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Leverkusener Dachdeckerin„Mir wurde oft die Frage gestellt, ob ich einen so schweren körperlichen Beruf schaffe“

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Johanna Heinen führt mit ihrem Vater einen Dachdeckerbetrieb in Leverkusen.

Johanna Heinen führt mit ihrem Vater einen Dachdeckerbetrieb in Leverkusen.

Zum Internationalen Frauentag hat die Handwerksmeisterin auf der Zonta-Bank in Opladen Platz genommen.

Es wird wohl nicht viele Menschen geben, die Johanna Heinen „Kolleginnen“ nennen kann. Die 39-Jährige führt mit ihrem Vater Johannes Heinen den Betrieb „Johann Heinen Dachdeckermeister“ in vierter Generation. Die Handwerksmeisterin hat zum Equal-Pay-Day (7. März) und zum Internationalen Frauentag (8. März) auf der Zonta-Bank in Opladen Platz genommen, um über Gleichstellung in ihrer Branche zu sprechen.

„Tatsächlich ist der Frauenanteil in Handwerksbetrieben immer noch vergleichsweise sehr gering“, sagt sie. Unterschiedlich behandelt worden sei sie aber in ihrem Familienbetrieb nicht. „Ich habe alle Aufgabenbereiche des Berufs wie jeder andere Azubi kennengelernt und mitgearbeitet wie jeder andere.“ Dadurch entstehe Akzeptanz und Gleichstellung.

Anders sei es häufig bei Kunden gewesen, sagt sie. Viele seien im ersten Moment sehr verwundert, dass eine junge Frau als Dachdeckermeisterin vor der Türe stehe: „Mir wurde oft die Frage gestellt, ob ich einen so schweren körperlichen Beruf schaffe.“ Sie habe beweisen müssen, dass sie als Frau genauso auf dem Dach arbeiten könne wie ein Mann und auch dieselben Fachkenntnisse habe. „Man braucht den Willen und die Kraft, gegen Vorurteile vorzugehen und sich durchzusetzen.“

Nach der ersten Verwunderung seien die Reaktionen allerdings meist positiv und bestärkend gewesen. Und in der jüngeren Generation seien Frauen im Handwerk inzwischen sehr akzeptiert. Traditionelle Rollenbilder wandelten sich, sagt sie. Das biete Chancen: „Es geht darum, ob ein Beruf zu einem passt und man ihn mit Freude ausübt.“

Sollten Frauen dennoch in Handwerksbetrieben mit Mobbing oder gar verbaler und körperlicher Gewalt zu tun haben, hofft sie, dass Betroffene sich jemandem im Betrieb anvertrauen können. Übergeordnet gebe es inzwischen Stellen, an denen Frauen aufgefangen und unterstützt würden. Zum Beispiel bei der Kreishandwerkerschaft oder dem Kölner Handwerkerinnenhaus. (nip)