Frühling bedeutet für viele: raus aus der Wohnung und rein in den Garten. Neue Blumen und Samen für Beet und Topf gab es in Rösrath.
Wilde Karde, Bärlauch, SaatgutViele bunte Pflänzchen wechselten beim Pflanzentausch in Rösrath ihr Zuhause

Vielfältig war die Auswahl bei der Pflanzentauschbörse.
Copyright: Alexandra Burger
Die Natur ist erwacht, der Frühling da. Bei Pflanzenliebhabern wird es Zeit, um etwas im Garten zu tun. Inspiration und Austausch lieferte die Pflanzentauschbörse am Heideportal Turmhof in Rösrath, die viele Besucher mit einem Spaziergang im strahlenden Sonnenschein verknüpften.
Stauden, Gemüsejungpflanzen, Samen. Zum Verzehren oder zum Anschauen, für Drinnen oder Draußen. Was die Besucher der Pflanzentauschbörse der Biologischen Station Rhein-Berg, Naturgarten e.V. und der Energie- und Klimakoordinierungsstelle Rheinisch-Bergischer Kreis genau erwartete, war eine Überraschung. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort war Sabine Czymmek aus Hoffnungsthal. „Wie? Die darf ich einfach mitnehmen? Ich habe doch gar nichts zum Tausch dabei“, reagierte sie erst ungläubig und freute sich dann riesig über die Bauernhortensie. Sie kam mit dem Fahrrad zufällig am Turmhof vorbei und fand unerwartet genau das, wonach sie gesucht hatte.
Manche Pflanzenliebhaber brachten kistenweise Saatgut mit
„Schon gestern in der Gärtnerei wollte ich eine Bauernhortensie kaufen, aber die waren alle schon weg. Ich habe im Garten bereits mehrere, aber möchte weitere auf der Terrasse in Kübeln pflanzen. Hortensien sind wunderbar, pflegeleicht, sie blühen so schön und lange mit ihren Doldenblüten und in verschiedenen Farben. Bei dieser tippe ich auf Blau“, sagte sie.
Zwischen Wilde Karde, Bärlauch, Tomatensaatgut, Nachtkerze und einem Kaktus gesellten sich Hibiskus und Mandarine. Manfred und Ursula Bundschuh aus Sand brachten jeweils mehrere Kisten davon mit.
Frauenmantel und Storchschnabel gab es zu ergattern
„Wir haben einen großen Garten. Seit Jahren bin ich dabei, hunderte Walderdbeeren und Maiglöckchen rauszuholen, um was Neues zu pflanzen“, so Manfred Bundschuh. Einige Besonderheiten in seinem Garten: „Da gibt es die Kompassblume, die nenne ich so, weil ich nicht genau weiß, wie sie heißt. Sie richtet ihre Blüten immer danach aus, wo die Sonne im Laufe des Tages gerade steht“, sagte er und erzählte genau so begeistert vom Schlafbaum, dem Kamelienbusch und der Araukarie, dem ältesten Baum der Welt. Und sogar Wein wächst in dem Sander Garten und damit ein Stück Heimat. „Mein Großvater hat ihn damals von Miltenberg nach Frankfurt gebracht, ich ihn nach Gladbach“, berichtete er begeistert.
„Wir haben auch einen Feigenbaum. Vor zwei Jahren hat der so viele Früchte abgeworfen, dass ich 80 Gläser Feigenmarmelade gekocht habe. Erst habe ich gesagt, das mache ich nie wieder“, erzählte seine Frau Ursula Bundschuh. Die habe sie dann überall verteilt und alle hätten sich ehrlich gefreut, fügte sie hinzu. Dann wanderten Frauenmantel sowie Storchschnabel in das Kistchen des Ehepaares.
Auch Waffeln und Salat wurden beim Tausch angeboten
Neben Naturgarten e.V. und einem Stand des ADFC war auch die Albert-Einstein-Schule vor Ort und versorgte die Gäste mit Waffeln. „Die Schule nimmt teil am Projekt ‚Schule der Zukunft‘ und baut einen geförderten Schulgarten. Mit dem Verkauf erwirtschaftet sie sich zusätzliches Geld dafür“, erklärte Stephanie Rausch, Klimaanpassungsmanagerin des Rheinisch-Bergischen Kreises.
Bergische Saaten gab es bei Silvia Fröhning und Dr. Barbara Steinrück vom Ernährungsrat Bergisches Land. Grünkohl-, Buschbohnen- oder Stangenbohnensamentütchen und Pflücksalat wechselten hier den Besitzer. „Den Salat habe ich in fünfter Generation, ich habe ihn auch überwintert“, sagte Steinrück, um einem noch kritischen Besucher Mut zu machen, dem Salat doch eine Chance zu geben und sich damit auseinanderzusetzen.
Vor Ort konnten Besucher Gedanken über Nachhaltigkeit festhalten
„Wir sind uns sicher, dass wir immer was zum Essen bekommen, es geschieht beiläufig. Wenn ich mir aber fürs Essen Zeit nehme, tu ich auch was für mich, investiere in mich selbst“, betonten beide. Ihr Ziel: Menschen dazu zu motivieren, sich mehr damit zu befassen, woher und wie das Essen überhaupt auf den Tisch kommt. Ihre Tipps für Groß und Klein: „Im Hofladen und möglichst unverarbeitete Lebensmittel einkaufen, bewusst Schilder lesen, wo es herkommt und das saisonale Angebot wahrnehmen.“
Vor Ort konnten die Besucher auch selbst feststellen, was sie bereits für Nachhaltigkeit tun und ihre Gedanken auf einem Banner bei Bundesfreiwilligendienstlerin Nele und Marie, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Biologischen Station Rhein-Berg absolvieren, verewigen.

