, wie die CDU findet. Nach Abwägung aller vorliegender Fakten habe man Bedenken, die den Kauf aus Sicht der größten Ratsfraktion nicht vertretbar machen. Man könne sich den Kauf der Immobilie derzeit nicht leisten. Der Kaufpreis „steht in keinem angemessenen Verhältnis zum Objekt“, so die CDU. Zwischenzeitlich hatten die Eigentümer die Villa für 1,6 Millionen Euro auf Immobilienportalen zum Kauf angeboten.
Der Preis sei deutlich überhöht, der Kauf „keine wirtschaftlich verantwortbare Verwendung öffentlicher Mittel“. Fachleute, so behauptet zumindest die CDU-Fraktion, schätzten den Marktwert auf maximal eine Million Euro. Und: „Hinzukommen, auch ausgelöst durch den Kauf, Sanierungskosten in einem erheblichen Umfang, die bis heute nicht beziffert wurden.“ Schimmel im Keller und Schwamm im Dach soll es geben, zitieren die Christdemokraten nicht näher benannte „Insider“. Die CDU fürchtet „noch nicht bekannte Umbaukosten“ für die Stadtkasse.
Man hätte eine Bauzustandsanalyse und ein Wertgutachten erstellen müssen, findet die Fraktion. „Die Mängel und Kosten hätten durch einen neutralen Gutachter festgestellt werden müssen. Ohne dieses Wissen die Immobilie zu kaufen, ist mit Sicherheit grob fahrlässig, aber scheinbar von der Mehrheit des Stadtrates so gewollt.“
Die Villa temporär zu mieten, sei auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise angemessen und richtig gewesen. Die CDU wirft der Ratsmehrheit vor, die Argumente der Gegner ignoriert zu haben und meint die Bürgerinitiative mit 340 Unterschriften. Die Immobilie gehört den Brüdern Gereon und Raimund Schürmann. Raimund Schürmann teilt die Bedenken der Gegner nicht. Wie im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ mitgeteilt, hätten weder Polizei noch Ordnungsamt bisher zu der Unterkunft ausrücken müssen.
