Der NRW-Innenminister besuchte die Kita Brückenstraße in Leichlingen. Ein Anlass für den Träger, Kritik an den Plänen der NRW-Regierung zu üben.
Herbert Reul zu BesuchLeverkusener Kita-Träger kritisiert Gesetzesreform von Landesregierung

Anette Meyer (Fachkraft, v. l.), Ben Gräf (Fachkraft), Sandra Kutzehr (Kita-Fachberaterin) empfingen Herbert Reul.
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Das, was die NRW-Landesregierung zur beschlossenen Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) auf ihrer Internetseite schreibt, klingt gut: „Der Gesetzentwurf sieht vor, das System der frühkindlichen Bildung auf vielen Ebenen zu entlasten und für mehr Verlässlichkeit und Stabilität zu sorgen: durch zusätzliche finanzielle Mittel, gut ausgebildetes Personal und mehr Flexibilität.“ Davon sind aber nicht alle Beteiligten überzeugt, wie eine Mitteilung des evangelischen Kita-Verbands im Kirchenkreis Leverkusen zeigt.
Der Verband nimmt einen Besuch von NRW-Innenminister Herbert Reul in der Kita Brückenstraße in dessen Heimatstadt Leichlingen zum Anlass, Kritikpunkte an der Gesetzesreform vorzubringen. Der Verband ist Träger von zehn evangelischen Kitas, unter anderem auch der Kita Brückenstraße, deren Leiter Stephan Dammasch sowie Nadja Georgi (Geschäftsführerin des Kita-Verbandes) und Sandra Kutzehr (Fachberaterin im Kirchenkreis Leverkusen) ihr Anliegen Herbert Reul klarmachten.
Zur Gesetzesreform: In einer „Kernzeit“ sollen Fachkräfte künftig fünf Stunden am Tag verbindlich vor Ort sein, die Randzeiten davor und danach können Träger personell variabel abdecken, erklärt der Kita-Verband. Zudem können Eltern Betreuungszeiten bald in weiteren Fünf-Stunden-Schritten buchen anstatt in 25-, 35- oder 45-Modellen. Und anstatt die Kitas von bürokratischer Arbeit zu befreien, entstehe eine neue Dokumentationspflicht, so der Kita-Verband.
Das In-Empfang-Nehmen der Kinder, die ersten Begegnungen mit Gleichaltrigen, das gemeinsame Essen ist genauso wichtig wie Spielzeiten oder vorbereitende Bildungsangebote vor der Schule.
Vor allem üben die Träger Kritik am Kernzeiten-Randzeiten-Plan. Die Randzeiten müssen nicht von qualifiziertem Fachpersonal, sondern könnten auch von anderen Betreuern abgedeckt werden. Das Problem für Stephan Dammasch: Es gebe keine Randzeiten. Bildung im frühen Kindesalter sei ein durchgängiger, ganzheitlicher Prozess: „Das In-Empfang-Nehmen der Kinder, die ersten Begegnungen mit Gleichaltrigen, das gemeinsame Essen ist genauso wichtig wie Spielzeiten oder vorbereitende Bildungsangebote vor der Schule. All diese Erfahrungen gehören untrennbar zur institutionellen frühkindlichen Bildung. Dabei brauchen Kinder möglichst konstante Bezugspersonen.“
Und wenn künftig mehrere Personen für das Kind zuständig sein sollen, könnten wichtige Informationen verloren gehen, folgert der Kita-Leiter. Und – je nach gebuchtem Betreuungsumfang und Zeit – könnte das für Familien bedeuten, dass Kinder größtenteils beaufsichtigt anstatt von qualifiziertem Personal gefördert werden. Einen Qualitätsverlust - wie der Kita-Leiter - befürchtet dadurch Reul allerdings nicht, wie der Kita-Träger über das Gespräch mit dem Minister berichtet. „Das sind ja oft Menschen mit einem anderen Beruf, die sind durchaus wertvoll“, zitiert der Verband Reul, dessen Frau lange Zeit in einer Leichlinger Einrichtung gearbeitet habe.
In Bezug auf den Plan, dass Eltern künftig auch eine 30- und 40-Stunden-Betreuung buchen können, meint die Geschäftsführerin des Kita-Verbands Nadja Georgi: „Wenn weitere Stundenzahlen 30 und 40 Stunden gebucht werden können, stellt das die Kitas vor eine noch größere Herausforderung bei der Planung der Dienste.“ Die erhöhte Taktung mache alles nur kleinteiliger und bringe mehr Unruhe in die Gruppen, befürchtet Fachberaterin Sandra Kutzehr.
Zum Thema Dokumentation erklären die Beteiligten: Bisher müssten die Kita-Mitarbeiter zum Beispiel Entwicklungs- und Bildungsdokumentationen führen. Anstatt, wie versprochen, Bürokratie abzubauen, kämen „weitere Dokumentationspflichten, etwa über An- und Abwesenheiten von Kindern, die noch aufwändiger werden, wenn in den geplanten Kern- und Randzeiten mehrere Personen beteiligt sind und hier weitere Schnittstellen geschaffen werden“ hinzu. Und das alles ohne neues Personal. Reuls Reaktion laut dem Kita-Verband: „Wenn das mit der Dokumentation mehr wird, rufen Sie mich an!“

