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ProzessJeden Tag ein Diebstahl in Leichlingen

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Das Justizzentrum an der Luxemburger Straße in Köln

Am Kölner Landgericht wurde einem 25-Jährigen am Freitag der Weg in eine Drogentherapie geebnet.

400 Euro am Tag brauchte ein 25-Jähriger, um seine Drogen zu finanzieren. Jetzt will er eine Therapie machen.

Richterin Julia Krüger konnte es kaum glauben. „15 bis 20 Gramm Amphetamine und drei bis vier Gramm Kokain“ habe er konsumiert – und das täglich, berichtete der 25-Jährige am Freitag der 7. Kleinen Strafkammer in Köln. Ein klarer Fall von Polytoxikomanie. Um seine Sucht zu finanzieren, habe er zuletzt am Tag ungefähr 400 Euro benötigt, ergänzte der junge Mann mit polnischem Pass. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass der Polizei bei Weitem nicht alle seine Delikte bekannt geworden sind.

Dabei war die Reihe der Vorwürfe auch so schon sehr beeindruckend. Am 16. Mai 2024 hatte er in Leichlingen ein Mountainbike gestohlen. Einen Tag später brachte er einen Mann zu Boden, nahm ihm Smartphone und Portemonnaie ab. Am 18. Juni stahl er ebenfalls in Leichlingen ein Pedelec im Wert von 3500 Euro. Als die Polizei ihn aufgriff, zeigte sich, dass er für derartige Diebstähle gut präpariert war. Feile und Brecheisen hatte er dabei.

Am 8. September stahl er ebenfalls ein Pedelec und einen E-Scooter, der knapp 1900 Euro wert war. Keine zwei Wochen später drohte er einem Leichlinger auf offener Straße Schläge an. Als das Opfer floh, verlor es 90 Euro Bargeld aus der Tasche – doch als der Mann sich bückte, um das Geld wieder an sich zu nehmen, drohte Jakub R. (Name geändert) ihm mit einem Schlagstock. Also blieb das Geld bei ihm.

Kuscheltier geklaut: für die Freundin

Ähnlich lief es im vorigen April: Jakub R. hielt in Leichlingen einen Mann auf der Straße an, durchsuchte ihn, räumte die Geldbörse leer. Die Beute: 45 Euro. Am 24. April 2025 schließlich nahm er aus dem Billigmarkt Tedi ein Kuscheltier mit, ohne es zu bezahlen. Das sei für die Freundin gewesen, erklärte er der Richterin.

Gemeldet ist Jakub R. jetzt wieder bei seiner Mutter. Seine derzeitige Anschrift lautet aber: Rochusstraße 350 in Köln – dort sitzt er in Untersuchungshaft, weshalb der junge Mann am Freitag in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde.

In der Sache war am Freitag in zweiter Instanz nicht viel zu sagen. Jakub R. räumte alle Taten ein. Das hatte er im September auch schon vor dem Amtsgericht in Opladen getan. Dort verurteilte ihn Richter Dietmar Adam zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Was aber fehlt, ist ein klarer Hinweis auf die Drogenabhängigkeit des Angeklagten. Und das ist inzwischen ein Problem: Sein Mandant sei „in sich gegangen“, erklärte Rechtsanwalt Frank Bayer. Der junge Mann, der nach eigenen Angaben Drogen nimmt, seit er 13 Jahre alt ist, will jetzt eine Therapie machen.

Um das anzuschieben, muss seine Polytoxikomanie allerdings klar vom Gericht festgestellt sein. Deshalb die Berufung vor dem Landgericht: „Wenn die Kammer uns netterweise was Entsprechendes reinschreibt …“, so Bayers Bitte.

Dem verschloss sich Richterin Krüger nicht, woraufhin der Anwalt die Berufung zurücknahm und das Leverkusener Urteil rechtskräftig wurde. Mit der Konsequenz, dass Jakub R. nun nicht mehr in Untersuchungshaft ist, sondern in ganz normaler Strafhaft. Das wiederum ermöglicht dem 25-Jährigen, sich um einen Therapieplatz zu bemühen. Vielleicht die erste Etappe auf dem Weg in ein straffreies Leben.