Der Bau der in der Nachbarschaft ungeliebten Klärschlammverbrennungsanlage in Köln-Merkenich ist genehmigt worden.
Zwei Kilometer entfernt von LeverkusenDie Klärschlammverbrennung in Merkenich ist jetzt genehmigt

Auf dem Gelände am Ölhafen Niehl, wo das Müllheizkraftwerk Köln-Merkenich steht, soll eine Klärschlammverbrennungsanlage für Köln und Umgebung gebaut werden.Jetzt gibt es die erste Genehmigung.
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Der Bau der in der Nachbarschaft ungeliebten Klärschlammverbrennungsanlage in Köln-Merkenich ist genehmigt worden. Das ist auch für Leverkusen interessant. Denn tagsüber weht der Wind meistens aus westlicher Richtung: Abgase, Staub und Gerüche werden also hauptsächlich über den Rhein nach Leverkusen geweht. Der Rhein wird als klare Grenze empfunden, die Abstände sind aber gering: Teile von Wiesdorf liegen nicht einmal zwei Kilometer vom Bauplatz entfernt.
In Merkenich, wo die Anlage im kleinen Ölhafen entstehen soll, kämpft eine Bürgerinitiative gegen die neue Anlage. Der Verein Umweltfreunde Köln-Nord hat sich wegen der Konzentration von Problembetrieben im Kölner Norden gebildet. Zu der Zone, in der die teilweise gefährlichen Betriebe stehen, muss man auch Leverkusen zählen, auch wenn der Rhein die Städte trennt. In der Küppersteger Müllverbrennungsanlage wird aller Hausmüll und Gewerbemüll aus Rösrath, Engelskirchen, Morsbach, Reichshof, Gummersbach, Radevormwald, Wermelskirchen, Leichlingen, Burscheid und Leverkusen verfeuert. Dazu gibt es die Currenta-Sondermüllverbrennungsanlage und Giftmülldeponie, nicht zu vergessen ist das Kölner Müllheizkraftwerk in Niehl, in dem der Kölner Müll verbrannt wird.
Anlage in Merkenich schon zu 50 Prozent ausgelastet
Die Klärschlammverbrennungsanlage in Merkenich soll schon zu 50 Prozent durch die braune Restmasse aus der zentralen Kölner Kläranlage Stammheim ausgelastet sein. Die soll als relativ flüssiger Schlamm durch eine Leitung unterm Rhein aus dem Großklärwerk Stammheim herübergepumpt werden. In der Gegenrichtung soll das Kondensationswasser aus der Klärschlammtrocknung zurück zur Kölner Kläranlage gepumpt werden. Dafür will man den alten Düker zwischen Stammheim und Niehl nutzen, in den die Leitungen eingezogen werden und der dann mit Beton verfüllt wird. Ein neuer Düker für andere Leitungen wird zurzeit gebaut.
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Die bis zu 100 Millionen Euro teure Anlage soll neben dem Kölner auch Schlamm aus weiten Teilen des Rheinlands verbrennen. Zum Beispiel aus Bonn, Königswinter, Troisdorf, Hennef, auch aus der Gegend Mönchengladbach, aus Erkelenz oder Wegberg etwa. Den Plan, den Schlamm aus der Bonner Kläranlage per Schiff nach Merkenich zu transportieren, hat man inzwischen begraben: zu teuer. Jetzt heißt es, dass stattdessen Elektro-Lastwagen zum Einsatz kommen sollen. Ob das tatsächlich so kommt und wie viele davon durch Leverkusen fahren werden, ist nicht bekannt. Transporte auf der Schiene sind nicht geplant. In der Anlage soll nach heutigem Stand noch nicht einmal der nahe Leverkusener Klärschlamm verbrannt werden. Den braunen pastösen Abfall aus der Kläranlage des Wupperverbands in Bürrig verfeuert die Currenta in ihrer Sondermüllverbrennung, die eine eigene Verbrennungslinie für Klärschlamm hat.
Die Genehmigung liegt auch in Leverkusen aus
Leverkusen liegt in der Rauchfahne der späteren Verbrennungsanlage, aus deren Schornstein allerdings kein gefährlicher Rauch kommen soll, das wird ebenso versprochen wie, dass man den geruchsintensiven Klärschlamm nicht riechen werde.
Die Kapazität erscheint hoch: In der Anlage dürfen später 20 Tonnen Klärschlamm in jeder Stunde verbrannt werden. Pro Tag können 480 Tonnen des Reststoffs aus Kläranlagen durch Pressen vorgetrocknet werden.
So seltsam es klingt: Klärschlamm kann man in geeigneten Anlagen verbrennen, denn er enthält viele Anteile, die so viel Brennwert haben, dass das restliche Wasser verdampfen kann. Getrockneter Klärschlamm hat den Brennwert von Braunkohle. Und es ist sinnvoll, ihn zu verbrennen. Klärschlamm wurde und wird noch immer auf Feldern ausgebracht – mit Problemen, zum Beispiel ist in Klärschlamm eine Menge Mikroplastik enthalten – und andere Schadstoffe.
Inhalt der ersten Teilgenehmigung ist die Baugenehmigung im Niehler Industriehafen II in Merkenich. Sie wird jetzt ausgelegt. Fachleute können die Genehmigung inklusive aller Anlagen und Unterlagen in Leverkusen ab dem 24. Februar bis zum 9. März 2026 im Elberfelder Haus, Hauptstraße 101 in Wiesdorf einsehen. Um Terminvereinbarung unter 63@stadt.leverkusen.de oder unter 0241/406-6315 wird gebeten.

