Die beiden großen Stadthäuser am Konrad-Adenauer-Platz sind Anlaufpunkt für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.
Zunehmende Gewaltbereitschaft Bergisch Gladbach schützt Mitarbeiter der Stadt mit Sicherheitsdienst

Mit seiner gelben Weste ist der Sicherheitsmitarbeiter klar im Foyer der Stadthäuser in Bergisch Gladbach zu erkennen.
Copyright: Claus Boelen-Theile
Nicht erst seit dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz drängt das Thema Sicherheit in vielen Bereichen nach vorne. Angriffe auf Ordnungskräfte nehmen zu, die Bereitschaft zu Gewalt scheint in der Gesellschaft zunehmend stärker zu werden.
Darauf hat, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, auch die Stadt Bergisch Gladbach reagiert. Die beiden großen Stadthäuser am Konrad-Adenauer-Platz mit Anbauflügel zur Gohrsmühle, fünf- und sechsgeschossig mit vielen langen Fluren, sind Anlaufpunkt für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger.
Ordnungskräfte werden von einem Sicherheitsunternehmen gestellt
Es geht in den Büroräumen um soziale Angelegenheiten, die nicht immer einvernehmlich zwischen Kunden und den Mitarbeitenden der Verwaltung geklärt werden können. Situationen können sich schnell zuspitzen. Weit über 100 Beamte und Angestellte haben ihren Arbeitsplatz hier. Der Zustrom von Besuchenden ist an jedem Tag sehr groß. Auch das Bürgerbüro ist im Erdgeschoss zu finden.
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Seit etwa einem halben Jahr versehen zu den Öffnungszeiten drei Mitarbeiter aus dem Bereich des Ordnungsdienstes ihren Einsatz in den beiden Stadthäusern. In jedem der drei Haupteingangsbereiche ist ein Mitarbeiter anzutreffen. Es sind aber keine Mitarbeitenden der Verwaltung. Die Aufgaben hat die Stadt ausgeschrieben, ein Sicherheitsunternehmen stellt die Ordnungskräfte. Ihre Dienstzeit an den drei Eingängen: montags bis donnerstags 7.30 bis 18 Uhr, freitags nur bis 14 Uhr.
Sicherheitsdienst versucht, schimpfende Kunden zu beruhigen
Die Bediensteten sind gut an ihrer Dienstkleidung zu erkennen, die sie als Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ausweist: mit gelber Sicherheitsweste und dunkelblauer Bekleidung, ähnlich wie die Stadtwächter. Am Haupteingang Erdgeschoss ist einer der Sicherheitsbeamten postiert, zwischen dem Eingang zum Bürgerbüro und dem Treppenhaus. Das hilft, wenn es zu Zwischenfällen kommen sollte.
Kunden, die laut schimpfend im Eingangsbereich verharren, versucht der Mitarbeitende zu beruhigen und mit angemessenen Worten des Hauses zu verweisen. Deeskalation ist dabei die entscheidende Linie, die die drei Sicherheitsmitarbeiter verfolgen. Hoheitliche Aufgaben sind tabu, dies ist der Bereich des städtischen Ordnungsdienstes oder der Polizei, die in kritischen Situationen gerufen werden können.
Auch Hausverbote dürfen die drei Sicherheitsmitarbeiter nicht aussprechen, aber sie haben das Hausrecht und können bestehende Hausverbote durchsetzen. Zu Taschen- oder auch Personenkontrollen sind sie nicht befugt. Die Mitarbeiter begrüßen die Besucher und weisen ihnen auf Nachfrage freundlich den Weg zu den Büros. Im Normalfall wirkt die Atmosphäre freundlich.
Stadt zieht positive Bilanz
Stadtsprecher Patrick Ortmanns informiert über die Zusammenhänge des Einsatzes: „Ausschlaggebend waren Hinweise und Berichte von Mitarbeitenden über Bedrohungs- und Konfliktsituationen im Arbeitsalltag.“ Absicht der Verwaltung ist es, dass die Sicherheitsleute offen im Foyer zu sehen sind: Jeder, der das Verwaltungsgebäude betritt, bemerkt die Mitarbeitenden.
Nach einem halben Jahr des besonderen Einsatzes kann die Stadt eine erste positive Bilanz ziehen. Mitarbeitende hätten einen direkten Ansprechpartner vor Ort. Das gebe ihnen mehr Sicherheit als vorher. Bei Bedarf, so der Sprecher weiter, könnten sich die Beamten und Angestellten unterstützen lassen von den Sicherheitsmitarbeitern. Dies sei etwa bei „konfliktträchtigen Themen“ der Fall; diese Konstellationen seien auch teils vorher erkennbar für die Verwaltungsmitarbeiter.
Die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sind demnach nicht nur im Foyer der Gebäude anzutreffen. In kritischen Situationen könne der Sicherheitsdienst jederzeit hinzugezogen werden in den Büroräumen. Die Stadt misst dem Thema Sicherheit größte Bedeutung zu: Rundgänge durch das Haus darf immer nur einer der beiden Mitarbeiter machen. Die verbleibenden zwei Kollegen sichern die Eingänge.
Die Stadt hat den Sicherheitsdienst ganz aktuell neu für zwei Jahre ausgeschrieben, Unternehmen aus der Sicherheitsbranche können sich bewerben. Nach dem Umzug aus den beiden Stadthäusern ins neue Verwaltungshaus („AOK“) an der Bensberger Straße 76, wohl Anfang 2027, soll auch dort ein Sicherheitsdienst installiert werden.

