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DenkmalschutzBergneustadt wartet auf grünes Licht für den Abriss des Jägerhof-Saals

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Zu sehen ist ein alter Saal, in dem das Fachwerk freigelegt ist.

Nicht aus Eiche, sondern aus Fichtenholz ist das Fachwerk im Saalbereich des Jägerhofs gefertigt – das macht die Sanierung enorm schwierig und wirtschaftlich fragwürdig.

Der Jägerhof wird weder einen Biergarten bekommen, noch soll es einen Baustopp geben. Die Mehrheit im Stadtrat findet, dafür gibt es gute Gründe.

Schon vor einigen Wochen hatten SPD und Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) – öffentlich und unabhängig voneinander – angekündigt, bei der nächsten Sitzung des Stadtrats in Sachen Jägerhof Nägel mit Köpfen machen zu wollen. Die Sozialdemokraten warben für einen Baustopp bis eine detaillierte Kostenkalkulation für künftige Arbeiten vorliegt. Die UWG plädierte für den Abriss des Saals und warnte vor einem „Millionengrab“ in der Bergneustädter Altstadt.

Bergneustädter Rat lehnt beide Anträge ab

Am Mittwochabend kamen die Stadtverordneten nun zusammen. Und obwohl niemand bestritt, dass die Jägerhof-Sanierung problematischer verläuft als geplant, war keiner der beiden Anträge erfolgreich. Die Mehrheit stützte sich nämlich auf folgende Gründe:

Rückzahlung von Fördergeld

UWG-Fraktionschef Jens-Holger Pütz warb erneut für ein Modell, bei dem der Saal abgerissen, auf einen Neubau verzichtet und ein Biergarten statt Bühnensaal gebaut wird. Bürgermeister Matthias Thul hielt dem entgegen, dass dies die Fördergeldgeber nicht mitmachen werden – und er machte eine Rechnung auf, die bei den meisten Stadtverordneten verfing: Wenn Bergneustadt Fördergeld zurückzahlen müsste, beliefe sich die Sume auf 1,3 Millionen Euro.

Weiterbauen kommt Bergneustadt günstiger

Würde man mit dem aktuellen Kostendeckel von fünf Millionen weiterbauen, kämen 900.000 Euro Eigenanteil auf die Stadt zu. „Für uns ist es billiger weiterzubauen als das Projekt aufzugeben“, so Thul. Noch gar nicht eingerechnet seien Pachteinnahmen, die die Jägerhof-Genossenschaft an die Stadt zahlen soll, wenn alles fertig ist.

Die Neustädter Gastronomen

Thul erinnerte an Gespräche aus dem Jahr 2019, als die Inhaber der Bergneustädter Kneipen und Restaurants dem Jägerhof-Projekt zugestimmt hätten – unter der Voraussetzung, dass dort keine mit Steuergeld entwickelte zusätzliche Konkurrenz entsteht. Dem widerspreche die Biergarten-Idee ausdrücklich, betonte der Bürgermeister.

Kein Abriss ohne grünes Licht vom Denkmalschutz

Der Denkmalschutz

Selbst wenn der Rat den Abriss des Saals beschließe, komme die Stadt am Einverständnis der Denmkmalbehörde nicht vorbei, stellte Thul klar. Zwar sei er guter Dinge, dass die Experten angesichts des Fichten-Fachwerks im Saalbereich, das zu rund 80 Prozent kaum zu retten wäre, ihre Zustimmung erteilen werden. Noch liegt sie allerdings nicht schriftlich vor. Der UWG-Antrag war damit chancenlos.

Zusammenarbeit mit dem Rat

Für die SPD kritisierte Fraktionsvorsitzender Daniel Grütz, dass schon fast die Hälfte des Etats verplant sei. Doch wer über die Hauptstraße spaziere, sehe davon nichts. Dagegen lobte CDU-Fraktionschef Ralf Siepermann die Arbeit der Verwaltung in Sachen Jägerhof. Der Hauptausschuss werde laufend über Schritte und Kosten der Sanierung infomiert, dazu komme, dass auch die Ausschreibung für die Arbeiten mit Beteiligung der Politik erfolge. Ein spezielles Moratorium, wie von der SPD gefordert, brauche es deshalb nicht. Die Mehrheit im Rat folgte ihm.


Mit Blick auf mögliches grünes Licht der Denkmalschützer zum Abriss des alten Saalensembles hat die Bergneustädter Stadtverwaltung Pläne für einen Neubau als Alternative zur Sanierung entwerfen lassen, der den vom Stadtrat gesetzten Kostendeckel einhalten soll. Die Alternative beherbergt ein Foyer, das im Vergleich zur Ursprungsplanung deutlich abgespeckter gestaltet wird, sowie zwei Säle, etwas über 60 und etwas über 100 Quadratmeter groß, die über das Entfernen einer Trennwand miteinander verbunden werden können. Bei der größeren Variante gibt es vor Kopf eine Bühne.

Bürgermeister Matthias Thul machte im Stadtrat noch einmal deutlich, dass mit dem Jägerhof-Projekt aus Sicht von Regionale, Landes- und Bezirksregierung nach wie vor ein niedrigschwelliger Kulturtreffpunkt geschaffen werden soll. „Die Kneipe ist das Anhängsel, aber eine bloße Förderung der Kneipe wird es nicht geben“, berichtete Thul aus verschiedenen Gesprächen mit den Geldgebern.