Nach der geplatzten Fusion des städtischen IT-Dienstleisters IVL mit der Regio IT aus Aachen bleiben die Gründe für das Scheitern rätselhaft.
Geplatzte FusionGesellschafter der Regio IT sahen keinen Mehrwert in Leverkusen

Von außen bislang nicht erkennbar, arbeitet die Informationsverarbeitung Leverkusen (IVL) seit einem Monat in diesem Gebäude an der Marie-Curie-Straße im Manforter Innovationspark.
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Nach dem Veto der Gesellschafterversammlung der Regio IT aus Aachen gegen die Fusion mit dem städtischen Dienstleister für Informationstechnologie IVL bleiben die Gründe weitgehend offen. In einer Pressemitteilung der Regio IT hieß es am Mittwoch lediglich: „Die Hauptgesellschafter der Regio iT sehen in einem Zusammenschluss mit der IVL derzeit nicht den angestrebten strategischen Mehrwert.“
Die Anteile an der Regio IT Gesellschaft für Informationstechnologie mbH teilen sich eine Vielzahl von Kommunen, zwei Zweckverbände, ein kommunaler Verbund und der Aachener Energieversorger EVA (Energieversorgungs- und Verkehrsgesellschaft Aachen). Hauptgesellschafter sind aber die EVA (37,64 Prozent), die Civitec Zweckverband kommunale Informationsverarbeitung mit Sitz in Siegburg (18 Prozent), der Zweckverband Infocom mit Sitz in Gütersloh (12,88 Prozent), die Stadt Aachen (10,08 Prozent) und die Städteregion Aachen als Ganzes (10,08 Prozent). Die restlichen Anteile mit je etwas weniger als einem Prozent entfallen auf zwölf Kommunen im Umland von Aachen sowie auf die Regio IT Beteiligungsgesellschaft (ein Prozent).
Der „Leverkusener Anzeiger“ erfuhr jedoch aus gut unterrichteter Quelle, dass nur drei der fünf Hauptgesellschafter in der entscheidenden Sitzung am Dienstag, 24. Februar, gegen die Fusion votierten: die EVA, die Stadt Aachen und die Städteregion Aachen, die gemeinsam mit 57,8 Prozent die Mehrheit der Gesellschafteranteile halten. Aus welchem Grund diese Gesellschafter die Fusionsverhandlungen 2025 erst guthießen, um sie dann gut ein halbes Jahr später mit dem luftigen Argument zu stoppen, man sehe „keinen strategischen Mehrwert“, bleibt einstweilen unklar.
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Ein Aufsteller mit dem IVL-Logo in dem Bürogebäude an der Marie-Curie-Straße
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Eine berechtigte Spekulation in diesem Zusammenhang hat mit der bisherigen und der potenziellen künftigen Gesellschafterstruktur der Gesellschaft zu tun. In dem bisherigen Konstrukt haben die drei Hauptgesellschafter aus Aachen und der Aachener Region eine Stimmenmehrheit. Wäre Leverkusen als neuer, wenn auch kleinerer Partner hinzugekommen, hätten die Gesellschafteranteile neu verteilt werden müssen – und die kommode Stimmenmehrheit für die Aachener wäre womöglich perdu gewesen, weil dann die Leverkusener, Siegburger und Gütersloher Gesellschafter gemeinsam mit einigen der Kleingesellschafter aus dem Aachener Umland auf mehr als 50 Prozent der Stimmen gekommen wären. Die Aachener hätten damit nicht mehr allein die Strategie des in der Kaiserstadt 2003 als Regio IT Aachen GmbH gegründeten Unternehmens bestimmen können.
Zudem lagen zwischen dem Beginn der Fusionsverhandlungen und dem Aus die Kommunalwahlen. In Aachen löste der CDU-Mann Michael Ziemons die bisherige Grüne OB Sibylle Keupen ab. Womöglich spielte auch das eine Rolle.
Aus der Regio IT-Geschäftsführung ist zwischen den Zeilen der Mitteilung zum Fusions-Aus deutlicher Unmut zu vernehmen. Dort heißt es zwar zunächst, man respektiere die Entscheidung der Hauptgesellschafter. Doch dann betont die Regio IT: „Auch wenn noch nicht in allen wesentlichen Punkten mit der IVL Einigkeit erzielt werden konnte, bedauern wir den Ausgang des Prozesses, weil wir in den vergangenen Monaten deutlich gesehen haben, wie viel Potenzial eine vertiefte Partnerschaft mit der ivl bieten könnte.“
Wir haben deutlich gesehen, wie viel Potenzial eine vertiefte Partnerschaft mit der ivl bieten könnte.
Den Widerspruch, der sich zwischen „kein strategischer Mehrwert“ und „viel Potenzial einer vertieften Partnerschaft“ auftut, können letztlich nur Beteiligte an dem Prozess auflösen.
Bei der IVL ist man von der Entwicklung in Aachen überrascht. „Die IVL und ihre Gesellschafter Stadt Leverkusen und EVL haben erst zu Wochenbeginn von der Entscheidung erfahren, die geplante Fusion nicht weiterzuverfolgen“, heißt es in einer Antwort auf einer Anfrage dieser Zeitung. „Fachliche oder wirtschaftliche Hinweise darauf, dass der weit fortgeschrittene und konstruktive Prozess nicht zum Abschluss gebracht würde, lagen aus Sicht der ivl nicht vor“, betont man ebenso wie die Stadt.
Wie es jetzt weitergeht? Die IVL werde sich künftig als „als eigenständige und leistungsfähige IT-Dienstleisterin für Stadt und EVL entwickeln“, heißt es dazu. Allerdings gibt man an der Marie-Curie-Straße den Gedanken an eine Zusammenarbeit mit anderen kommunalen oder regionalen Dienstleistern in der Informationstechnologie nicht auf, denn der kommunale IT-Markt strukturiert sich gerade um, erläutern die IVL-Gesellschafter.
Diese Zusammenarbeit muss nicht unbedingt in einer Fusion münden, ist der Stellungnahme zu entnehmen, aber: Kooperation in Teilbereichen wie Infrastrukturbetrieb, spezialisierten Fachverfahren und SAP-Services „wird als strukturelles Element der künftigen Aufstellung verstanden“. Man werde „gezielt Kooperationsoptionen mit geeigneten Marktakteuren prüfen, um ihre langfristige Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig abzusichern“. Im Übrigen bekennt sich Stadt und EVL zur Geschäftsführung den IVL-Mitarbeitenden.
