Ein neues Buch porträtiert die bedeutendsten Bäume in NRW. Dazu gehören auch acht Riesen aus dem Oberbergischen Kreis.
Neues BuchDas sind Oberbergs schönste Bäume

Die Liebeseiche im Park von Schloss Ehreshoven lädt ein zum Stelldichein.
Copyright: Christoph Michels
Alte und mächtige Bäume haben den Menschen schon immer in ihren Bann gezogen, heißt es im Klappentext des neuen Buches. „Einst wurden sie durch ihre beeindruckende Gestalt mit den Göttern in Verbindung gebracht. Ehrfürchtig versammelten sich unsere Vorfahren unter ihnen.“
Solche Riesen gibt es auch in Oberberg. Acht von ihnen zählen zu den Exemplaren, die Autor Christoph Michels als die „Die mächtigen und bedeutenden Bäume Nordrhein-Westfalens“ porträtiert, so der Titel des Bandes (Verlag Kessel, 312 Seiten, 24 Euro). Die Neuauflage eines 2021 erschienenen Buchs hat der gelernte Förster aus Wesel um mehr als 70 auf nun rund 300 Bäume erweitert. Mit Hilfe eines QR-Codes lassen sich die Standorte der öffentlich zugänglichen Bäume schnell und exakt ermitteln.

Die mehr als 220 Jahre alte Fichte an einer Wegekreuzung im Leppetal hat eine ungewöhnliche Gestalt.
Copyright: Christoph Michels
Das Buch wird von einer Einführung über die Entstehung der Wälder Mitteleuropas eröffnet. Dort findet auch der weltweit älteste bekannte Wald Erwähnung, dessen fossilen Überreste in einem Lindlarer Steinbruch entdeckt wurden. Die baumförmigen Pflanzen stammen aus dem Mitteldevon, sind also 390 Millionen Jahre alt.
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Ebenfalls Vergangenheit ist der größte der oberbergischen Bäume, die in Michels Buch porträtiert wurden, zugleich einer der größten dieser Art in ganz Deutschland: Die 38 Meter hohe Edeltanne im Kurpark hinter dem Wiehler Rathaus wurde im vergangenen September gefällt, nachdem das Buch Redaktionsschluss hatte. Die Trockenheit der vergangenen Jahre hatte der Tanne, die um 1900 gepflanzt wurde, schwer geschadet und sie innerlich faulen lassen. Eine Sturmböe ließ einer der beiden Kronenstämme in 25 Metern Höhe abbrechen. Danach war das Ende des ganzen Baums besiegelt.

Der älteste von Michels beschriebene Baum in Oberberg ist die 23 Meter hohe Femlinde am westlichen Ortsrand von Reichshof-Wildbergerhütte.
Copyright: Christoph Michels
Kaum kleiner ist mit 35 Metern die sogenannte „Zigeunerfichte“ in Marienheide-Erlinghagen. Der mehr als 220 Jahre alte Baum steht an einer Wegekreuzung im Leppetal, an einer Böschung der Schlossstraße in Richtung Gimborn vor den Fischteichen am Gimbach. Ihren Namen verdankt die Fichte einem nah gelegenen Lagerplatz des fahrenden Volkes. Der Baum hat eine ungewöhnliche Gestalt, gabelt sich schon in Bodennähe und ist mit Astbeulen übersäht. Nur wenige Fichten genießen den Schutzstatus des Naturdenkmals, bei dem Erlinghagener Baum ist dies bereits seit 1935 der Fall. Auch der Borkenkäfer hat ihn bisher nicht umbringen können.
Der älteste von Michels beschriebene Baum in Oberberg ist die 23 Meter hohe Femlinde am westlichen Ortsrand von Reichshof-Wildbergerhütte. Unter solchen stattlichen und prägenden Bäumen wurde im Mittelalter Gericht gehalten. Diese Feme- oder Thingbäume waren häufig auch der Mittelpunkt des Rechts- und Gemeinschaftslebens vor Ort. „In einigen Quellen wird sie auf ein Alter von 800 Jahren geschätzt“, hat Christoph Michels recherchiert. „Da die Femegerichte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts verschwanden, ist die Linde vermutlich tatsächlich mehr als 600 Jahre alt.“
Dorflinden bildeten einst den Rahmen für Versammlungen, öffentliche Besprechungen und Feiern. Ein oberbergisches Beispiel in Michels' Buch ist die Kaffeetrinkerlinde in Nümbrecht-Bierenbachtal. Diese wird auf 320 bis 350 Jahre geschätzt. In 2,50 Metern Höhe teilt sie sich in mehrere Stämmlinge, dazwischen war früher ein Podest eingebaut, der als Terrasse für den Nachmittagskaffee diente.
Wenn Linden frei stehen, können sie sich besonders gut entwickeln. Michels beschreibt eine Winterlinde nordwestlich von Hückeswagen-Wiehagen. Um den 25 Metern hohen Solitärbaum mit seiner ebenso breiten Krone zu erhalten, wurde er aufwändig baumchirurgisch behandelt. Zwischen 250 und 300 Jahre alt dürfte nach Michels Einschätzung die Winterlinde bei Gummersbach-Rodt sein. Der Baum am Abzweig der Straße nach Engelskirchen-Wahlscheid ist eine berühmte Landmarke und ein Naturdenkmal und wurde vermutlich als Grenzbaum gesetzt.

