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SchulwesenPCB-Belastung: Entwarnung für Schule

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Zu sehen ist eine Luftbildaufnahme der Nelson-Mandela-Gesamtschule.

Das Gebäude der Nelson-Mandela-Gesamtschule in Gronau ist dringend sanierungsbedürftig.

Eine aufwändige Probesanierung an der Nelson-Mandela-Gesamtschule ergab keine besorgniserregenden Messwerte.

Die aufwändige Probesanierung in drei Räumen der Nelson-Mandela-Gesamtschule sollte Klarheit darüber geben, wie schwerwiegend die Verunreinigung des Schulgebäudes mit PCB ist. Jetzt liegt eine erste Analyse vor. Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen gibt in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses Entwarnung: „Die für eine Nutzung zulässigen Werte werden unterschritten.“

Eine gute Nachricht für Schüler und Lehrer: Die drei Klassenzimmer im Erdgeschoss können endlich wieder für den Unterricht hergerichtet werden – laut Zusage der Stadtverwaltung soll dies bis zum Ende der Sommerferien geschehen. „Das geht auch gar nicht anders. Wir sind dringend darauf angewiesen“, betont Schulleiter Dieter Will.

Erhöhte Messwerte festgestellt

Vor einem Jahr sind im Rahmen von Bauarbeiten zur Digitalisierung in der Raumluft des Schulgebäudes erhöhte Messwerte festgestellt worden. Die Quelle der als giftig geltenden Chlorverbindung befand sich in der Fugenmasse zwischen Fertigbeton-Bauteilen und Beton-Fassadenelementen. Eine Gefahr für die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte bestand laut Verwaltung nicht. Allerdings ist bei Überschreitung des Vorsorgewertes gemäß der PCB-Richtlinie NRW eine „mittelfristige“ Beseitigung der Ursache nötig.

Ein Jahr lang hat die sowieso schon unter Raumnot leidende Gesamtschule auf die drei Klassenzimmer verzichten müssen. „Wir haben das irgendwie organisatorisch mit Wanderklassen hingekriegt“, erzählt Will. Zum Start des neuen Schuljahres funktioniere dies aber nicht mehr: 80 Oberstufenschüler für die neue 11 würden erwartet. „Ich wüsste absolut nicht, wo ich sie unterbringen sollte.“

Mauerwerk vollständig entkernt

Die drei Räume sind bis aufs Mauerwerk vollständig entkernt worden: Abhangdecken wurden entfernt, Fenster ausgebaut, Böden inklusive Estrich ausgebaut, Wandbeläge und Putz entfernt, Beton abgetragen. Alle Gebäudeteile wurden auf Schadstoffe untersucht: „Es gibt keine Befunde, die einer Inbetriebnahme entgegenstehen“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Die Probesanierung – sie kostet inklusive Planung, Rückbau und Wiederaufbau 780.000 Euro – sollte zudem als Grundlage für eine Entscheidung dienen, wie es anschließend mit dem sanierungsbedürftigen Gesamtgebäudekomplex am Ahornweg in Gronau, in dem früher eine Hauptschule und eine Realschule untergebracht waren, weitergehen soll. Kann die Gesamtschule saniert werden? Oder muss sie wie die Integrierte Gesamtschule Paffrath abgerissen und neu gebaut werden. Letzteres wäre vermutlich der finanzielle Super-GAU für die Stadt.

Zu sehen sind entkernte Klassenzimmer einer Schule.

Die Klassenzimmer wurden komplett entkernt.

Aktuell finden im gesamten Gebäude noch weitere Probebohren statt, um zusätzliche Daten zur Schadstoffbelastung zu erhalten. „Erst wenn alle Daten vorliegen, können wir eine Gesamtstrategie für die Gebäude erarbeiten“, sagt Sebastian Rolko, Geschäftsführer der Schulbau-GmbH.   Schulleiter Dieter Will denkt dagegen nur noch in ganz kleinen Schritten. „Es muss klappen, dass uns die drei Klassenzimmer bis September zur Verfügung stehen“, sagt er.

Seit Oktober 2025 ist die Sporthalle der Nelson-Mandela-Gesamtschule aufgrund von Mängeln bei der Elektronik aus Sicherheitsgründen gesperrt. Inzwischen liege ein zweites TÜV-Gutachten zum Schadensbild vor, berichtete Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen im Schulausschuss. Demnach müsse die Halle weiterhin für den Sportbetrieb geschlossen bleiben.

Die Kosten für die Reparatur summieren sich, wie berichtet, auf 910.000 Euro. Bis Herbst 2026 sollen die Arbeiten erledigt sein. Auch dies ist nur eine Übergangslösung, bis ein Entschluss vorliegt, wie es insgesamt mit der Schule weitergehen soll. Aus Kostengründen hatte die Stadtverwaltung zuvor bereits ihren 2 Millionen Euro-Plan aufgegeben, auf dem Schulhof eine aufblasbare Traglufthalle zu errichten. Die Sporthallen-Schließung hatte für Streit zwischen Schulleitung und Verwaltung gesorgt. Die Schule fühlte sich schlecht informiert und nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen. Schulleiter Dieter Will beklagt gerade jetzt wieder eine schlechte Kommunikation. Seine Anfrage, ob in der Halle, ohne dass Licht eingeschaltet wird, Unterricht stattfinden dürfe, sei nicht beantwortet worden, bedauert er.