Am Samstag, 7. Februar, jährt sich das Gründungsdatum der Kolpingsfamilie in Opladen zum 160. Mal.
160 Jahre KolpingfamilieArchivar gibt Einblicke über Vergangenheit und Zukunft

Seit zehn Jahren wälzt Archivar Klemens Hantke (70) alte Protokolle, vergilbte Zeitungsartikel und handgeschriebene Notizen über die Kolpingfamilie in Opladen
Copyright: Charlotte Breidohr
Seit zehn Jahren wälzt Klemens Hantke alte Protokolle, vergilbte Zeitungsartikel und handgeschriebene Notizen. Was heute im Archiv der Kolpingsfamilie Opladen Zentral liegt, ist ein Stück Leverkusener Stadtgeschichte. Hantke (70), früher im Bahnhofsmanagement der Deutschen Bahn, kennt die Geschichte der Gemeinschaft wie kaum ein anderer. Nun feiert die Kolpingsfamilie am Samstag, 7. Februar 2026, 17 Uhr, ihr 160-jähriges Bestehen – auf den Tag genau mit einer Festmesse in St. Remigius und einer anschließenden Feierstunde ab 18 Uhr, im Kolpinghaus, An St. Remigius 3, gleich nebenan.
„Früher hat mich das gar nicht so interessiert“, gibt der Archivar zu. „Aber wir mussten zum letzten großen Jubiläum etwas zusammentragen und das habe dann ich übernommen.“ Leicht war das nicht: Viele Protokolle sind in Kurrentschrift oder Sütterlin verfasst, einer alten deutschen Schreibschrift, die in der Kaiserzeit entstand. „Jeder Protokollant hatte eine andere Handschrift. Ich musste mich richtig einarbeiten.“
Vom Gesellenverein zum festen Treffpunkt
Gegründet wurde die Kolpingsfamilie Opladen im Jahr 1866 von 16 wandernden Handwerksgesellen. Sie arbeiteten als Schreiber, Seidenweber oder Holzschuhmacher. „Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass ihnen in Opladen ein Ort fehlte, an dem man sich treffen, austauschen und unterstützen konnte“, erklärt Hantke. Zunächst versammelte man sich im katholischen Gymnasium „Aloysianum“ und an wechselnden Orten, bis zwei Jahre nach der Gründung das erste Gesellenhaus gebaut wurde an der Stelle, wo heute die Sparkasse in Opladen steht. Seit 1954 ist die Gemeinschaft an St. Remigius beheimatet.
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Heute zählt die Kolpingsfamilie rund 180 Mitglieder, seit 1972 sind auch Frauen zugelassen – nach langer Diskussion. „Damals hieß es auf dem Sessions-Orden: ‚Die Welt ist himmelblau – wir haben jetzt auch die Frauen“, erzählt Hantke. Der Karnevalsorden hängt ebenso wie viele alte Fahnen und Erinnerungsstücke im Vereinsheim. Heute gibt es mehrere Gruppen: eine Männergruppe, eine Frauengruppe, eine Seniorengruppe und die Abteilung „Fröhlichkeit“ – die „Närrische Kolpingsfamilie“, die laut Archivaufzeichnungen bereits seit 1930 existiert. Karneval ist wie die Kirche fest in der Vereins-DNA verankert. „Schon 1868 gab es in Opladen ein Fastnachtstheater“, so der Archivar, eine alte Zeitungsanzeige dient als Beleg. „Zwei Jahre nach der Gründung traten schon karnevalistische Gruppen auf.“ Die Jeckensitzung der Kolpingsfamilie sei bis heute beliebt.
Widerstand, Wandel und neue Herausforderungen
Ein besonders dunkles Kapitel der Vereinsgeschichte ist die Zeit des Nationalsozialismus. Die Kolpingsfamilie stand massiv unter Druck, Veranstaltungen wurden verboten, Unterlagen beschlagnahmt. Die Vereinigung mit dem Namen „Katholischer Gesellenverein Opladen“ musste sich Anfang der 1930er Jahre umbenennen. In Protokollen finden sich Hinweise auf Übergriffe der Hitlerjugend auf junge Kolpingmitglieder. Ein Mitglied, Josef Adams, landete im Konzentrationslager. „In einem Jahresbericht von 1933 steht, dass zwölf zur Bundesversammlung nach München gefahren und nur elf zurückgekommen sind“, erzählt Hantke mit bewegter Stimme. Der Kolpingbruder sei wohl im KZ umgebracht worden.
Trotz allem hielt die Gemeinschaft zusammen. Nach dem Krieg wurde die Arbeit schnell wieder aufgenommen – mit prominenter Unterstützung: Bernhard Ridder, später erster Generalpräses des Kolpingwerks Deutschland, war zuvor Präses in Opladen.
Auch gesellschaftlich hat sich vieles verändert. Heute sind viele Mitglieder in technischen Berufen oder der IT tätig. Das Durchschnittsalter liege bei über 60 Jahren. Geblieben sind Gemeinschaft, Zusammenhalt und die enge kirchliche Anbindung. Jeden ersten Dienstag im Monat gibt es eine Andacht in der Krankenhauskapelle mit anschließendem religiösem Vortrag.
Wir sind stolz auf unsere Geschichte, aber uns fehlt die Jugend. Ich habe Sorge, dass es uns irgendwann nicht mehr gibt, wenn sich junge Menschen nicht stärker engagieren.
„Wir sind stolz auf unsere Geschichte, aber uns fehlt die Jugend. Ich habe Sorge, dass es uns irgendwann nicht mehr gibt, wenn sich junge Menschen nicht stärker engagieren“, sagt Hantke offen.
Über das Jahr verteilt sind Vorträge und kleinere Veranstaltungen geplant, die die Geschichte und das Wirken der Kolpingsfamilie beleuchten. „Runde Geburtstage auf den Tag genau zu feiern, hat bei uns Tradition“, sagt Hantschke. „Aber wir wollen auch Raum für Begegnung und Erinnerung schaffen.“ Mehr Infos unter www.kolping-opladen.de.
Das ist die Kolpingsfamilie
Die Kolpingsfamilie ist Teil des Kolpingwerks Deutschland, einer katholischen Sozialbewegung, die im 19. Jahrhundert vom Priester Adolph Kolping gegründet wurde. Ursprünglich entstanden die Gemeinschaften als Zusammenschlüsse junger Handwerksgesellen auf Wanderschaft, die Unterstützung, Bildung und Zusammenhalt suchten.
Heute engagieren sich Kolpingsfamilien generationenübergreifend überall auf der Welt mit sozialen Projekten, Bildungsangeboten, Vorträgen und gemeinschaftlichen Veranstaltungen. (cbr)
