Tausende Oberbergerinnen und Oberberger engagieren sich in einem Ehrenamt. Aber warum eigentlich? Wir haben nachgefragt.
„Ehrensache“In der Löschgruppe der Looper Feuerwehr gibt es mehrere „Quereinsteiger“

Enrico „Enno“ Werner kam 2017 mit seinem Umzug von Köln nach Engelskirchen-Loope und im Alter von 39 Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr.
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Vor neun Jahren zog Enrico Werner von Köln nach Loope. Die Entscheidung dort als Ehrenamtler bei der Freiwilligen Feuerwehr einzusteigen, wurde ihm mit dem neuen Wohnort quasi aufgelegt. Da war Werner 39 Jahre alt. „Ich bin in eine Wohngegend mit feuerwehrlastiger Nachbarschaft gezogen“, erzählt der heute 47-Jährige schmunzelnd. Berührungspunkte mit der Feuerwehr hatte Enrico Werner, der von seinen Kameraden Enno genannt wird und beruflich in der Reifenbranche tätig ist, bis dahin nicht.
Durch die Nachbarn wurde er neugierig auf das Ehrenamt und kam bei einem Kameradschaftsabend im Looper Gerätehaus erstmals in Kontakt mit der Löschgruppe und dem Engagement der Freiwilligen Feuerwehr. „Für mich war das die Möglichkeit, am neuen Wohnort Kontakte zu knüpfen“, sagt er heute. Durch die Mitgliedschaft in der Löschgruppe habe er sich zudem schnell in der Gemeinde integriert gefühlt.
Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr kann auch kräftezehrend sein
Längst ist die Freiwillige Feuerwehr für Enno Werner viel mehr geworden, als ein lockerer Kameradschaftsabend. Er absolvierte die Grundausbildung und nahm an weiteren Lehrgängen teil, bildete sich immer wieder fort und hat seit 2017 viele Einsätze hinter sich gebracht. Dass er als „Quereinsteiger“ bei vielen Lehrgängen der Älteste war, habe er nie als Nachteil empfunden.
Im Gegenteil: „Lebenserfahrung kann auch von Vorteil sein. Und am Ende kommt es auch darauf an, welche Aufgabe man in der Feuerwehr übernehmen möchte. Jeder hat ja andere Stärken“, sagt Werner. An einen Einsatz erinnert er sich besonders. „An Nikolaus hat ein Wohnwagen an der Lopacabana gebrannt. Das war wirklich Feuerwehr: Feuer, Hitze und viel Arbeit – das war kräftezehrend.“

Die Kameradschaft wird im auch in der Löschgruppe Loope großgeschrieben. Dort halten Sebastian Dahl, Dimitri Jost, Enno Werner (v.l.) zusammen.
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Wegen seines Hauptberufes und seiner Arbeitsstelle in Köln ist Werner, wie viele andere Kameraden in der Löschgruppe auch, in der Tagesbereitschaft nicht verfügbar. Mit dem Feierabend schalten sich dann viele in der Alarmierungs-App auf Grün und rücken im Notfall aus. So machen es auch Sonja Schmitz (52) und Sebastian Dahl (40), die ebenfalls erst spät zur Feuerwehr gekommen sind und sich als Anwärter aktuell in der Grundausbildung befinden.
In Loope ist Schmitz zurzeit die einzige Feuerwehrfrau. „Ich bin zwar nicht mehr jung, aber mit meiner Lebenserfahrung bringe ich eine gewissen Ruhe in die Gruppe“, meint Schmitz schmunzelnd, die im Jobcenter arbeitet und ehrenamtlich auch noch im Rettungsdienst des DRK engagiert ist. Auch dort hat sie erst im vergangenen Jahr angefangen.
26 Jahre war sie alleinerziehende Mutter. „Als meine Tochter 18 Jahre alt wurde, habe ich mich gefragt, was ich noch mal für mich machen möchte.“ Da ihre Zwillingsschwester schon lange Feuerwehrfrau in Overath ist, habe sie immer viel davon erzählt. Warum also nicht auch bei der Feuerwehr reinschauen, dachte sich Sonja Schmitz und ging in Loope vorbei. Dort ist sie – genau wie Enno Werner – geblieben.

Sonja Schmitz ist zurzeit die einzige Feuerwehrfrau in der Löschgruppe Loope.
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Auch Sebastian Dahl ist geblieben. Weil er als Kind unter Asthma litt und später als Berufskraftfahrer arbeitete, war eine Mitgliedschaft bei der Feuerwehr schwierig, obwohl das Interesse immer da war, sagt er. Als er dann im Nahverkehr fuhr, ergriff auch der 40-Jährige vor zwei Jahren die Chance. Für Dahl war neben der Arbeit der Feuerwehr auch die Kameradschaft ein wichtiger Anreiz, in der Löschgruppe zu bleiben.
Wie auch für Dimitri Jost (47), der immer im Dienst ist. Er ist Fachkraft für Lagerwirtschaft und wurde durch Arbeitskollegen angefixt. „Direkt gegenüber der Firma, in der ich arbeite, befindet sich eine Wache. Ich habe immer hautnah miterlebt, wie meine Kollegen mit Blaulicht weggefahren sind, wenn eine Alarmierung kam. Das fand ich spannend“, berichtet Jost, der gleich in zwei Löschgruppen Mitglied ist. Möglich ist das nur durch viel Verständnis seines Arbeitgebers. Über die Feuerwehr machte Jost auch den Führerschein. Er sagt: „Feuerwehrmann ist man auch für sich selbst. Man ist stolz, wenn man Dinge schafft, die man sich zuvor nicht zugetraut hat. Das motiviert sehr.“
Die vier Looper Kameradinnen und Kameraden verbinden zwangsläufig aber auch schlimme Erlebnisse. Sie sind die Schattenseite dieses Ehrenamts. „Es gibt viele Szenarien, die man nicht üben kann. Vielleicht ist es ein Vorteil, dass wir vier wegen unseres Alters emotional gefestigter sind“, meint Enno Werner, Vater von drei Kinder. Nach schweren Einsätzen werden die Feuerwehrkameraden durch Nachbesprechungen und die Familie aufgefangen. Externe psychologische Hilfe kann immer in Anspruch genommen werden.
Als Quereinsteiger zur Feuerwehr gehen? „Macht es! Es ist nie zu spät, um sich zu engagieren. Aber es fordert auch viel Zeit, das sollte einem bewusst sein“, sagt Sonja Schmitz.

