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Sportlerwahl 2025Von Aufstiegen, großen Sprüngen und Mannschaftstreue in Leichlingen

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Polina Stepanchenko (l.) mit ihrem Trainer Leszek Klima.

Polina Stepanchenko (l.) mit ihrem Trainer Leszek Klima.

Am Freitag entscheidet sich in Leichlingen, wer Sportler des Jahres, wer Nachwuchssportler des Jahres und wer die Mannschaft des Jahres wird.

Ein 17-Jähriger, dessen Vater schon Stabhochspringer war. Eine Stabhochspringerin, die aus ihrer Heimat fliehen musste und im Rheinland eine neue fand. Ein Mann, der seit 25 Jahren für denselben Verein Faustball spielt – und mit seiner Mannschaft gerade die nationale Elite erreicht hat. Und zwei Witzheldener Teams, die beide in derselben Saison aufstiegen.

Am 8. Mai werden sie in der Offenen Ganztagsschule an der Uferstraße auf derselben Bühne stehen, wenn Leichlingen seine Sportler des Jahres 2025 ehrt. Der Stadtsportverband vergibt an diesem Abend Auszeichnungen in den Kategorien Nachwuchssportler des Jahres, Sportler und Mannschaft des Jahres. Beginn ist um 19 Uhr.

Stabhochsprung in der Familie

Sechs Trainingseinheiten pro Woche, eine Bestleistung von 4,20 Metern und ein großer Traum: die Jugend-Europameisterschaft in Italien. Julian Meyer ist 17 Jahre alt, springt für den Leichlinger Turnverein – und er weiß, warum er ausgerechnet beim Stabhochsprung gelandet ist. „Mein Vater hat Zehnkampf gemacht und dann am Ende nur noch Stabhochsprung und Kugelstoßen“, sagt er. „Dann habe ich bei Leverkusen angefangen, einmal in der Woche Stabhochsprung zu machen – und bin dann zum ehemaligen Bundestrainer Leszek Klima gegangen.“

Julian Meyer, Stabhochspringer

Julian Meyer, Stabhochspringer

Inzwischen ist Meyer NRW-Meister, hat mehrere Podestplätze bei Nachwuchsmeisterschaften gesammelt und den Deutschen Hallentitel in seiner Altersklasse geholt. Über seine Nominierung für den Nachwuchssportler des Jahres war er selbst überrascht. „Ich hätte auch noch einige andere nennen können, die das auch verdient hätten“, sagt er.

Was ihn antreibt, ist der nächste Schritt: Für die Jugend-EM in Italien muss er 4,60 Meter springen, also 40 Zentimeter mehr als seine aktuelle Bestmarke. „Ich glaube schon, dass das gefährlich sein könnte“, sagt er – und meint damit, dass er die Norm knacken könnte. Sein kleiner Vorteil: Als Sohn einer Schweizerin kann er auch unter Schweizer Flagge starten, wo die Konkurrenz in der U18 überschaubarer ist. Im deutschen Sport friste die Leichtathletik abseits von Olympia ein Nischendasein. Mehr Aufmerksamkeit wäre gut, findet er – „für den Sport und für die Sportler“.

Aus der Ukraine ins Rheinland

Eine weitere Athletin ist Polina Stepanchenko. Sie kommt aus Charkiw, einer der größten Städte der Ukraine. Sie weiß, was es bedeutet, unter schwierigen Bedingungen Sport zu treiben. „Wir haben mit gebrochenen Latten gesprungen“, sagt sie über ihre Anfänge in der Heimat. „Die Stäbe kosten sehr viel Geld. Wer weitermachen wollte, zog nach Kiew.“ Ihr Vater hatte Stabhochsprung gemacht, sie selbst begann nach der Gymnastikabteilung damit. Dann kam der russische Angriffskrieg.

Polina Stepanchenko kam im Jahr 2022 aus der Ukraine

Polina Stepanchenko kam im Jahr 2022 aus der Ukraine

Seit 2022 lebt Stepanchenko nun im Rheinland, trainiert beim LTV unter Trainer Leszek – der Kontakt kam über einen ihrer Trainer in der Ukraine. Die ersten Monate waren hart: kein Deutsch, eine Gruppe deutlich älterer Sportlerinnen, eine völlig neue Umgebung. „Das war überfordernd. Aber man sagt sich einfach: probieren.“

Dominiert die NRW-Meisterschaften

Was folgte, ist bemerkenswert. Stepanchenko ist mehrfache NRW-Landesmeisterin im Stabhochsprung, gewann bei der Leichlinger Sportlerwahl im Vorjahr bereits den Titel der Nachwuchssportlerin des Jahres – und startet in die neue Saison mit dem Ziel, die 4,30-Meter-Marke zu knacken. Olympia ist ihr erklärtes Fernziel, ausschließlich für Deutschland. „Ich fahre nur für Deutschland – aber wir müssen warten“, sagt sie. Die Einbürgerung läuft derweil. Was sie am Stabhochsprung liebt, bringt sie auf den Punkt: „Es ist eine sehr schwierige Sportart. Man macht körperlich alles richtig – aber wenn man eine Blockade und Angst im Kopf hat, läuft man durch.“ Das sei das Schwierigste. Und das Schönste zugleich: „Stabhochsprung ist in meinem Herzen.“

