Bis auf den Schlebuscher Zug gehen alle Karnevalszüge der Stadt ihren gewohnten Weg.
SicherheitNeuer Zugweg in Schlebusch – Polizei erwartet friedlichen Karneval

Der Karnevalszug in Schlebusch wird in diesem Jahr einen verkürzten Zugweg gehen.
Copyright: Dominik Scholz
„Im Herbst standen wir vor einem Riesenberg an Herausforderungen und wussten nicht, wie und ob wir das hinkriegen“, erinnert sich Martin Woutenar von der KG Hetdörper Mädche un Junge. Sie haben es hinbekommen, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Ordnungsamt. „Dafür ein dickes Dankeschön an alle Stellen.“ Trotz erhöhter Sicherheitsauflagen können alle Karnevalszüge gehen und auch weitere Veranstaltungen rund um die jecken Tage finden wie gewohnt statt.
Die Züge
Die Karnevalszüge am Freitag in Hitdorf, am Sonntag in Wiesdorf und Lützenkirchen und am Rosenmontag in Opladen finden zu den gleichen Zeiten und über die bekannten Zugstrecken statt. „Wir konnten in Wiesdorf und Opladen die Teilnehmerzahl etwas steigern, darüber freuen wir uns sehr“, sagt Zugleiter Andreas Beljan. FLK-Geschäftsführer Thomas Loef freut sich vor allem, dass mit dem Marianum eine weitere Schule erstmals im Opladener Zug mitgeht, und das auch mit eigener Kapelle, denn: „Musikkapellen zu bekommen, ist enorm schwierig geworden.“
Alles zum Thema Fußball-Bundesliga
- UEFA Youth League 50.000 Fans bei Junioren-Spiel: Zuschauerrekord in Köln
- Fußball-Bundesliga Thioune sicher: „Der richtige Trainer am richtigen Ort“
- Sicherheit Neuer Zugweg in Schlebusch – Polizei erwartet friedlichen Karneval
- Nach Heiratsantrag im Stadion Das sagt der 1. FC Köln zu den Vorwürfen
- Verzicht etwa auf Kontrolltage Polizei soll effizienter werden
- Aus Erfahrungen gelernt FC plant Anreise nach Stuttgart bereits an Weiberfastnacht
Änderungen gibt es beim Schlebuscher Schull- und Veedelszoch am Karnevalssamstag. Die Aufstellung findet wie üblich am Dhünnberg statt, allerdings nimmt der Zug dann nicht die Schleife über die Reuterstraße, sondern biegt direkt ab Dhünnberg auf die Mülheimer Straße. Sicherheitsgründe und Einschränkungen durch Baustellen seien der Grund für die Veränderung, unter anderem müssen so deutlich weniger Stichstraßen abgesperrt werden. Die Großbaustelle am Dhünnberg soll bis Weiberfastnacht abgeschlossen sein, verspricht die Stadt. Alle Informationen zu den Zugwegen und Sperrungen folgen in einer der nächsten Ausgaben des „Leverkusener Anzeiger“.
