In den vergangenen Jahren wurde das Engagement verstärkt. Nabu und BUND setzen auf das Engagement von Personen im Rentenalter – und Wissen für Kitakinder.
Rotlicht als PositivbeispielNaturschutzverbände wollen Leverkusen „zukunftsträchtiger“ machen

Die Nabu-Vorsitzenden Dr. Hans-Martin Kochanek (r.) und Erich Schulz (l.) sowie BUND-Sprecherin Ingrid Mayer (2. v. r.) und Pressesprecherin Regine Kossler mit dem Programm der Naturschutzverbände für 2026.
Copyright: Daniel Thiel
Vor mittlerweile zwei Jahren sind der Leverkusener Nabu und BUND in die Offensive gegangen: Den Naturschutzverbänden war es wichtig, im Stadtgeschehen einerseits noch präsenter zu werden – und den Interessierten mehr Möglichkeiten zu bieten, selbst aktiv zu werden. Der Schritt: deutlich die Zahl an Veranstaltungen erhöhen. Allein bis August 2026 sind 76 geplant, noch vor einigen Jahren waren es maximal 45 auf das ganze Jahr verteilt.
Dr. Hans-Martin Kochanek, Vorsitzender des Nabu-Stadtverbandes, betont, es gehe darum, „den Leuten ihre Chancen aufzuzeigen“. Dabei werden viele Veranstaltungen komplett in Eigenregie von den Verbänden auf die Beine gestellt, hinzu kommen gemeinsame Projekte, etwa mit dem kommunalen Kino, dem Naturgut Ophoven oder der Volkshochschule. „Wir ergänzen uns ganz fantastisch“, ergänzt Kochanek.
Naturschutzverbände verstärkt mit Engagement an Kindertagesstätten
Möglichst gut vernetzt zu sein, sowohl mit anderen Institutionen als auch mit den Bürgerinnen und Bürgern, das ist im Grunde Ziel und Hoffnung aller Verbände in einer Stadt. Besonders aus zwei Gründen liegt es den Verantwortlichen von Nabu und BUND aber besonders am Herzen.
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Zum einen gehe es maßgeblich natürlich darum, den Naturschutz in der Stadt so präsent wie möglich zu machen. Darüber hinaus müsse aber auch Nachholarbeit darin geleistet werden, viele Menschen in Hinblick auf Naturkunde zu schulen. „Wir haben da eine ganze Generation übersprungen“, erklärt Kochanek. Diese Generation sei nunmehr in dem Alter, selbst Kinder zu bekommen – da setzen nun die Naturschutzverbände verstärkt an.
In erster Linie schützen wir Menschen das, was wir kennen und lieben gelernt haben
Gleich zwei der mittlerweile elf Gruppen, bestehend aus ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, stehen in direkter Verbindung damit, Kitakinder für die Natur zu begeistern. Das „Team Kita Nistkästen“ stattet Kindertagesstätten mit Nistkästen aus, ist immer wieder vor Ort und initiiert etwa Vogelbeobachtungen. Das „Team Naturpädagogik“ erstellt Lernkonzepte für Kitas, um die Kinder schon im frühen Alter mit der Tierwelt und der Umwelt vertraut zu machen. „In erster Linie schützen wir Menschen das, was wir kennen und lieben gelernt haben“, beschreibt Kochanek – auch deswegen sei es so wichtig, Vorarbeit zu leisten.
Spannend dabei: Neben den kleinen Kindern setzen Nabu und BUND auch einen Schwerpunkt auf die Generation, die in erster Linie wohl deren Großeltern sein könnte – die Personen, die mit 60 bis 65 Jahren auf die Rente zusteuern. Viele von ihnen stünden vor der Frage, wie sie die viele Freizeit künftig nutzen können – hier hoffen die Verbände auf engagierte Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler.
