Bis Dienstag forschten Jugendliche im Rahmen der Internationalen Chemieolympiade auf dem Leverkusener Campus. Was die Jugend an der Chemie begeistert.
Auf dem Campus LeverkusenChemieolympiade – Talente aus NRW forschen in Opladen

Prof. Dr. Dirk Burdinski (l.) zeigt den fluoreszierenden Farbstoff, den zwei Teilnehmer synthetisiert haben.
Copyright: Violetta Gniß
Trotz Semesterferien herrscht im Labor der TH Köln in Leverkusen-Opladen am Dienstag, 10. Februar, reges Treiben: 18 Schülerinnen und Schüler forschen im Rahmen des Landesseminars zur Internationalen Chemieolympiade.
Als Versuch steht an diesem Tag die „Argentometrische Chloridbestimmung mit Fluorescein als Indikator“ auf dem Programm. Am Wochenende hatten die Jugendlichen bereits Seminare zur theoretischen Vertiefung, nun sollen sie praktische Erfahrungen sammeln.
In der Schule bleibt der Chemieunterricht sehr oberflächlich und man hat nicht so viel Zeit, an einem Experiment zu arbeiten
Und das im Fakultätslabor der Angewandten Naturwissenschaften, in dem ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen als in der Schule. Die Jugendlichen sind davon sichtlich begeistert. „In der Schule bleibt der Chemieunterricht sehr oberflächlich und man hat nicht so viel Zeit, an einem Experiment zu arbeiten“, sagt die 17-jährige Charlene Tsao aus Aachen.
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Ihr Freund Oliver Westdickenberg, mit dem sie den Versuch gemeinsam durchführt, ergänzt: „Hier sind die Themen fortgeschrittener und es ist interessant, dass wir uns einen ganzen Tag einem Molekül widmen.“ Der ebenfalls 17-jährige Oliver weiß bereits: Er hat sich für die nächste Runde der Chemieolympiade qualifiziert. Gemeinsam mit fünf anderen Jugendlichen aus NRW geht es für ihn zum Bundesentscheid, nach dem vier Jugendliche aus Deutschland in das Finale in Taschkent in Usbekistan einziehen werden.
Und trotz dieses Hintergrundes ist die Atmosphäre am Dienstagmorgen unbeschwert. Der Spaß überwiege den Leistungsdruck, sagen die Jugendlichen. Das gelte auch für die vorherigen Runden, denn die Schülerinnen und Schüler mussten anlässlich des Wettbewerbs auch zusätzliche Klausuren schreiben und Hausaufgaben einreichen. Sie würden sich meistens in den Inhalten verlieren und darüber sei der Leistungsdruck weniger präsent, sagen die Nachwuchschemikerinnen und -chemiker.
Chemiewettbewerb in Leverkusen: Spaß überwiegt Leistungsdruck
Tsao und Westdickenberg begeistert an der Chemie primär die Kreativität – der kreative Aspekt der Synthese und des Problemlösens. Rafael Camisón Grimbach, der ebenfalls für die nächste Runde qualifiziert ist, beschreibt seine Leidenschaft: „Ganz trivial gesagt begeistert mich, dass man aus irgendwelchen Sachen andere Sachen machen kann.“ Der Wettbewerb habe ihn angespornt, schließlich wolle man auch Anerkennung erhalten und möglichst weit kommen.
Aber auch er spüre keinen Leistungsdruck: „Es ist alles total entspannt. Es ist einfach cool, mitzumachen“, sagt er. Das Rahmenprogramm sei super, außerdem könne man neue Kontakte knüpfen. Rafael hat vor einem Jahr einen guten Freund hier kennengelernt: den 17-jährigen Junzhe Yao. Mit ihm arbeitet er auch in diesem Jahr an einem Versuch. „Die Chemie hat uns zusammengebracht“, erklärt Junzhe. Rafael fügt hinzu: „Es ist schön, hier andere Leute zu treffen, die dieselben Interessen haben. Wenn ich in der Schule über Chemie rede, verstehen mich viele nicht.“
Wenn man spielerisch sehr früh lernt, ist der Zugang einfacher
Den Wettbewerb begleiten wissenschaftliche Mitarbeitende und Professor Dr. Dirk Burdinski von der TH Köln. Hochschulen würden eine zentrale Rolle bei der Nachwuchsförderung spielen, erklärt Burdinski. „Die Zahlen der Studierenden gehen in Deutschland runter. Als Chemiestandort ist der Nachwuchs für uns aber existenziell. Wir müssen also junge Menschen begeistern, und das geht am besten über Hochschulen, weil die Kapazitäten an Schulen begrenzt sind“, schildert der Studiendekan. Mit der Chemieolympiade wollen sie die Faszination für das Fach vermitteln. Allem Anschein nach ist dieser Ansatz zumindest bei diesen 18 Jugendlichen fruchtbar.
„Wenn man spielerisch sehr früh lernt, ist der Zugang einfacher“, betont Burdinski. In den vergangenen Jahren hat das Interesse an MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) laut dem Wissenschaftler stark abgenommen. Man müsse mit der Förderung also früher beginnen, denn: „Wer einmal die Begeisterung für die Chemie gespürt hat, verliert sie nicht mehr.“

In Zweierteams führten die Jugendlichen jeweils die Versuche durch, hier: Charlene Tsao (r.) und Oliver Westdickenberg aus Aachen.
Copyright: Violetta Gniß
Bei diesem „spielerischen“ Experimentieren habe man außerdem die Möglichkeit, Fehler zu machen. „Alle haben zwar denselben Versuch, aber es ist wie Kuchenbacken: Jeder kann die Zutaten anders zusammenmischen“, sagt der Professor. Die Landesbeauftragten der Chemieolympiade, Andrea Küsters und Dr. Simon Scheeren, ergänzen, dass die Jugendlichen hier vertieft lernen würden, sich selbst zu organisieren. „In der Schule läuft vieles angeleitet ab, hier tragen die Schülerinnen und Schüler mehr Verantwortung“, so Küsters und Scheeren.
Die beiden Landesbeauftragten freuen sich über die Kooperation mit der TH Köln an ihrem Standort in Leverkusen. „Gestern waren wir im Chempark und durften uns drei verschiedene Labore anschauen. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, sie sind sehr schülerzugewandt“, berichtet Küsters. Aus Leverkusen sind in diesem Jahr allerdings keine Teilnehmenden vertreten.
Die Chemieolympiade ist kein schulischer Wettbewerb, sondern basiert auf Eigeninitiative der Jugendlichen. Neben ihrem Engagement wird auch die Leistung der Schülerinnen und Schüler gewürdigt – nicht zuletzt von NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller. Die CDU-Politikerin besuchte die Teilnehmenden am Mittwoch. Nun folgt für die sechs Besten noch eine Klausur im November, sie müssen sich auf Bundesebene behaupten, bis im Juli das Finale ansteht.
