Kulturelle Teilhabe ist in der städtischen Max-Bruch-Musikschule für Menschen mit Einschränkungen zum Teil nicht möglich.
Bergisch GladbachGrenzenlose Musik endet an der Treppe

Eine Rampe am Eingang allein reicht nicht. Im Haus der Musik in Bergisch Gladbach gibt es Treppen, die für manche Musizierende kaum oder gar nicht zu überwinden sind.
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Eine Treppe, enge kleine Räume: Die städtische Max-Bruch-Musikschule ist nicht gut ausgerüstet für Besucher und Kursteilnehmer, die im Rollstuhl oder mit dem Rollator unterwegs sind. Die Grünen wollen von der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach wissen, wie sie künftig sicherstellen wollen, dass kulturelle Teilnahme nicht an baulichen Barrieren scheitert?
Es geht um das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung. Es geht um Barrierefreiheit – und um noch viel mehr: Teilhabe, das Recht auf Kultur, Freizeit und Bildung. „Die Zugänglichkeit öffentlicher Kultur- und Bildungseinrichtungen ist eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe, Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonen die Grünen in ihrer schriftlichen Anfrage im jüngsten Ausschuss für Kultur und Bildung.
Zum Kammermusiksaal kommt man nur über eine Treppe
Barrierefreiheit ist jedoch in dem aus den 1950er Jahren stammenden Musikschulgebäude am Langemarckweg nicht gegeben. Den großen Kammermusiksaal kann man nicht mit einem Rollstuhl oder einem Rollator erreichen, weil eine Treppe in den Veranstaltungs- und Probenraum führt.
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Deshalb müssen integrative Ensembles unten im barrierefreien Erdgeschoss proben. Dort sind die Räume so klein und eng, dass Musiker nicht zusammen, sondern gezwungenermaßen getrennt voneinander musizieren müssen. Denn für die begleitenden Assistenzpersonen ist in den Zimmern nicht genug Platz, schildern die Grünen die problematische Situation.

Nicht mehr alle 20 Mitglieder des Intermelodie Männerchors Dreiklang, viele sind über 90 Jahre alt, können bei den wöchentlichen Proben mitmachen.
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Eine weitere bedauerliche Folge der räumlichen Enge sei, dass eine weitere Aufnahme von Interessenten nicht möglich sei. Die Grünen stellen fest: „Es besteht ein deutlicher Widerspruch zwischen dem großen Interesse an inklusiver musikalischer Teilhabe und den unzureichenden räumlichen Voraussetzungen.“ Betroffen sind aktuell sechs solcher Gruppen mit Mitgliedern aus allen Altersstufen und mit Behinderungen jeglicher Art.
Nicht mehr alle 20 Mitglieder des Intermelodie Männerchors Dreiklang, viele sind über 90 Jahre alt, können bei den wöchentlichen Proben mitmachen. Die Sänger schaffen es nicht mehr die Stufen hoch in den Kammermusiksaal. Für die Betroffenen bedeute dies einen gravierenden Verlust: „Sie werden nach jahrzehntelanger Zugehörigkeit von der Gemeinschaft ausgeschlossen“, kritisiert Walter Paduch (Grüne).
Chor verliert Mitglieder, die die Stufen nicht hoch kommen
Dies könne Isolation und Einsamkeit fördern. Ohne barrierefreien Zugang werde der Chor immer weiter ausgedünnt. Menschen verlören einen wichtigen sozialen und kulturellen Ankerpunkt. „Wir sollten alles, was möglich ist, veranlassen, damit der Chor weiter tagen kann“, fordert Paduch.
Der Männerchor hat sich vor 18 Jahren gegründet, sein Fundus besteht aus über 100 Liedern. Gesungen wird nach einem dreistimmigen Intermelodie-Chorsatz, bei dem nicht der erste Tenor, sondern die Mittelstimme die Melodie übernimmt, umrahmt von einer höheren Stimme darüber und einer tieferen darunter. Das ist ziemlich einzigartig in Deutschland.
Ob ein Aufzug eingebaut werden kann, ist ungewiss
Vor 20 Jahren ist eine barrierefreie Toilette mit einer von außen zugänglichen Rampe eingebaut worden. Seit dem ist nichts passiert. „Uns ist die Situation bewusst“, gibt Barbara Kirschner, Fachbereichsleiterin für Kultur, Schule und Bildung, zu. Aktuell liefen Prüfungen, ob eine Aufzugsanlage eingebaut werden könne.
Die Schadstoff-, Brandschutz- und elektrotechnischen Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Deshalb liege auch noch keine Kostenschätzung vor. Erst, wenn alle Ergebnisse vorlägen, könne über mögliche Schritte nachgedacht werden.
Im Saal schwingt die Sorge mit, dass die Prüfungen nach hinten losgehen könnten. Schließlich musste gerade erst das Bergische Museum in Bensberg von jetzt auf gleich auf ungewisse Zeit wegen sicherheitsrelevanter Mängel bei der Elektrik geschlossen werden.
„Es kann auch sein, dass wir die Schule verlieren“, spricht Robert Martin Kraus (CDU) die Befürchtung aus, die alle irgendwie bedrückt: „Wir sollten prüfen, ob Kurse und Konzerte in Schulen ausgelagert werden können.“
Outsourcing inklusiver Angebote widerspricht allerdings dem Grundgedanken von Inklusion: Senioren und Menschen mit Behinderungen sollten nicht separiert werden, sondern hinein in das Haus des Geschehens geholt werden. Alles andere wäre absurd.