Mit zwei Veranstaltungen in den kommenden Monaten gehen Nabu und BUND auf diese Personen zu. Seit 2024 gibt es bereits das „Golden-Ager-Speed-Dating“ – einen Abend, über den sich die Verantwortlichen sehr freuen. Hierbei können Interessierte und Ehrenamtler ungezwungen zu Naturthemen und den Ansätzen der Verbände in den Austausch kommen. Die erste Veranstaltung dieser Art 2026 findet am 19. März statt. In den vergangenen Jahren gelang es darüber schon, zehn bis 15 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler für die Aufgaben zu gewinnen.
„Das Interesse hat zugenommen“, bilanziert Kochanek. Dabei zeige sich auch, dass in den Verbänden eigentlich Arbeit für alle bereitstehe, die sich engagieren wollen. Manchen sei viel daran gelegen, auch im Alter noch aktiv zu sein – für sie seien dann die Aufgaben, die draußen stattfinden, ideal. Aufgrund einer eingeschränkten Mobilität seien andere wiederum auf Arbeit aus den heimischen vier Wänden beschränkt, die sich dann wiederum um Aufgaben rund um die Website oder die Auftritte in den sozialen Medien kümmern können.
Über allem steht aber natürlich weiterhin der Einsatz für die Natur, Umwelt und „mehr Grün“. Ein gutes Beispiel, wie das in den vergangenen Jahren funktioniert hat, ist etwa die nächtliche rote Beleuchtung am Oulusee. Die sorgt nicht nur für ein farbliches Spektakel, das sich sehenswert ablichten lässt, sondern ist in erster Linie insektenfreundlich.

Am Steinbücheler See setzt die EVL auf insektenfreundliches rotes Licht.
Copyright: Ralf Krieger
Rotes Licht und Amber-Licht seien hierfür im Sinne des Insektenschutzes die besten Optionen. Am Oulusee wurde dies bereits umgesetzt, die Hoffnung besteht natürlich auf weitere Umrüstungen dieser Art. In Steinbüchel entschied sich die EVL (Energieversorgung Leverkusen), erst einmal testweise auf rotes Licht zu setzen. Ein Positivbeispiel für die Kommunikation innerhalb der Stadt. Grundsätzlich betonen Nabu und BUND aber, dass es ohnehin – nicht zuletzt im Austausch mit Lokalpolitik und Verwaltung – darum gehe, auf „Schnittmengen“ und gemeinsame Interessen hinzuweisen.
Schmunzelnd ergänzt der Vorsitzende Kochanek aber, dass die Verantwortlichen immer wieder vor dieser Aufgabe stünden – im Grunde für jede Legislaturperiode. Aktuell befänden sich die Naturschützer wieder in einer solchen Phase, im ersten Halbjahr unter Oberbürgermeister Stefan Hebbel und mit einem neuen Stadtrat, in der es darum gehe, ein besseres Verständnis füreinander zu bekommen.
Auf die Frage, welche Themen nach Meinung der Naturschutzverbände in den kommenden Jahren zweifelsohne angegangen werden müssen, gibt es gleich mehrere Ansätze. Neben den Lichtprojekten hoffen die Verbände darauf, dass es nach der Abschaffung 2005 endlich mal wieder eine Baumschutzsatzung in Leverkusen geben wird. Ferner soll es auch einen Austausch mit der Politik geben, um das Thema „Lichtsmog“ verstärkt in den Fokus zu stellen. Außerdem bemühen sich die Naturschutzverbände, sich für einen gewissenhaften Umgang mit dem Flächenverbrauch starkzumachen. „Was einmal weg ist, lässt sich nicht mehr wiederherstellen“, betont Ingrid Mayer, BUND-Sprecherin der Kreisgruppe Leverkusen. Es gehe in erster Linie darum, „zukunftsträchtige“ Aussichten für Leverkusen zu schaffen, schildert Nabu-Vorsitzender Kochanek – die mehr als 70 Veranstaltungen der Verbände in den kommenden Monaten sollen ihren Teil dazu beitragen.