Das sagt die Polizei
„Die Sicherheitslage ist vergleichbar mit dem letzten Jahr“, sagt Ulrich Kopka, erster Polizeihauptkommissar. Dafür seien alle Vorkehrungen getroffen, er gehe von friedlichen Feierlichkeiten aus, denen auch das Bundesligaspiel von Bayer 04 gegen St. Pauli keinen Abbruch tun soll. Beim DFB-Pokal-Gastspiel am Dienstag hätten die St.-Pauli-Fans schon gezeigt, was sie am besten können: friedlich feiern. „Wir gehen da nicht von Problemen aus“, sagt Kopka. Wer meine, den Karneval für Straftaten missbrauchen zu müssen, werde rigoros aus dem Verkehr gezogen, kündigt Kopka an. „Allen anderen sage ich: Kommt bitte alle nach Leverkusen zu den Zügen, es wird ein gutes Zusammensein geben.“

Polizei in der Schlebuscher Fußgängerzone
Copyright: Archivbild: Ralf Krieger
Das sagt das Ordnungsamt
Ordnungsamtsleiter Steffen Franzkowski spricht von einer weiterhin „hohen abstrakten Gefährdungslage“, die erhöhte Sicherheitsmaßnahmen erfordert. Diese seien aber alle umgesetzt, unter anderem durch Zufahrtssperren, die weiterhin mit Fahrzeugen gewährleistet werden. „Wir erarbeiten aktuell ein Konzept mit zertifizierten Zufahrtsschutzelementen, bei dem wir auch verschiedene Systeme testen“, sagt Franzkowski. Bislang wurden aber keine solchen Sperren angeschafft. Der Kommunale Ordnungsdienst ist an den Karnevalstagen mit bis zu 22 Mitarbeitenden gleichzeitig im Dienst. Franzkowski betont, dass die Stadt die DFL immer wieder darum bittet, am Karnevalswochenende nicht noch ein Bundesliga-Heimspiel betreuen zu müssen: „Das ist ein enormer personeller Kraftakt für uns.“
Jugendschutz
Ein besonderes Augenmerk richtet der Kommunale Ordnungsdienst gemeinsam mit weiteren 22 Mitarbeitenden aus dem Fachbereich Kinder und Jugend, dem Kinderschutz, dem allgemeinen Sozialen Dienst, Schulsozialarbeitern und Streetworkern auf den Jugendschutz. Ein Schwerpunkt dabei ist seit Jahren der Lindenplatz in Schlebusch, wo sich an Weiberfastnacht viele junge Menschen treffen. Dann gilt auch wieder ein Glasverbot. Allerdings stellen alle Beteiligten fest, dass die Lage sich an diesem ehemaligen Brennpunkt in den vergangenen Jahren deutlich entschärft hat. „Probleme mit hochprozentigem Alkohol sind rückläufig“, sagt Marcus Richter, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes. Zunehmende Probleme gebe es eher mit Substanzen wie Vapes, Lachgas und Cannabis. Erstmals stehen auch Mitarbeitende der neu wieder eingerichteten Stelle für Jugendhilfe in Strafverfahren auf Abruf bereit, falls sie gebraucht werden. Im vergangenen Jahr hatte der Fachbereich Kinder und Jugend dazu aufgerufen, dass Freundeskreise besser aufeinander aufpassen und niemanden zurücklassen sollen. „Das hat wunderbar geklappt“, lobt Tanja Groh-Mers. Der Aufruf für dieses Jahr: „Wir wünschen uns, dass die Erziehungsberechtigten für ihre Kinder telefonisch erreichbar sind, es ist für alle Beteiligten nicht schön, wenn wir Oma und Opa anrufen müssen.“
Schutz vor Sexualstraftaten
Die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt hat ihren Slogan von „Nein heißt Nein“ auf „Nur ja heißt ja“ geändert. „Das soll jedem klar machen: Es ist meine Aufgabe zu klären, ob es einen Konsens gibt“, sagt Leiterin Andrea Frewer. 18 Kneipen nehmen an der Aktion „Luisa ist hier“ teil, unter dem Code können sich Frauen, die sich bedrängt fühlen, an Mitarbeitende wenden. Nach einem Test von Radio Leverkusen im vergangenen Jahr seien auch alle Mitarbeitenden noch einmal geschult worden, wie sie sich verhalten sollen, wenn dieser Code genannt wird. Wie zu jeder Zeit bestehe die Möglichkeit zur anonymen Spurensicherung nach Sexualdelikten im Klinikum Leverkusen, erinnert Frewer.
Wagenengel
Überwältigt ist Andreas Beljan vom diesjährigen Ansturm williger Wagenengel: „Wir haben 400 Stellen an sechs Zügen zu besetzen und sind jetzt übervoll.“ Dass sich fast schon zu viele freiwillige Zugbegleiter melden, habe der Zugleiter in all den Jahren, die er das mache, noch nicht erlebt. Das Engagement der Bevölkerung also stimmt – nun bitten die Karnevalsgesellschaften vor allem um finanzielle Unterstützung, damit die Züge auch in Zukunft gehen können. „Die Kosten sind in Dimensionen gegangen, dass die Vereine bald in die Knie gehen“, sagt Beljan. Alle Züge werden von Spendensammlern angeführt, in Wiesdorf und Opladen fährt Thomas Loef erneut mit seinem Fahrrad vorneweg. 15.000 Euro konnte er so im vergangenen Jahr einsammeln. „Wenn jeder Besucher einen Euro gibt, sind die Vereine einen Großteil ihrer Sorgen los“, sagt Beljan.

