Im Lindlarer Museumswald gab Wildnispädagoge Tobias Knapp ein kleines Survival-Training.
Feuer machenEin Überlebenstraining im Lindlarer Wald

Unterstand, Feuer und Wasser: Wie sich in der Wildnis das Wichtigste organisieren lässt, zeigte Wildnispädagoge Tobias Knapp den Teilnehmern des Trainings.
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Gespannt warten die 21 Teilnehmenden des Survival-Kurs am Eingang des Freilichtmuseums in Lindlar. Wildnispädagoge Tobias Knapp nimmt sie dort in Empfang und dann geht's in den Wald hinter Seilerei und Mühle. Dort angekommen läd er alle ein, sich einen Platz zu suchen, für wenige Minuten zur Ruhe zu kommen und sich ganz auf den Wald einzulassen.
Was es zum Überleben braucht
Familienvater Knapp (40) erzählt, er sei selbst chronisch krank und der Wald seine Wohlfühloase, die ihm geholfen habe, starke Schmerzmittel reduzieren zu können. Darum habe er sich immer mehr mit der Natur beschäftigt und schließlich in der Schweiz eine Ausbildung zum Wildnispädagogen gemacht. Er zeige Techniken, wie sie die Ureinwohner Nordamerikas genutzt hätten, habe bereits viele eigene Survival-Touren gemacht und gebe unter anderem auch Kurse in Schulklassen.
Der Coach richtet die erste Frage an die Gruppe: „Was brauchen wir in der Wildnis, um zu überleben?“ Die Antworten kommen schnell: einen Unterstand, Brennholz, Feuerstein und Trinkwasser. Und dann wird schnell klar, wie viel Aufwand es ist, einen einfachen Unterstand aufzubauen. Der Boden sollte flach und eben sein, Wind und Regenseite müssen beachtet werden und ein Seil muss zwischen zwei Bäumen gut gespannt werden. Dafür gibt es eine kleine Knotenkunde nebenbei. Zusätzlich muss die Gruppe noch dünne Äste sammeln, um daraus Heringe zu schnitzen und eine Plane abzuspannen. Der Aufbau ist Teamarbeit, alle packen mit an.
Ein handgemachtes Feuer
Als die erste Hürde geschafft ist, kümmert sich die Truppe ums Feuer. Denn auch da gibt es viel zu beachten: Wo finde ich Zunderpilze oder wie stelle ich Anzündhilfen aus Baumwollläppchen selbst her? Zum Anzünden holt Tobias Knapp nach und nach Feuerstahl, Feuerstein und ein Bogen-Spindel-Set aus seinem Rucksack und lässt die Teilnehmenden alles ausprobieren. Der Wildnispädagoge dreht gekonnt ein Holz, bis Qualm aufsteigt. „Und wenn ihr denkt, ihr habt es geschafft, weitermachen!“ verrät er, die Gruppe lacht. Schließlich hat er eine kleine Glut erzeugt, aber auf ein richtiges Feuer verzichtet er angesichts des windigen Wetters. „Ich will ja nicht, dass hier gleich an meinem ersten Tag der Museumswald abbrennt“, sagt er augenzwinkernd.
Die Atmosphäre ist locker, der ein oder andere berichtet von eigenen Erfahrungen. Kein Thema bleibt unangesprochen. Als ein Teilnehmender nach einer Toilettenlösung fragt, zieht Knapp spontan den Klappspaten aus seinem Wunderrucksack – einbuddeln sei das Beste für Tier und Natur. Von Blättern als Klopapier rät der Coach hingegen schmunzelnd ab: „Da hängt unter Umständen hinterher mehr da als vorher.“
Auf dem Rückweg zum Ausgang des Freilichtmuseums geht es am Bach vorbei. Knapp holt einen Stein aus dem Wasser und zeigt die kleinen Bachflohkrebse darauf. Daran könne man sehen, dass das Wasser sauber ist. Ansonsten helfe abkochen, mindestens sechs Stunden UV-Licht von der Sonne oder ein Wasserfilter, die man auch kaufen kann. Nach gut dreieinhalb Stunden ist die Gruppe um einige Erfahrungen reicher wieder am Ausgang angekommen. Weitere Aktionen im Lindlarer Museum sind in der Planung.

