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Frühlingsfest in LeverkusenSchlebusch blüht – dieses Jahr so richtig

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Caroline und Denis Ende haben Blumen aus Amsterdam mit nach Schlebusch gebracht.

Caroline und Denis Ende haben Blumen aus Amsterdam mit nach Schlebusch gebracht.

Bunte und stählerne Blumen mit tieferer Bedeutung wurden in Schlebusch unter die Leute gebracht.

Viele Fressbuden, zu wenig Blumen – diese Kritik am Frühlingsfest „Blühendes Schlebusch“ war in den vergangenen Jahren schon mal zu hören. Das hat sich die veranstaltende Werbe- und Fördergemeinschaft zu Herzen genommen. Mit Erfolg: An diesem letzten Aprilwochenende blüht Schlebusch – und zwar so richtig. Wer die Fußgängerzone aus Richtung Herkenrath Hof betritt, wird von leuchtendem Rosa und Lila empfangen.

„Alles, was schön blüht“, ist in diesem – wie eigentlich in jedem – Jahr angesagt, sagt Caroline Ende, die mit ihrem Bruder Denis und allerlei exotischen Pflanzen aus Amsterdam nach Schlebusch gekommen ist. Bereits zum 17. Mal, meint sie. Vor allem Mediterranes werde in Schlebusch gerne gekauft, kleine Palmen und Olivenbäume haben sie dabei und die leuchtend blühenden Dipladien und die winterharte Polygala, die bis in den Winter lila blüht. „Wir suchen auf der ganzen Welt nach den schönsten Pflanzen“, sagt Caroline Ende. Für diese Saison sei das noch gut gegangen, allerdings befürchtet sie schon, dass Kriege und unterbrochene Lieferketten in Zukunft zu Problemen und Preissteigerungen führen könnten. „Aber in diesem Jahr noch nicht, wir haben rechtzeitig eingekauft und unsere Lager voll.“

Claudia und Markus Urban lassen sich von Bernd Steinbach zu ihrem Hochbeet beraten.

Claudia und Markus Urban lassen sich von Bernd Steinbach zu ihrem Hochbeet beraten.

Claudia und Markus Urban sind nach Schlebusch gekommen, um ihre Hochbeete neu zu bestücken. Spitzpaprika, Basilikum und Physalis kaufen sie bei Bernd Steinbach von der Florhof-Gärtnerei in Bergisch Gladbach. „Ich bin überzeugt, dass wir hier bessere Qualität zu einem guten Preis kriegen als im Gartencenter hier in der Stadt“, sagt Claudia Urban. Außerdem gibt es fachkundige Tipps dazu: Ob sie Basilikum und Spitzpaprika nebeneinander ins Hochbeet setzen könne, fragt sie Bernd Steinbach. „Klar, aber Sie müssen aufpassen, dass der Basilikum die Paprika nicht überwuchert“, sagt der Experte – genügend Abstand muss sein.

Sommer für Zuhause im Pflanztopf.

Sommer für Zuhause im Pflanztopf.

Vor allem hat er einiges dabei, das man nicht in jedem Pflanzenladen bekommt. „Unsterblichkeitskraut“ zum Beispiel. Das ist schwer angesagt, um daraus Tee zu machen. Gesund ist das bestimmt, ob man dadurch wirklich länger lebt – „wenn man daran glaubt, bestimmt“, sagt Steinbach augenzwinkernd. Paradiesische Feige, fruchtige Ananas-Salbei, Salsa-Chili – die Namen auf den exotischen Pflanztöpfen machen wirklich Lust auf Sommer.

Eine Blume ganz anderer Art gibt es am Stand des Freudenthaler Sensenhammers. Die Sichel einer alten Sense ritzt der Schmied mehrfach senkrecht ein, schlägt die einzelnen Teile spiralförmig nach oben – bis eine kunstvolle, eiserne Rose entsteht. Noch begehrter als die Rose ist die Unterschriftenliste, in der sich Menschen gegen die geplanten Stellenstreichungen aussprechen, die den Fortbestand des Industriemuseums gefährden.

Schmiede

Aus eingeritzten Sicheln machen die Schmiede des Sensenhammers stählerne Rosen.

„Online haben bereits ein Prozent aller Leverkusener unterschrieben“, freut sich Jens Schäperclaus über die Unterstützung. Noch mehr freuen ihn die mehr als 1000 Kommentare, die sich unter der Petition gesammelt haben. „Die sind so persönlich und wertschätzend, das ist wahnsinnig schön zu lesen.“ Auch auf dem Schlebuscher Arkadenplatz spürt er den Zusammenhalt im Stadtteil. „Bestimmt die Hälfte aller Passanten bleibt stehen und ist sehr interessiert an dem, was wir machen“, sagt Achim Halswick. Er ist einer der ehrenamtlich Engagierten am Sensenhammer. „Wir leisten im Jahr 15.000 ehrenamtliche Stunden, das sind siebeneinhalb Vollzeitstellen“, sagt er. Aber alleine können sie den Betrieb nicht aufrechterhalten – werden die drei städtischen Beschäftigten abgezogen, droht auch das ehrenamtliche Engagement verloren zu gehen. „Das muss man auch mal sehen“, appelliert Halswick.

Immer wieder bleiben Kinder am Amboss stehen und dürfen auch mal selbst den Hammer schwingen. „Kinder lernen hier so viel, über Wasserkraft oder wie ein Seilzug funktioniert“, sagt Halswick. Der Sensenhammer sei eben mehr als ein Museum, sondern ein historischer und gleichzeitig lebendiger Lernort. Um dessen Erhalt wollen sie weiter kämpfen, auch mit stählernen Rosen.


„Blühendes Schlebusch“ hat seine Stände auch am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Parallel findet von 13 bis 18 Uhr ein verkaufsoffener Sonntag in der Fußgängerzone statt.