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Bergisch GladbachHeimatmuseum bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen

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Museum-Bensberg-Frühlingserwachen

Die Perspektiven für das Bergische Museum in Bensberg sind ungewiss.

Es gibt noch keinen Termin für die Wiedereröffnung des Bergischen Museums in Bensberg. Die Liste der gravierenden Sicherheitsmängel ist lang.

Das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg wurde lange vernachlässigt, immer nur notdürftig wiederhergestellt und nie wirklich renoviert. Dies rächt sich jetzt. Am Dienstag vor einer Woche musste die beliebte Einrichtung aus Sicherheitsgründen von jetzt auf gleich geschlossen werden. Der TÜV untersagte den Betrieb aufgrund von Problemen bei der Elektrik. Wann das Heimatmuseum wieder aufmachen kann, ist ungewiss.

„Ob es bei sechs bis acht Wochen bleibt, kann ich nicht sagen“, bedauert Dezernent Stephan Dekker in der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Sport. Die zuständige Fachbereichsleiterin, Alexandra Meuthen, sei erkrankt, sie habe den genauen Einblick in das Thema.

Die gravierenden Mängel betreffen alle Gebäudeteile des Museums

Liest man jedoch die lange Liste der verschiedenen festgestellten sicherheitsrelevanten Mängel, könnte man denken, dass Haus macht in diesem Jahr gar nicht mehr auf: frei zugängliche spannungsführende Teile sowie beschädigte Verteiler, unzureichende Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, mangelhafte Erdungs- und Potentialausgleichanlagen, unzulässige Installationen, Isolationsfehler, fehlende Rettungswegbeleuchtung, Brandlasten in Rettungswegen.

Die Stadtverwaltung beantwortete die umfangreiche Anfrage der CDU-Fraktion schriftlich bis ins Detail. Demnach betreffen diese gravierenden Mängel mehrere Gebäude, aber teilweise eben auch die elektrische Infrastruktur insgesamt. Problematisch sei, dass einzelne Bauten aus Zeiten stammten, in denen elektrotechnische Dokumentationen in der heute geforderten Form nicht vorgeschrieben waren.

Eine reine Instandhaltung ist kaum noch möglich

Zumindest für einzelne Gebäudeteile fehlten Angaben zu Netzform, Stromläufe. Eine eindeutige Zuordnung der Stromkreise sei nicht möglich. Laut Auskunft der Verwaltung seien bei den turnusmäßigen Überprüfungen des TÜV in den vergangenen Jahren einzelne Mängel festgestellt worden. Diese seien erfasst und „weitestgehend instandgesetzt“ worden.

Sorgen machen dürfte auch folgende Feststellung der Verwaltung: „Bei den älteren Elektroinstallationen aus den 1960er und 1970er Jahren besteht ein erheblicher Sanierungsbedarf. In vielen Fällen sind Teillösungen technisch nicht mehr ausreichend.“ Umfassende Erneuerungen seien erforderlich, die über die reine Instandhaltung hinausgingen.

Eine schrittweise Wiedereröffnung kann die Verwaltung nicht zusagen

Die Verwaltung sagt zu, Zwischenlösungen, also eine schrittweise Wiedereröffnung, zu prüfen. Aber ein Zeit- und Maßnahmenplan könne erst nach Abschluss der laufenden Prüfungen erfolgen. Am Ende wird es wohl auf die Frage hinauslaufen, ob es sinnvoll ist, viel Geld in eine Notsanierung zu pumpen, oder ob es nicht wirtschaftlicher ist, in eine dauerhafte Sanierung zu investieren. Bei der aktuellen defizitären Haushaltslage dürfte beides ein echtes Problem darstellen.

„Wir müssen dafür sorgen, dass das Museum nicht zur Debatte steht“, gibt Robert Martin Kraus ein eindeutiges Bekenntnis zum Fortbestand des Museums ab. Vor allem für Schulkinder ist das Museum ein Bildungsort. In den letzten Jahren hat das Heimatmuseum aber auch durch seine vielen Mitmachaktionen geglänzt. Deshalb ist Anna Maria Scheerer, Grüne, entsetzt über die Schließung. Ihre fehle vor allem die zeitliche Perspektive. „Das kann jetzt ein halbes Jahr dauern, bis das Museum wieder aufmachen kann oder viel, viel länger“.

Die Schließung trifft, wie berichtet, auch Teile des Museumspersonals. Der Förderverein beschäftigt 14 Mini-Jobber, die den Museumsbetrieb unterstützen, etwa durch Führungen oder an der Kasse. Aktuell seien keine Kündigungen ausgesprochen worden, sagte Willi Carl, Vorsitzender des Fördervereins,  zuletzt im Gespräch mit dieser Zeitung, voll der Hoffnung auf eine „schnelle Abhilfe“.

Insgesamt sind 14 Trauungen im Jahr 2026  im Bergischen Museum  gebucht. Zwei im März und April betroffene Paare wurden bereits kontaktiert. Sie haben sich entschieden ihre Trauungen in den historischen Ratssaal zu verlegen, teilt die Verwaltung mit.