Wenn es Gummersbachs Handballer zwickt, ist Physiotherapeut Till Wegermann (34) zur Stelle. Im Interview verrät er, was den Job ausmacht.
„Traumjob“Auf die Hände von Physio Till Wegermann schwören die Profis des VfL Gummersbach

Seit Beginn der laufenden Saison ist der Gummersbacher Till Wegermann einer von zwei Physiotherapeuten der Handball-Profis des VfL.
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Seit Anfang der Saison ist Till Wegermann (34) Physiotherapeut bei den Bundesliga-Handballern des VfL Gummersbach. Wie der gebürtige Gummersbacher, der von klein auf dem Handball verbunden ist, die ersten Monate erlebt hat, darüber sprach Andrea Knitter mit ihm.
Am Anfang stand eine eigene Verletzung
Sie sind im Sommer mit der Saisonvorbereitung des VfL Gummersbach als Physiotherapeut in den Profi-Leistungssport eingestiegen. Wissen Sie noch, was Ihre erste Behandlung war?
Till Wegermann: Ich habe im ersten Training das Sprunggelenk von Ellidi Vidarsson getapt.
War Physiotherapeut Ihr Wunschberuf?
Ja, seit dem 18. Januar 2007. Ich weiß das Datum so genau, weil ich mir an dem Tag eine schwere Sportverletzung zugezogen habe. Ich war 15 Jahre alt, hatte eine Sprunggelenkssprengung und musste ein halbes Jahr auf Krücken laufen. Ich habe ganz viel Physiotherapie gemacht und fand das superinteressant. Mein Traum war immer, im Sport zu arbeiten und das passt.
Trainer beim HC Gelpe/Strombach
Sport, war das immer Handball?
Ich habe seit meinem dritten Lebensjahr in Strombach Handball bis in die Verbandsliga gespielt. Nach dem Abitur habe ich mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim HC Gelpe/Strombach absolviert, dabei drei Mannschaften trainiert und betreut. In der Zeit habe ich auch die C-Lizenz erworben. Beruflich folgte meine Ausbildung zum Physiotherapeuten.
Im Handball haben Sie anschließend aber eher hobbymäßig gearbeitet, oder?
Angestellt war ich in der Physiotherapie Zwetsloot in Derschlag und war in meiner Freizeit Physiotherapeut der Regionalliga-Handballerinnen des HC Gelpe/Strombach.
Plötzlich ruft der VfL Gummersbach an
Wie kam der Kontakt zum VfL Gummersbach?
Über das Rehaktiv Oberberg in Gummersbach. Sie hatten schon mehrfach bei mir angefragt, ob ich nicht zu ihnen wechseln wollte. Nun kam die Anfrage, ob sie meine Telefonnummer an den VfL weitergeben dürften. Ich habe zugestimmt. Und dann kam der Anruf von VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler.
Ich war vor allem gerade mit meiner Freundin im Urlaub in den Dolomiten angekommen und hatte den Heiratsantrag für den nächsten Tag geplant.
Waren Sie überrascht?
Und wie. Ich war vor allem gerade mit meiner Freundin im Urlaub in den Dolomiten angekommen und hatte den Heiratsantrag für den nächsten Tag geplant.
Haben Sie und sie Ja gesagt?
Ja und ja. Meine Freundin Lara Juhasz, die im Sommer meine Frau wird, ist ebenfalls Physiotherapeutin und wir haben gemeinsam darüber diskutiert, ob ich die Chance ergreifen soll. Die Betreuung einer Bundesligamannschaft ist schon eine andere Hausnummer und wir waren gerade ins Eigenheim umgezogen, das wir renovieren wollten.
Eigens abgestellt für die Gummersbacher Handball-Profis
Was hat Sie überlegen lassen?
Der zeitliche Aufwand ist deutlich höher bei einer Profimannschaft, das wusste ich von Kollegen aus dem Rehaktiv, die die Aufgabe schon einmal inne hatten. Doch schon in der Ausbildung habe ich mir gewünscht, im Profisport zu arbeiten. Und dass es jetzt auch noch der Verein ist, mit dem ich schon als Kind in der Lanxess-Arena mitgezittert habe, ist umso schöner. Ich musste mich sehr kurzfristig entscheiden und dankenswerterweise hat mir mein alter Arbeitgeber keine Steine in den Weg gelegt. Nun bin ich im Rehaktiv angestellt, die viel Erfahrung im Profisport haben, und für den VfL abgestellt.
