Das hohe Alter und ein Sturmereignis werden als Ursache vermutet.
Overath-BernsauWieso eine sechshundertjährige Eiche in zehn Jahren zugrunde ging

Die alte Stieleiche in einem Laubwald nördlich von Bernsau soll nun ihrer natürlichen Zersetzung überlassen werden.
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Traurige Neuigkeiten gibt es für Baumliebhaber in der Region: Die alte Stieleiche in einem Laubwald nördlich von Bernsau gibt es nicht mehr. Bereits 2020 ist bekannt geworden, dass ein großer Ast des schätzungsweise 500 bis 600 Jahre alten Baumes abgebrochen war (wir berichteten). Mit ihrem stolzen Alter galt die Eiche als womöglich ältester Baum im Rheinisch-Bergischen Kreis, weshalb er als kultur- und naturhistorische Rarität gesehen und 2008 im Rahmen des Inkrafttretens des Landschaftsplanes Südkreis als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurde.
Die Eiche befindet sich im Besitz des Fräuleinstifts Ehreshoven, das sich wegen des Baumes regelmäßig mit der Naturschutzbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises austauscht. Die Naturschutzbehörde begutachtet Bäume wie die Stieleiche in regelmäßigen Abständen.
Sturmereignis als mögliche Ursache
Über das Fräuleinstift Ehreshoven hat Sissy Fielstette, Pressesprecherin der Stadt Overath, die Information erhalten, dass auch 2024 ein größerer Schaden in Form eines Kronenabbruchs dokumentiert wurde. Als Ursache für ihren Umsturz wird von einer Kombination aus dem sehr hohen Alter der Eiche und einem Sturmereignis ausgegangen.
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Nach dem Abbruch der Krone wurde der Baum durch die untere Naturschutzbehörde vom Naturdenkmal zum geschützten Landschaftsbestandteil (Biotopbaum) umgewidmet. Das Fräuleinstift Ehreshoven als Eigentümer hat dieser Umwidmung zugestimmt. Somit würden die Überreste der Eiche ihrem natürlichen Zerfall überlassen, denn auch in diesem Zustand erfülle der Baum weiterhin wichtige ökologische Funktionen für den Wald.
Stolperrisiko durch Baumstamm
Durch den dicken, am Boden liegenden Stamm besteht deshalb, wie grundsätzlich im Wald, auch hier ein natürliches Stolperrisiko. Eine Neupflanzung sei an der Stelle der Stieleiche nicht vorgesehen, stattdessen soll die natürliche Sukzession zugelassen werden.
Nach dem Abbruch des Astes im Jahr 2020 erklärte Heimathistoriker Manfred Weber dieser Zeitung, weshalb solch alte Bäume wie die Stieleiche im Kreis so selten sind. Weil die bergischen Kleinbauern so arm waren, haben sie ihre Kleinwälder einst sehr intensiv bewirtschaftet. Die meisten Bäume im Bergischen Land hatten somit gar nicht die Chance auf ein hohes Alter. Anders als die dicke Eiche: Sie überlebte auch den Bau der Autobahn 4 Anfang der 1970er Jahre. Die Trasse der Bundesautobahn wurde laut Weber für sie eigens um ein paar Meter verlegt.

