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Halle 32Bergische Waldbesitzer suchen in Gummersbach nach dem Geschäftsmodell der Zukunft

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Zwei Forstmitarbeiter stehen an einem Baum im Wald.

Seit den 70er Jahren sinkt der Holzerlös der Waldeigentümer stetig. Gefragt sind Strategien, die auch künftig Einnahmen versprechen. 

Wie lässt sich mit Wald künftig noch Geld verdienen? Kreative Antworten gab es bei der Frühjahrsversammlung des Forstamtes in Gummersbach. 

Die Borkenkäfer-Großkalamität ist Geschichte, die Folgen daraus sind für Waldbesitzenden der Region noch lange spürbar. Lässt sich in Zukunft mit dem bergischen Wald Geld verdienen – zumindest so viel, dass die notwendigen Investitionen in den Wald gedeckt sind? Diese Frage ist nicht neu, aber nach einem durchschlagenden Rezept suchen die hiesigen Waldbesitzer nach wie vor. Bei der Frühjahrsversammlung der Forstbetriebsgemeinschaften im Regionalforstamt Bergisches Land waren in dieser Woche jedenfalls alle Plätze im Obergeschoss der Halle 32 in Gummersbach besetzt.

Waldeigner zwischen Morsbach und Ratingen eingeladen

Zum zweiten Mal hatte das Forstamt eine solche Zusammenkunft für Waldeigner zwischen Morsbach und Ratingen auf die Beine gestellt. Dabei sei ein abgestimmtes Vorgehen beim Umbau hin zum klimaangepassten Wald der inhaltliche Schwerpunkt, es gehe aber auch schlicht darum, einander kennenzulernen, erklärte Forstamtsleiter Jörn Hevendehl, der bei der Begrüßung auch gleich betonte: „Von blühenden Landschaften sind wir weit entfernt – das wird uns allerdings nicht von der Arbeit abhalten.“

Zwei Forstmänner stehen vor einer Gruppe von Zuhörern.

Gastgeber des informativen Abends in der Gummersbacher Halle 32 waren Jörn Hevendehl (l.), Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land, und sein Stellvertreter Moritz Volkmann.

Für die rund 70 angereisten Vorstände der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse hatte Hevendehl drei Experten gewinnen können, die ihre Sicht auf die Dinge in Vorträgen vorstellten. Den Anfang machte via Videoschalte Professor Dr. Andreas Bitter, Direktor des Institutes für Forsteinrichtung an der TU Dresden, vor allem aber Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände.

Bergischer Wald kann viel mehr als Holzproduktion

Nach seinem Modell ist der Wald viel mehr als ein schlichter Holzlieferant für seinen Eigentümer. Auch von Gegnern der Forstwirtschaft sei inzwischen anerkannt, dass Wald auch Funktionen bei der Klimaregulierung, beim Hochwasserschutz und der Bodenbildung innehabe, Wasser und Kohlendioxid speichere, Trinkwasser reinige, einen positiven Einfluss auf den Nährstoffkreislauf ausübe und nicht zuletzt Menschen und Tieren Raum für Erholung biete.

Anschließend stellte Bitter verschiedene Simulationen vor, die den Wert dieser sogenannten Ökosystemleistungen konkret in Euro pro Hektar bezifferten und dem bloßen Holzerlös gegenüberstellten. Bitters Fazit: „Die Gemeinnützigkeit des Waldes übersteigt die Eigennützigkeit deutlich.“ Ausdrücklich erklärte der Professor, dass langfristig die Bereitschaft zu Investitionen in den Wald nur dann sicherzustellen sei, wenn sämtliche Waldfunktionen auch honoriert würden – zum Beispiel in Form von Waldleistungsprämien der öffentlichen Hand. „Bislang folgen diesen schönen Zahlen aber leider keine Zahlungen an die Waldeigentümer“, so Bitter.

Von blühenden Landschaften sind wir weit entfernt – das wird uns allerdings nicht von der Arbeit abhalten.
Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land

Zweiter Referent des Abends war Armin Federbusch, Chefeinkäufer für Holz beim finnischen Konzern UPM, der im Chemiepark Leuna nahe Leipzig kürzlich eine weltweit bislang einzigartige Bioraffinerie für Buchenholz in Betrieb genommen hat. In der 1,3 Milliarden Euro teuren Anlage wird Buchenindustrieholz zu Hackschnitzeln zerkleinert und anschließend in seine molekularen Bestandteile aufgespalten. Die wiederum ersetzen als sogenannte Biochemikalien Rohstoffe aus Öl und Gas, zum Beispiel bei der Herstellung von Getränkeflaschen und Fleecejacken, als Kühlmittel, Kosmetikverpackung und auch Färbemittel für aus Kautschuk geformte Autoreifen.

Die Verwertung krumm gewachsener bergischer Rotbuchen in Leuna wäre ab Mitte 2027 möglich – und damit eine potenzielle Einnahmequelle für hiesige Waldeigner. Den Jahresbedarf der Anlage bezifferte Federbusch jedenfalls auf 600.000 Festmeter pro Jahr. Allerdings, nur so entspricht es der grünen Unternehmensphilosophie, kauft UPM ausschließlich Holz aus zertifizierten Wäldern.

Landesbetrieb ist stärkster Partner der bergischen Forstgemeinschaften

Und schließlich warb Moritz Volkmann, Fachgebietsleiter Privat- und Kommunalwald des Regionalforstamtes, um eine Beförsterung durch das Regionalforstamt Bergisches Land. Aktuell hat das Regionalforstamt entsprechende Verträge mit 19 bergischen Forstbetriebsgemeinschaften auf knapp 22.000 ha Waldfläche, ist in der Region also der stärkste Partner der Forstbetriebsgemeinschaften – und will das auch bleiben.

In diesem Zusammenhang sprach Volkmann auch das ab 2027 mögliche „Förster-Abonnement“ an, das für die Waldbesitzer eine möglichst kostendeckende Waldbewirtschaftung vorsieht – kostendeckend, sofern Möglichkeiten der Refinanzierung erkannt und genutzt werden. Auch Volkmann rief die versammelten Waldeigentümer dazu auf, den Kopf angesichts der derzeit schwierigen Lage nicht in den Sand zu stecken, sondern die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam anzugehen.