Ich denke Handball ist neben Eishockey die Mannschaftssportart, die am meisten wehtut. Da braucht es auch viel Physiotherapie. Ich sage immer, ich kann nicht heilen, aber die Sportler bei der Heilung unterstützen.
Wie war Ihr Start?
Am Anfang war ich allein als Therapeut, ich habe dann aber mit Francisco Castro aus Portugal glücklicherweise noch einen Kollegen bekommen. Das passt sehr gut, da ich meine Ausbildung an der Physiotherapieschule in Gummersbach gemacht habe, die klassisch und damit sehr praxisorientiert ist, während Francisco in Portugal studiert hat und auch wissenschaftlich orientiert arbeitet. Dazu kommt Athletiktrainerin Kim Kron und natürlich die beiden Mannschaftsärzte Jochen Viebahn und Jan Vonhoegen. Es ist ein tolles Team und ich lerne immer noch viel Neues dazu.
Nach dem Training fängt beim VfL die Arbeit erst richtig an
Was ist anders an der Arbeit mit den Profis?
Vor allem, dass sie Profis sind und der Handball ihr Beruf ist. Da ist ein ganz anderer Antrieb hinter allem, was passiert. Die Arbeitszeiten sind zudem anders, alleine, weil die VfL-Handballer auch morgens trainieren. Im Amateurbereich war es mein Hobby nach acht oder neun Stunden im Beruf, um 20.30 Uhr zum Training zu gehen, jetzt ist es mein Beruf. Während die Amateure nach dem Training schnell nach Hause wollen, beginnt bei den Profis die Arbeit dann erst richtig. Ich bin vor dem Training da und bleibe anschließend.
Was machen Sie vor dem Training?
Da werden die Spieler getapt und zum Beispiel die Gelenke mobilisiert. Es gibt immer was zu tun. Ich denke Handball ist neben Eishockey die Mannschaftssportart, die am meisten wehtut. Da braucht es auch viel Physiotherapie. Ich sage immer, ich kann nicht heilen, aber die Sportler bei der Heilung unterstützen.
Respekt vor der Arbeit mit den Gummersbacher Profis
Mit welchen Gedanken haben Sie Ihre Arbeit angetreten?
Ich hatte schon sehr viel Respekt davor und war die ersten anderthalb Tage sehr aufgeregt. Die Jungs verdienen ihr Geld mit dem Handball und da ist schon ein anderer Druck dahinter. Am Ende sind sie aber auch nur Menschen und der Körper ist der gleiche.
Mussten Sie sich an die besonderen Arbeitszeiten gewöhnen?
Profi-Sport ist nur bedingt familienfreundlich. Das begann schon bei der Saisonvorbereitung, als wir im Trainingslager waren, darauf folgten das Turnier in Bosnien-Herzegowina und der Heide-Cup. Da war man dauernd unterwegs und es spielt sich vieles am Wochenende und an Feiertagen ab.
Zusammen in der Schwalbe-Arena im Einsatz
Sie sind zwei Physiotherapeuten. Wie teilen Sie sich die Arbeit bei den Spielen auf?
Bei den Auswärtsspielen mit Übernachtung wechseln wir uns im Zwei-Spiele-Rhythmus ab. Bei den Heimspielen sind wir beide in der Schwalbe-Arena. Muss ein Spieler in der Kabine behandelt werden, ist ein zweiter Physio am Feld.
Was ist Ihr Fazit nach fast einem Jahr als Physiotherapeut im Profi-Sport?
Es macht mir richtig Spaß und ich habe schon um ein Jahr verlängert. Ich trage als Physio einen kleinen Teil dazu bei, dass es den Spielern gut geht und sie so erfolgreich wie zurzeit spielen können. Das ist doch ein gutes Gefühl.

