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Humanität harmonisch eingebettet in die NaturNeue Ausstellung im Leichlinger Sinneswald

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Sinneswald-Betreiber Wicze Braun (l.) und Wolfgang Brudes vor einem Werk aus der Jahresausstellung.

Sinneswald-Betreiber Wicze Braun (l.) und Wolfgang Brudes vor einem Werk aus der Jahresausstellung.

Die diesjährige Ausstellung im Sinneswald behandelt das Thema Humanität – seine Aktualität und seine Facetten.

Den Blick für Humanität wieder schärfen – das ist die Mission, die Wicze Braun und Wolfgang Brudes mit ihrer neuen Ausstellung im Sinneswald verfolgen. „Humanität fehlt in allen Teilen der Gesellschaft auf den verschiedensten Ebenen“, sagt Braun. Sie fehle sowohl in der Weltpolitik und dem Handeln der Mächtigen als auch im Alltag des einfachen Bürgers. 

Seit 1993 widmen sich die Braun und Brudes jährlich wechselnden Themen entsprechend der aktuellen Weltlage. Die Werke von 75 Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen vereinen sie in diesem Jahr auf den sechs Hektar Land im Sinneswald. Darunter sind Skulpturen, Installationen und Bilder. Die Werke sind eingebettet in Wald- oder Gartenstücke, Blumenwiesen oder den Bachlauf. „Es ist eine Erhöhung für die Kunst und für die Natur. Beide profitieren. Wie geben dem Kunstwerk einen Platz, der zu ihm passt, ihm würdig ist“, so Wicze Braun. 

Neben den Werken laufen die fünf Hühner der beiden gelernten Architekten auf dem Gelände frei herum. Diese haben auch einen dramaturgischen Sinn: Humanität ist zutiefst natürlich, wollen Braun und Brudes damit zeigen und: Auch bei den Hühnern sei ein gewisses humanes Verhalten erkennbar. Humanität beinhalte die unterschiedlichsten Aspekte: auf Mitmenschen zuzugehen, sich selbst ab und zu zurückzunehmen, auf andere Rücksicht zu nehmen, findet Wicze Braun. Respekt sei auch ein wichtiges Element der Arbeiten.  

Es muss nicht alles Richter sein.
Wicze Braun, Betreiberin Sinneswald

Die Künstlerinnen und Künstler, die im Sinneswald ausstellen, sind eine sehr gemischte Gruppe: Von Profikünstlern bis zu Autodidakten, Zahntechniker bis Psychologin, jung und alt. So stellen das Technische Berufskolleg aus Solingen, ebenso wie Grundschulen und das Leichlinger Gymnasium sowie sehbehinderte Schüler aus einer Düsseldorfer Förderschule ihre Arbeiten aus. „Jeder darf mitmachen. Wir fördern Talente und auch Leute, die kein Kunststudium haben“, so Braun. Sie fügt noch an: „Es muss nicht alles Richter sein.“

Braun und Brudes setzen auf diese Mischung. Gegensätzliche Interpretationen und Darstellungen des Leitthemas seien ihnen auch deshalb wichtig, weil diese die Besucherinnen und Besucher zum eigenständigen Nachdenken über Humanität anregen würden. Dabei präsentiert die Jahresausstellung die verschiedensten Perspektiven: So lädt ein in eine Presse gespannter Tonkopf dazu ein, über Pressefreiheit nachzudenken. Eine andere Skulptur bildet die Fleischindustrie ab. Nur durch kleine Fenster erhält man einen Einblick in die Fabrik des „billigen Fleisches“. 

Eine weitere Skulptur stellt ein Denkmal für Alan Kurdi, den syrischen, zweijährigen Jungen dar. Das Bild seines gestrandeten Leichnams ging 2015 um die Welt. Andere Werke behandeln unter anderem Meinungsfreiheit, Egozentrik, den Ukraine-Krieg, die Flut oder auch die Spannung von Fortschritt und Irrtum in menschlichem Schöpfergeist.

Am Sonntag, dem 3. Mai, eröffnet die Ausstellung „Humanität“. Dazu laden Wicze Braun und Wolfgang Brudes um 15 Uhr in den Sinneswald, in das Gebäude der Spinnerei, ein. Die Veranstaltung ist kostenlos, es werden drei Kunstwerke an diesem Nachmittag verlost. Interessierte sollten allerdings am Jugendzentrum parken, da der Platz vor dem Sinneswald begrenzt ist.