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ZuwanderungStadt Leichlingen soll Flüchtlingshaus nun doch kaufen

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Villa an der Schützenstraße in Leichlingen, die seit Februar 2024 von Geflüchteten bewohnt wird

Über den Plan der Stadt, das Gebäude in der Schützenstraße zu kaufen, ist eine Debatte ausgebrochen.

Hinter verschlossenen Türen fand sich eine Mehrheit dafür, den Ankauf der Villa in der Schützenstraße nun doch voranzutreiben.

Es gibt in Leichlingen keine Mehrheit, die den Kauf der Villa in der Schützenstraße als dauerhafte Unterkunft für Geflüchtete verhindern will. Das ist das Ergebnis der jüngsten Ratssitzung. Hinter verschlossenen Türen sei der Antrag, den alten Ankaufsbeschluss des Stadtrats aufzuheben, mehrheitlich abgelehnt worden. Das teilte die Stadtverwaltung am Montag auf Anfrage mit. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Stadt Leichlingen tritt wieder in Verhandlungen mit den Eigentümern ein. Das sind die Brüder Gereon und Raimund Schürmann.

Tatsächlich hatte sich von vornherein Widerstand gegen den Plan der Stadtverwaltung geregt, den Altbau in bevorzugter Lage zu erwerben und so zum Teil eines Konzeptes für die Unterbringung von Zuwanderern nach Leichlingen zu machen. Es gab einen Bürgerantrag gegen den Plan, an der Schützenstraße womöglich mehr Geflüchtete unterzubringen. In der CDU-Fraktion spielten die Argumente von Anwohnern vorderhand keine Rolle: Man war vom baulichen Zustand der Immobilie nicht überzeugt.

Besitzer sehen das Haus als sehr geeignet an

Weiteres Hindernis in der Diskussion um die Immobilie, die bereits im vorigen Herbst lebhaft geführt wurde, war, dass für den Ankauf ein Nachtragshaushalt hätte erlassen werden müssen: Das Budget für 2025 hätte den Kaufpreis von 1,5 Millionen Euro für das Haus von 1912 auf gut 2000 Quadratmeter Land in bevorzugter Lage nicht hergegeben. Das ist jetzt kein Punkt mehr – allerdings war es seinerzeit noch Bürgermeister Frank Steffes (SPD), der den Kauf vorangetrieben hatte. Inzwischen ist Christdemokrat Maurice Winter Chef der Stadtverwaltung.

Die konzeptionelle Kritik der Anwohner an dem Plan, aus der Villa dauerhaft eine Unterkunft zu machen, teilen die derzeitigen Eigentümer ausdrücklich nicht. Nach Einschätzung von Raimund Schürmann belastet die Initiative „die Bewohner unserer Immobilie: Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Irak und Iran“. Zu ihnen halte die Familie „kontinuierlichen und persönlichen Kontakt“, und das sei von Beginn an so gewollt gewesen: 2023 hätten die Brüder das ein Jahr zuvor von ihrem Vater geerbte Haus dem Sozialamt als mögliche Flüchtlingsunterkunft gemeldet. Im Februar 2024 ging das Amt auf die Offerte ein. „Im Vorfeld habe ich mir ausbedungen, einen Raum im ersten Stock des Hauses in Eigennutzung zu nehmen. Auch, um jederzeit Zugang zum Haus zu haben“, so Raimund Schürmann.

Autos sind kein Problem

Alle weiteren Wohnräume sowie im Keller Wasch- und Trockenräume stünden den Geflüchteten zur Verfügung. Das Wiesengelände sowie die Garagen seien nicht vermietet. Mit Blick auf die im Bürgerantrag formulierten Befürchtungen, die enge Schützenstraße könne durch zusätzlichen Autoverkehr überlastet werden, geben die Schürmanns diesen Hinweis: „Den Bewohnern stehen keine Stellplätze zur Verfügung – die Menschen sind auch nicht mit dem Auto gekommen.“ Verkehrsmittel der Wahl seien Fahrräder: „Wir haben ein Stallgebäude zur Nutzung freigegeben, sodass die Hoffläche und die ans Haus angrenzenden Flächen nicht durch abgestellte Räder blockiert sind.“

Vor der Vermietung hätten die Hausbesitzer gegenüber der Stadtverwaltung „den Wunsch geäußert, dass möglichst Familien mit Kindern untergebracht werden, und dem wurde entsprochen“. Aus Schürmanns Sicht ist die Unterbringung in der Villa mithin ein Ausdruck von Willkommenskultur. Deshalb passe der Bau auch durchaus ins Konzept der Stadtverwaltung für die Unterbringung.

Bislang kein Stress mit Polizei oder Sozialamt

Auch für die im Bürgerantrag Furcht vor Lärmbelästigung gebe es keinen Anlass, so die Schürmanns: Bislang habe es noch keinen Einsatz der Polizei oder des Ordnungsamts gegeben. „Auch dem Sozialamt ist, auf unsere Nachfrage hin, keine solche Meldung bekannt.“ Überrascht waren die Noch-Besitzer der Villa daher auch von den 340 Unterschriften des Bürgerantrags. „Anwohner, die über Lärmbelästigung klagen, können das nicht sein: So viele Menschen leben nicht in unmittelbarer Nähe, selbst wenn man Kinder und Asylsuchende hinzuzählt.“ Auch weiteres Konfliktpotenzial mit den Nachbarn sehen die Besitzer nicht. Das Gebäude steht in zweiter Reihe, rund 50 Meter von der Schützenstraße entfernt.

Hinweise auf die marode Bausubstanz, die fragwürdigen Bedingungen der Unterbringung und Bauschäden beruhten auf Falschinformation, so die Schürmanns weiter. „Das Haus ist im Zuge der Kaufabsicht mehrmals von Fachleuten der Stadt begutachtet worden.“

Für einen mindestens akzeptablen Zustand spricht auch, dass die Villa zwischendurch auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde. Das war die Reaktion der Besitzer darauf, dass es mit dem Ankauf durch die Stadt anscheinend nichts mehr wird. Das hat sich nach dem jüngsten Ratsbeschluss geändert.