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ZandersUmwandlung der Gladbacher Papierfabrik nimmt Formen an

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Das Foto zeigt die Entwicklungsplanung für das Gelände

Die Skizze der Entwicklungsplanung für das Gelände

Für das Zanders-Gelände in Bergisch Gladbach liegt mit der Entwicklungsplanung ein wichtiger Planungsschritt vor

 Leitplanken sind für alle wichtig, die auf den Straßen unterwegs sind. Ohne Leitplanken droht Chaos. Bei den Planungen für die Umgestaltung der ehemalige Papierfabrik Zanders gibt es jetzt auch Leitplanken, so etwas wie die DNA für das entstehende Stadtviertel. Das namhafte Kölner Planungsbüro „Albert Speer + Partner“ (AS + P) hat im Auftrag der Stadt mit der Entwicklungsplanung wichtige städtebauliche Strukturen vorgelegt. Sie sind Kern des laufenden Umwandlungsprozesses. Es geht inhaltlich um: alles.

Um den Erhalt der Werksgebäude, um Baufelder für Wohnen, um die Infrastruktur des knapp 37 Hektar großen Areals, um neue Straßenzüge, um Wegeverbindungen, die Anbindung an die Stadtmitte. Das große Ganze ist im Blick. Daraus folgt alles weitere. Nicht zu viele Vorgaben, aber auch nicht zu wenige. Investoren müssten bei allen Leitplanken auch noch Ideen einbringen können, formulierte es der scheidende Geschäftsführer der Zanders-Entwicklungsgesellschaft (ZEG), Oliver Brügge.

Von einem „Meilenstein“ sprachen Bürgermeister Marcel Kreutz und der stellvertretende Geschäftsführer Udo Krause am Donnerstag bei der Vorstellung. Alles Künftige baue darauf auf, sagte Gladbachs Bürgermeister. Es war ein zeitlicher Zufall: Auf den Tag genau vor fünf Jahren, am 30. April 2021, stellte mit einer zweiten Insolvenz die weltweit bekannte Papierfabrik Zanders nach 192 Jahren ihre Arbeit ein, verloren 400 Menschen ihre Arbeit.

Später der Bebauungsplan

Auf die Entwicklungsplanung soll später der Bebauungsplan folgen, der Verbindliches für das Gelände festschreibt. Der zeitliche Horizont schaut weit voraus. Udo Krause nannte einen Rahmen von 20 bis 25 Jahren, mit dem zu rechnen sei (also bis etwa 2050). Entstehen soll bis dahin ein lebendiger Stadtteil, als Ergänzung zur Stadtmitte, nicht als Konkurrenz, wie Krause betonte. Die Entwicklungsplanung sei ein „Screenshot“ auf das Gelände. Für die Planer des Kölner Büros „Albert Speer + Partner“ ist Halbzeit.

Die Entwicklungsplanung habe einen früheren Strukturplan (2022) auf Tauglichkeit überprüft und konkretisiert, erklärte ZEG-Vize Udo Krause. Die Grundlage: 3000 Menschen, die auf Zanders wohnen in drei bis fünfgeschossigen Wohnhäusern. 3000, die arbeiten. Das gelinge, so die Feststellung. Nun arbeitet das Büro an einem Projektfahrplan für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Auch eine „städtebauliche Kalkulation“ erstellen die Planer. Mit roten Flächen auf den Skizzen für Investitionen und weißen für Vermarktung. Diese Kalkulation wird zunächst in Aufsichtsrat und Politik vorgestellt, schließlich der Öffentlichkeit.

Gutachten in Arbeit

Diverse Gutachten begleiten die Planungen. Verkehr, Energie, Wohnen, alles wird von Experten untersucht. Oliver Brügge berichtete, dass aktuell auch Studien zum Parkhaus, zu „Mobil-Hub“ und zu zwei „Wohnbausteinen“ erörtert würden. Das Gelände soll autoarm bleiben. Bevor Ergebnisse dazu öffentlich werden, wird im Aufsichtsrat der städtischen Gesellschaft und in internen Kreisen mit Verwaltung und Politik darüber gesprochen. Laut Brügge hat ein Investor konkretes Interesse an einem „Vermarktungsbaustein“ auf dem Zanders-Gelände.