Auch Christian Weber ist seit 25 Jahren beim Leichlinger Turnverein. Das ist länger, als manche seiner Mitspieler alt sind. Und doch sagt er, dass die Teamnominierung für die Kategorie „Mannschaft des Jahres“ mehr bedeute als die Einzelnominierung, die er vor elf Jahren schon einmal erhielt. „Eine Teamnominierung, in der ich Teamsport mache, ist für mich noch mal bedeutender“, sagt der Kapitän der LTV-Faustballer. „Weil wir einfach von ganz unten kommen und uns im Prinzip jetzt gerade zur deutschen Elite gespielt haben.“

Die Faustballer des LTV gehören inzwischen zu den besten vier Mannschaften Deutschlands sowie zur Bundesliga – ein vierter Platz bei den nationalen Finals: „Natürlich ist die viertbeste Mannschaft in Deutschland schon top. Es sind viele Sachen passiert, auf die wir einfach stolz sein können“, sagt Weber. Und: Es war das erste Mal überhaupt, dass der LTV an den Finals teilnahm. „Deutsche Faustball-Geschichte geschrieben“, so Weber. Was ihn besonders freut, ist die Tiefe des Leichlinger Sports insgesamt. „In der Blumenstadt haben wir auch echt gute, exzellente Sportler – ob Leichtathleten, Wettkampfsportler, was auch immer. Die sind wirklich auf absolutem Topniveau.“ Dass sich der LTV zwischen all dem behauptet und nominiert wird, ist für Weber kein Selbstläufer. „Es ist wundervoll, sich da durchzusetzen und nominiert zu werden. Das muss man dann auch einfach mal so sagen und lobenswert erwähnen.“

In der Blumenstadt haben wir auch echt gute, exzellente Sportler – ob Leichtathleten, Wettkampfsportler, was auch immer. Die sind wirklich auf absolutem Topniveau.
Christian Weber, Kapitän der Faustballer des LTV

Auch die Badminton-Mannschaft des TV Witzhelden ist als Team des Jahres nominiert. „Wir haben das Kunststück vollbracht, mit einer kleinen Portion Glück den Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord zu schaffen“, sagt das Team über ihre Saison 2024/25 – und fasst damit knapp zusammen, was eine bemerkenswerte Geschichte ist. Das erklärte Ziel war der Klassenerhalt in der Regionalliga. Was am Ende stand, war eine Liga höher. Nach einer starken Hinrunde traf die Mannschaft das Verletzungspech: Beim ersten Rückrundenspiel fiel ein Spieler aus, der Rest der Saison wurde ersatzgeschwächt bestritten.

Der entscheidende Moment kam erst am letzten Spieltag – ein 7:1-Sieg gegen starke Gegner, Platz drei in der Regionalliga, und dann eine günstige Konstellation in den oberen Ligen, die den dritten Platz zum Aufstiegsrang machte. Der TV Witzhelden spielt künftig in der 2. Bundesliga Nord. Manchmal, so lehrt dieser Saisonverlauf, braucht es neben Qualität auch das richtige Quäntchen Glück. „Und Spaß hatten wir“, heißt es aus der Mannschaft – „auf jeden Fall.“

Auch die Handballdamen des TV Witzhelden sind als Mannschaft des Jahres nominiert – und schreiben seit Jahren eine bittersüße Geschichte. Zweimal verpassten sie den Aufstieg punktgleich mit dem Ersten – zweimal ohne Belohnung. Im dritten Anlauf schafften sie ihn dann souverän: rauf in die Regionalliga, und damit in eine Liga, die für einen kleinen Verein aus einem kleinen Dorf schlicht außerhalb jeder Erwartung lag. Dass selbst die Oberliga schon der größte Erfolg der Vereinsgeschichte gewesen war, macht das Erreichte noch bemerkenswerter.

Denn es geht nicht nur um Ergebnisse. Viele der Spielerinnen haben ihren Verein über die Jahre zu schätzen gelernt – das Drumherum, die Atmosphäre, das Miteinander. Auch in der Regionalliga ist der TV Witzhelden einer der wenigen Vereine, der bei Heimspielen einen Hallensprecher aufbietet und für jede Spielerin einen eigenen Torjingle hat. Kleine Details – aber genau die Art, die aus einem Sportverein mehr machen als eine Mannschaft. Am 8. Mai dürfen beide Witzheldener Teams das gemeinsam feiern, unabhängig davon, wer am Ende gewinnen wird.