Der Schulstreit zwischen Monheim und Leverkusen ist tragisch, weil er vermeidbar wäre.
Monheim und LeverkusenUnter einem politischen Streit leiden nur die Kinder


Die Hitdorfer Freundinnen Hanna und Ronja sind Monheim eng verbunden, spielen zusammen dort Inline-Hockey.
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Dass Kinder an ihrer Wunschschule abgelehnt werden müssen, ist leider nicht ungewöhnlich. Auch wenn das Problem in Leverkusen lange nicht so groß ist wie beispielsweise in Köln, muss auch hier etwa die Gesamtschule Schlebusch regelmäßig die Hälfte aller Interessenten enttäuschen. Das lässt sich nicht vermeiden, Schulen lassen sich nicht unendlich ausbauen.
Das Tragische am aktuellen Hitdorfer Fall ist: Hier ließe es sich vermeiden. Das Otto-Hahn-Gymnasium in Monheim könnte eine Überhangklasse eröffnen, sodass alle abgelehnten Leverkusener Kinder unterkommen könnten. Die Schulleitung hat dazu ihre Bereitschaft signalisiert, die Bezirksregierung ebenfalls, das Gesetz erlaubt es. Was fehlt, ist der politische Wille.
Politischer Druck auf beiden Seiten
Die neu gewählte, parteilose Monheimer Bürgermeisterin Sonja Wienecke steht unter dem Druck, ihr Wahlversprechen nach einer konsequenten finanziellen Konsolidierung umzusetzen und eine wacklige Ratsmehrheit aufrechtzuerhalten. Stefan Hebbel ist ebenfalls neu im Amt, hat viele Baustellen und eine Haushaltskrise. Dass Leverkusen an Monheim keine Millionenbeträge für die Beschulung von Leverkusener Kindern zahlen kann, steht außer Frage.
Zumindest öffentlich hat Monheim aber auch nie Geld gefordert, und Wienecke signalisiert der Elterninitiative gegenüber eine grundsätzliche Bereitschaft, einen weiteren Zug zu beantragen. Dafür brauche sie aber ein Entgegenkommen irgendeiner Art aus Leverkusen, um das politisch durchzubringen. Man habe miteinander gesprochen, heißt es von beiden Seiten, sehr überzeugend klingt das nicht. Möglicherweise ist auch der Streit um den Trainingscampus von Bayer 04 ein Grund, warum die Kommunikation zwischen den beiden Stadtspitzen abgekühlt ist.
Die Verbindung zwischen Hitdorf und Monheim ist eng, nicht nur in eine Richtung. Monheimer Kinder gehen an Hitdorfer Grundschulen und treiben Sport in Hitdorfer Vereinen, genau wie andersherum. Wenn die Stadtspitzen jetzt auf stur schalten, leiden darunter allein die Kinder, die weite Fahrwege und einen Verlust ihres sozialen Umfelds hinnehmen müssen. Zu deren Wohl sollten sich Wienecke und Hebbel ernsthaft und lösungsorientiert an einen Tisch setzen.


