Die Offen Jugendhilfe Overath nimmt wieder Fahrt auf – Die Overather Stadtverwaltung zieht eine erste Bilanz.
OverathWie es seit dem Trägerwechsel in der Offenen Jugendhilfe läuft

Seit Januar hat die Stadt die Trägerschaft über die Offene Jugendhilfe übernommen. Nun zieht sie eine erste Bilanz
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Nachdem die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Overath (Ojo) zu Beginn des Jahres einen Neustart erfahren hat, da die Stadt nun vorläufig Träger ist, war es nach etwa zwei Monaten an der Zeit, für eine kleine Zwischenbilanz. Wie Jens Volkmer, Amtsleiter für Jugend, Bildung und Sport, berichtete, muss die Stadt nämlich bis Juni entscheiden, ob sie der Träger bleiben will oder eine Ausschreibung erfolgen soll. Kim Klein, eine der neuen Mitarbeiterinnen der Ojo, gab Auskunft über den Stand der Dinge.
Wie Klein zeigte, steigen die Besucherzahlen der kleinen offenen Tür (KOT) in Immekeppel recht stabil, während sie bei der Ojo zwischendrin schwankend waren, was durch eine krankheitsbedingte Schließung im Januar zu erklären ist.
Drei regelmäßige Angebote
Aktuell habe die Ojo drei regelmäßige Angebote. So können Mädchen ab 13 Jahren dienstags zum Mädchentreff mit Bogenschießen und anschließendem offenem Treff. Auch mittwochs gibt es einen offenen Treff und eine Kreativwerkstatt, in der die Kinder zum Beispiel musizieren können, und freitags besteht ebenfalls die Möglichkeit zum offenen Treff. Die KOT bietet Mädchen dienstags in Kooperation mit der OGGS Immekeppel eine AG mit einem anschließenden offenen Treff für alle. Der findet auch donnerstags statt.
Zu den Projekten, die derzeit laufen, zählt „Leben ohne Qualm“ zur Rauchprävention zusammen mit dem Paul-Klee-Gymnasium sowie Kochprojekte mit gemeinsamem Essen in beiden Einrichtungen. Neben den täglichen Kreativangeboten würde mit den Besuchern ständig an der Entwicklung von Eventabenden gearbeitet.
Mehr aufsuchende Arbeit
Langfristig sei es Ziel, Kooperationen auszubauen und die Vernetzung im Sozialraum zu stärken, eine altersdifferenzierte Angebotsstruktur zu erstellen, die aufsuchende Arbeit auszubauen, die Teilnahmemöglichkeiten zu erweitern und die Qualität zu sichern und zu evaluieren. Das alles aber, so Klein, im Rahmen der Möglichkeiten der 2,5 Stellen.
Petra Schaun-De Jong (FDP) stellte fest, dass die Ojo drei Mal und die KOT zwei Mal pro Woche geöffnet haben und fragte nach, ob geplant sei, das weiter auszubauen. „Momentan müssen wir mit dem Personal haushalten. Und das Angebot, was wir jetzt haben, ist das, was wir bieten können“, erklärte Volkmer. Man müsse dabei auch auf dem Schirm haben, dass die aufsuchende Arbeit in den kommenden Monaten ausgebaut werden soll. Zudem müsse man bei der Angebotserweiterung noch überlegen, auf welche Art und Weise sie angegangen werden soll. Dafür gebe es zwei wesentliche Perspektiven: einmal in der Fläche, so dass mehr Stadtteile von Overath eingebunden werden, und einmal einen stärkeren Fokus auf Jugendliche zu legen. Das alles sei ein Prozess, der mit den Öffnungszeiten vereinbar sein sollte.
Ausschussmitglieder begeistert
Aus sämtlichen Fraktionen zeigten sich die Ausschussmitglieder begeistert über die Ergebnisse der ersten zwei Monate. So auch Hartmut Kohkemper (CDU) und Frank Jilly (Grüne), die Klein die Unterstützung ihrer Fraktion angeboten haben, sollte sie benötigt werden.
Hans Schlömer (SPD) glaubt ebenfalls, dass von den Mitarbeiterinnen derzeit das Maximum geleistet werde. „Das zeigt, dass es uns gelungen ist, die Ojo aufrecht zu erhalten.“ Die finanzielle Situation in der Jugendarbeit gab er dennoch zu bedenken. Von einer Förderung von 384.000 Euro, die es 2009 für die Ojo gab, sei mittlerweile mehr als die Hälfte weg. Perspektivisch müsse man damit rechnen Geld hineinzustecken, um ein flächendeckendes Angebot zu ermöglichen. Ein Vergleich zwischen den festgestellten Bedarfen und dem, was mit der aktuellen Ausstattung gewährleistet werden kann, wäre nützlich. Außerdem solle besonders der finanzielle Aspekt auch bei der Ausschreibung für den neuen Träger berücksichtigt werden. „Es nützt uns nichts, wenn der Nachfolger dasselbe Problem hat.“ Dem schloss sich auch Kohkemper an: Ohne Geld könne das alles nicht funktionieren.
Was unter "Kultur" verstanden wird
Nach den sonst sehr harmonischen Wortmeldungen sorgte vor allem der Beitrag von Bernd Kierspel (AfD) für Empörung. Der hakte beim Punkt „Kulturrucksack“ nach, der als künftiges Projekt anvisiert wurde, um die kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. „Mir ist es wichtig, dass sich Jugendliche mit ihrer Ortschaft identifizieren können.“ Als er die KOT als Junge besucht habe, seien etwa Aktionen wie Sülzuferbefestigungen angeboten worden. Das stärke das Selbstbewusstsein, Toleranz, Akzeptanz und persönliche Identifizierung. Entrüstet entgegnete Kohkemper, dass es beim Kulturrucksack nicht ums Deutschsein gehe, sondern um Aktivitäten wie Malen, um sich mit Themen wie Kunst auseinanderzusetzen und fügte hinzu: „Und für Sie speziell…eine Auschwitz-Fahrt ist übrigens auch Kultur.“
Wie die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen auf das neue Personal waren, wollte Dr. Ute Projahn wissen. Dass der Neustart für die Kinder ein Beziehungsabbruch war, sei klar, erläuterte Klein. Die ersten Wochen hätte es deshalb ein paar Startschwierigkeiten gegeben, in denen sie die Grenzen ausgetestet hätten. „Mittlerweile haben wir aber gute Beziehung zu den Jugendlichen aufgebaut, die regelmäßig kommen. Da sind wir unseren Vorgängern sehr dankbar, die haben gute Vorarbeit geleistet.“

