Die Aktion fand nicht zufälligerweise kurz nach Karneval statt. Neben alten Kamellen wurde noch viel älterer Dreck gefunden.
„Bergisch Gladbach putz(t) munter“Jung und Alt sammeln und Müll und olle Kamelle

Auch zahlreiche Karnevalszugteilnehmer schlossen sich der Aktion in Bensberg an. Das Festkomitee hatte den Aufruf weitergegeben.
Copyright: Joachim Wischert
Feiner Regen fällt aus dichtem Grau. Trotzdem: Im Jugendzentrum „Fresch“ in Schildgen herrscht Betrieb. Familien mit Kinderwagen kommen, Kinder, junge Erwachsene. Ihr Ziel: „Schildgen putz(t) munter“. Die Jugendverbände haben aufgerufen, an der stadtweiten Aktion „Bergisch Gladbach putz(t)munter“ mitzumachen. Müll am Straßenrand und im Wald soll verschwinden.

KG Närrische Sander und Ortsring Sand waren in dem Bergisch Gladbacher Höhenort mit Greifzangen und Müllsäcken unterwegs.
Copyright: Ulrich Gürster
„Wir machen das seit gut acht Jahren und haben bisher immer Müllzangen, Handschuhe und Müllsäcke von der Stadt bekommen“, berichten Christoph Schwiedergall und Sabine Gessner-Ritter. Sie organisieren die Aktion. Diesmal sei es anders gewesen: Die Mitarbeiterin der Stadt sei weder telefonisch noch per Mail erreichbar gewesen. Da blieb nur: nicht absagen und das Material selbst besorgen. Jedes Jahr beteiligen sie sich schließlich an der von der Stadt initiierten Aktion. Sie besorgen Müllsäcke und Handschuhe und stellen Kaffee und Kekse bereit. Das hebt die Laune sofort.
Einige Teilnehmende bringen einfach ihr eigenes Besteck mit. Schon bevor es um 13 Uhr losgeht, hat Resi Hembach eine Straße abgesammelt. Im „Fresch“ wird alles sorgfältig dokumentiert. Moritz Kowalewski markiert mit dem Textmarker den Straßenzug, der jetzt fertig ist. Resi Hembach, die sich für ihr Veedel engagiert, kümmert sich das ganze Jahr über um den Dorfplatz. „Es wird schon weniger Müll“, freut sie sich.
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Sabine Gessner-Ritter hat bereits heute Morgen Müllsammler in Nußbaum entdeckt. Zwar sei die Werbeaktion kurzfristig angelaufen, doch die Facebook-Seite „Schildgen im Blick“ habe eine gute Reichweite, berichtet die Diakonin der Andreaskirche. Auch Schwiedergall war für die Werbung aktiv: Er hat Flyer in die Schulen und Kindergärten gebracht.

Bergisch Gladbach putz(t)munter in Schildgen: Auf dem Dorfplatz packten auch (v.l.) Robert Asphal, Moritz Kowalewski und Jonas Fischer mit an.
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„Das ist ganz schön, denn hier kommen dann auch viele Jüngere vorbei“, freut sich der Leiter des Jugendzentrums. Mittlerweile ist es voller geworden. Die Sammler schnappen sich Handschuhe und Müllsäcke und ziehen los. In zwei Stunden werden sie zurück sein und berichten, wo sie überall waren. Nach und nach füllen sie die ausliegenden Kartenausschnitte mit dem Textmarker. Im Laufe des Tages kommen über 30 Personen vorbei.
Schwiedergall stellt fest: „Es genügt, wenn eine Person hierbleibt, alle anderen können mitsammeln.“ Robert Asphal, Moritz Kowalewski und Jonas Fischer starten Richtung Dorfplatz. Die drei arbeiten regelmäßig im „Fresch“ mit und unterstützen auch die Putzaktion. Die Stadt holt die vollen Säcke später ab. Fazit: Trotz Regen putzt Schildgen munter.

Im Jugendzentrum„ Fresch“ war das Sammelzentrum für den Nordwesten der Kreisstadt.
Copyright: Christoph Konkulewski
Auch in anderen Stadtteilen waren ehrenamtliche Müllsammler aktiv bei der Aktion, die diesmal früher und nicht zufällig eine Woche nach dem Karnevalswochenende stattfand. „Kamelleschrappe“ überschrieb denn auch das Festkomitee Bensberger Karneval die Aktion für sich und hatte den Termin laut Karnevalszugleiter Joachim Wischert an die Zugteilnehmenden weitergegeben. Zusammen mit 50 Erwachsenen und Kindern sammelten sie jetzt entlang des Bensberger Zugwegs von Karnevalssamstag den Müll auf, den die städtischen Saubermacher noch nicht erwischt hatten.
„Neben relativ geringen Überresten vom Karnevalszug wurde viel sonstiger Müll eingesammelt, der sich übers Jahr im Gestrüpp und auf den Freiflächen angesammelt hatte“, so Zugleiter Wischert. „Wir haben sechs Gruppen gebildet, die einzelne Abschnitte des Zugweges und den Aufstellbereich abgesucht haben.“ Nach etwa 1,5 Stunden Einsatz und mit von den städtischen Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB) beigestellten Müllsäcken, Zangen, Warnwesten und Handschuhen ausgestattet, seien nahezu 20 gut gefüllte Müllsäcke zusammengekommen, so Wischert.

Müllsammelaktion in Sand: Gesammelter Müll vor St. Severin.
Copyright: Ulrich Gürster
Berge von Müll türmten sich auch im Stadtteil Sand vis-à-vis der St.-Severin-Kirche auf, nachdem die insgesamt rund 35 Helferinnen und Helfer von Ortsring Sand und KG Närrische Sander ihr Sammelwerk vollendet hatten.
Besonderer Clou für die jüngsten Sammler: Im Edeka-Markt von Markus Hetzenegger gab's nach dem Sammeleinsatz im Nieselregen Kakao für alle, den Nicole Schmidt zubereitet hatte – ein wärmender Abschluss für den Sammelnachwuchs.

