Teil drei unserer Serie: Opladen hatte erst gar keinen Bahnhof, später waren es wegen der Konkurrenz der Eisenbahngesellschaften zwei.
Eisenbahngeschichte in LeverkusenOpladen bekommt Bahnhof – Verstimmung in Schlebusch

Der alte Bahnhof Opladen von der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft. Er wurde erst 1965 ersetzt.
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Die Eisenbahn war in den Jahren nach 1840 eine ganz heiße Sache, sie krempelte die Wirtschaft um. Die Köln-Mindener Eisenbahn war 1845 eröffnet worden, bald schon gab es erste Planungen für eine zweite Strecke, mit der endlich auch die spätere Eisenbahnerstadt Opladen ans Netz gehen sollte – mit einem eigenen Bahnhof. Es ist die Strecke, die derzeit für die Generalsanierung gesperrt ist.
Um zwischen den Wirtschaftszentren Köln und Wuppertal (Elberfeld) zu reisen, war damals noch ein Umweg über Düsseldorf einzuplanen, mit Umstieg, denn die Eisenbahngesellschaften ließen keine fremden Züge auf ihren Gleisen fahren.
Unabhängig voneinander existierten die Köln-Mindener Strecke über Küppersteg nach Düsseldorf und die Düsseldorf-Elberfelder Bahn. Letztere mit ihrer spektakulären Steilrampe bei Haan-Hochdahl, über die es die frühen Dampfzüge nur mit einer Seilwinde schafften. Die Strecken waren aber nicht verbunden, wie wir das heute kennen.
Dass sich die Investition in Bahnstrecken langfristig lohnt, war allen klar: „Über die Rentabilität der Bahn wird man keinen Zweifel hegen“, schrieb 1855 die Zeitung „Verkünder und Anzeiger an der Niederwupper“. 1850 war im Opladener Gemeinderat eine Eisenbahn zur Sprache gekommen, die (fast) durch die Innenstadt geführt werden sollte. Bauen wollte sie die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft, die 1844 eine Zulassung bekommen hatte. Geplant war eine Bahn hoch ins Bergische Land über Opladen von Köln aus, aber der Höhenunterschied war eine Herausforderung und die Streckenführung stand anfangs noch nicht fest.
Zwei Linienführungen sollen zuerst im Gespräch gewesen sein. Über Opladen gingen beide Varianten. Ab Leichlingen sollte es dann entweder direkt über Solingen nach Haan oder die Wupper hinauf über Burg, Müngsten und Glüder gehen. Diese Strecke wäre wegen der Brücken und Tunnel aber teuer geworden. Man entschied sich, die Trasse von Opladen, Leichlingen, dann in einem Trog über Ziegwebersberg nach Solingen-Ohligs zu führen. Südlich sollte sie über Manfort und Mülheim nach Deutz verlaufen. Im November 1862 entschied die Generalversammlung, dass zuerst der Abschnitt Opladen-Haan-Gruiten gebaut werden sollte, wo die Gleise mit der vorhandenen Strecke Düsseldorf-Elberfeld verbunden werden sollten.
Über Opladen: Direktverbindung von Köln nach Elberfeld
Ein Redakteur der Düsseldorfer Zeitung schrieb etwas umständlich: „Die Bahn von Haan nach Deutz resp. Köln gewährt endlich den längst gewünschten Anschluß des Bergischen an Köln und die dort mündenden Eisenbahnen, und kürzt den Weg gegen den seitherigen über Düsseldorf um ein Drittel ab. Wird eine zweite Rheinbrücke bei Köln gebaut, was vorauszusetzen ist, so muß auch ein Bahnhof in letzterer Stadt angelegt werden“.
Das Grundstück für den ersten Bahnhof mussten die Opladener gratis abgeben. „Die Eisenbahn-Arbeiten an der Strecke Haan-Deutz nehmen neuerdings einen erfreulichen Fortgang“, schreibt der Opladener Verkünder im September 1866.

Fundamente einer historischen Drehscheibe kamen 2016 bei Bauarbeiten bei der Verlegung der Gütergleise zum Vorschein. Das Bodendenkmal ging damals verloren.
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Keine vier Jahre nach dem Beschluss über die Trassenführung wird die Strecke zwischen Haan und Opladen am Samstag, 21. September 1867, mit einem aus neun Prachtwagen bestehenden Extrazug eröffnet. Von Haan ging es um 9.30 Uhr zuerst nach Solingen, dann nach Opladen, hier war vorläufig noch die Endstation.

Das Bild entstand kurz bevor das historische Dach des Bahnhofs Manfort im Februar 2026 abgebrochen wurde.
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Der Bau der Strecke südlich bis Mülheim dauerte ebenfalls noch vier Jahre. Die direkte Fahrt von Elberfeld oder Opladen nach Köln war erst ab 1872 möglich, denn der Abschnitt wurde erst geplant, als man weiter nördlich schon zwischen Opladen und Elberfeld pendeln konnte.

Der Bahnhof Schlebusch
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Beim Weiterbau der Strecke im Süden wurde ein Fehler zugelassen, der erst nach 149 Jahren korrigiert wurde: Gemeint ist der berühmte Bahnhof Schlebusch. Weshalb man die Station nicht gleich zu Beginn Manfort nannte, erklärt vielleicht auch diese Geschichte aus der Zeitung „Verkünder“ vom 30. November 1867: Bevor die endgültige Lage der Trasse feststand, war in Schlebusch die Freude über einen möglichen Bahnanschluss groß. Freiherr von Diergardt, der Schlossherr in Morsbroich, spendierte 400 Taler zum Bau eines Bahnhofs.
Nach der Veröffentlichung der Streckenführung, die über Manfort und nicht durch Schlebusch führen sollte, soll man im Schloss und in Schlebusch verstimmt gewesen sein.

Ein altes Email-Schild Leverkusen-Schlebusch stand am 20.4.2026 noch an der Strecke in Manfort.
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Auch der Schlebuscher Bürgermeister Rossi versuchte noch, Einfluss auf die Trassenführung auszuüben, sie näher in Richtung Schlebusch zu verlegen. Es war klar: Die Schlebuscher Station lag weit weg in Manfort. Sein Versuch der Einflussnahme war vergeblich, aber immerhin: Der Bahnhof bekam den Namen „Schlebusch“, eine echte Mogelpackung. Diergardt setzte sich jetzt aber dafür ein, dass eine gute Straße zwischen Schlebusch und dem Bahnhof geführt werden sollte.
Die weitere Geschichte der Station ist bekannt: 2021 wurde der Bahnhof endlich in „Manfort“ umbenannt. Das alte Holzdach, das vielleicht sogar aus der Anfangszeit stammte, wurde erst vor zwei Monaten, im Februar 2026, niedergelegt. Das wirklich gut erhaltene Dach stand nicht unter Denkmalschutz.

