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Was wusste der Strohmann?Prozess um fragwürdige Immobiliendeals der Leverkusener Großfamilie

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Wohn- und Geschäftshaus in der Kölner Maybachstraße

Ein Wohn- und Geschäftshaus in der Kölner Maybachstraße wurde im Namen der Leverkusener Großfamilie gekauft und umgebaut.

Vor sechseinhalb Jahren wurde nicht nur Michael G. verurteilt, sondern auch ein Bauunternehmer, der mit Geld aus Betrügereien Häuser kaufte.

Erst war er Teppichhändler, später Bauunternehmer. Ein heute 62 Jahre alter Mann aus Bergisch Gladbach unterhielt mindestens seit 2013 schon geschäftliche Kontakte mit der Leverkusener Großfamilie. Im Namen von Michael G. hat er mehrere Häuser gekauft. Eines davon in der Kölner Maybachstraße. Dieser und andere Immobiliendeals waren 2019 neben einem perfiden Betrug, bei dem Michael G. ein Ehepaar um fast eine Million Euro gebracht hatte, Gegenstand eines Prozesses vor dem Kölner Landgericht.

Die 17. Große Strafkammer unter Hartmut Helmes versuchte damals auch, das Beziehungsgeflecht zwischen dem Unternehmer und der Großfamilie im Detail aufzuarbeiten und ihnen Geldwäsche nachzuweisen. Das Ziel: die mit erschlichenem Geld erworbenen Immobilien einziehen und zugunsten der Staatskasse zu verwerten.

Was wusste der Mann aus Bergisch Gladbach?

Über die Rolle des Bergisch Gladbacher Strohmanns war seinerzeit vor Gericht ausgiebig gestritten worden. Am Ende wurde er wegen Betrugs und Geldwäsche zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt. Wie es hinter Gittern aussieht und zugeht, hatte er vor dem Prozess schon länger erlebt: 19 Monate verbrachte der Unternehmer in Untersuchungshaft – und das habe ihn sehr beeinträchtigt, sagt sein Verteidiger Markus Bündgens. Er habe damals erheblich zugenommen; inzwischen leide er an Diabetes. 

Nach dem Ende des Kölner Prozesses im November 2019 war indes weiter gestritten worden. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidiger erkannten das damalige Urteil der 17. Großen Strafkammer an. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe befasste sich mit zwei Revisionsanträgen, und im November 2021 verwies der 2. Senat die Sache an das Kölner Landgericht zurück.

Zwei Angeklagte mit verdeckten Gesichtern und ihre beiden Anwälte Philipp Thiée und Markus Bündgens

Die beiden Angeklagten mit ihren Verteidigern Philipp Thiée (links) und Markus Bündgens

Dort befasst sich seit Donnerstag die 9. Große Strafkammer unter der Vorsitzenden Alexandra Maschwitz mit der Sache. Michael G., der seinerzeit zu acht Jahren Haft verurteilt worden war, aber schnell in den Offenen Vollzug nach Euskirchen wechseln konnte und inzwischen wieder auf freiem Fuß ist, könnte allenfalls als Zeuge an diesem neuen Prozess teilnehmen.

Dass er aussagt, darf aber bezweifelt werden: Schließlich steht neben dem Bergisch Gladbacher Unternehmer sein Sohn vor Gericht. Er hat seinerzeit mehrere Wohnungen gekauft, unter anderem in der Hauptstraße und der Adolfsstraße in Wiesdorf. Außerdem erwarb er einen Porsche 993 Turbo für 97.000 Euro. Das Geld für die meist sechsstelligen Deals hatte der damals 19-Jährige, der keiner Beschäftigung nachging, nicht selbst verdient. Es kam von seinem Vater.

100 Stunden Sozialarbeit

Wegen seines jugendlichen Alters war er seinerzeit nur zu 100 Sozialstunden verurteilt und richterlich verwarnt worden. Auch diese Strafe ist nicht der springende Punkt. Vielmehr geht es darum, ob die Immobilien verwertet werden können. „Uns geht es um die Einziehung“, machte der Staatsanwalt am Donnerstagnachmittag deutlich. 

Entscheidend ist dabei ein Satz, der in der Begründung des Urteils von 2018 immer wieder vorkommt: „Dass das Geld legal erwirtschaftet worden war, schlossen sie aus“, heißt es mit Blick auf den Unternehmer und den Sohn von Michael G., der übrigens am Donnerstag Geburtstag hatte und von einem Bruder ins Kölner Landgericht begleitet wurde.

Für die neunte große Strafkammer heißt das, einige Zeugen noch mal zu vernehmen. Allerdings sind dem nach so vielen Jahren auch Grenzen gesetzt. Ein Bauunternehmer, der vor allem im Zusammenhang mit den Immobiliengeschäften des Sohnes eine wichtige Rolle einnimmt, sei mittlerweile verstorben, hieß es. Schon jetzt ist aber klar, dass sich auch dieser Prozess hinziehen wird. Termine gibt es vorerst bis Ende April.