Es gehe um Gewerbe und Gastronomie, mehr könne er öffentlich nicht sagen. Mit Interessenten müsse behutsam umgegangen werden, sonst blieben die „Investorenfischlein“ nicht an der Angel. Gedankenspiele könnten in Richtung der prägenden, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude Sortiersaal, Kalandersaal und Lagerhalle gehen („Z-Ensemble“), drei benachbarte Kerngebäude mit 17.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.

Damit mögliche Investoren mit ihrer Arbeit beginnen könnten, werde noch in diesem Jahr mit dem Rückbau der nicht unter Denkmalschutz stehenden Anbauten dort begonnen, sagte Brügge. Auch auf der Münchner Investorenmesse „Expo Real“ hatten Brügge und Kollegen Zanders vorgestellt. Unter anderem, so Brügge, mit einem Vermarktungsexposé für eine „spannende Stelle“ auf dem Zanders-Gelände, konkreter wurde Brügge nicht. Um Interessenten Zeit zur Prüfung zu geben, sei dies in einem internen Rahmen geschehen.

Entscheidung zum Wohnungsbau

„Zanders ist nicht die eierlegende Wollmilchsau“, betonte Brügge zum Wohnungsbau. Heißt: Die Stadt muss entscheiden, ob die entstehenden Wohnungen verkauft werden sollen oder als langfristige Erbpacht im Eigentum der Stadt bleiben. Auch bei der Quote für den sozial geförderten Wohnungsbau müssten Politik und Verwaltung eine Entscheidung treffen. Derzeit gelte in Bergisch Gladbach eine Quote von 30 Prozent. „Ich erwarte eine spannende Diskussion“, sagte Brügge.

Eine weitere Leitlinie: Die Bestandsbebauung soll erhalten bleiben, wenn möglich. Gemeinsam mit dem Energiepartner Belkaw GmbH wird der Stadtrat am 15. Dezember eine Zanders-Energie GmbH gründen. Sie soll alle Dinge zentral steuern, die mit der Energieversorgung auf dem Gelände zu tun haben. Da gebe es noch sehr, sehr viel zu tun, meinten die Planer.

Denn die ehemalige Industriefabrik habe keine Struktur für eine herkömmliche Ent- und Versorgung aufzuweisen. Nicht störendes Gewerbe: Auch das ist die die Leitlinie. Büros sind also in erster Linie vorstellbar. Aber auch ein Supermarkt ist Teil der Pläne. „Ein Nahversorger muss kommen“, sagte Krause, dieser sei gedacht für die Versorgung der Bewohner. „Sicher kein Einkaufsmarkt wie Kaufland.“

Jugendzentrum soll umziehen

Vom Quirlsberg soll das Jugendzentrum auf das Zanders-Gelände umziehen, so eine politische Interessensbekundung (kein Beschluss). In die Zanders-Zentralwerkstatt passten allenfalls Teile des Angebotes, wenn überhaupt, sagte Udo Krause. Die Zentralwerkstatt werde umgebaut zu einem Sozial- und Kulturzentrum, nicht zu einem Jugendzentrum.

Falls von der Politik gewünscht, müssten andere Flächen auf Zanders für ein Jugendzentrum genutzt werden. Beschlossene Planungen gibt es bereits: Mit dem Kreis gibt es eine Übereinkunft, einen „Exzellenzbaustein“ zur beruflichen Bildung im Bereich der Papiermaschinenhalle PM3 anzusiedeln. Auch die Berufskollegs sollen dorthin umziehen. Die Stadtbücherei soll in das „Forum“-Gebäude auf Zanders einziehen. Nach nur 16 Monaten verlässt Geschäftsführer Oliver Brügge „aus privaten Gründen“ die Zanders-Entwicklungsgesellschaft.

Am Donnerstag war sein letzter Arbeitstag. Zum Abschied gab es Dankesworte von Bürgermeister Marcel Kreutz. Kommissarisch übernimmt Udo Krause die Geschäftsführung. Die Nachfolge sei bereits geregelt, sagte Kreutz, ein Kandidat, eine Kandidatin ausgewählt.