Polizei und Zoll hatten Drogenlabor im Juni 2025 im Kerpener Stadtteil Manheim-alt ausgehoben – Prozess am Landgericht hat begonnen
Drogenlabor KerpenAngeklagte sollen Rauschgift im großen Stil produziert haben

Im Juni hoben Polizei und Zoll das illegale Drogenlabor in Kerpen-Manheim-alt aus.
Copyright: Zollfahndungsamt Essen/dpa
Im Juni 2025 hat die Polizei ein Drogenlabor in Kerpen ausgehoben. Am Kölner Landgericht hat nun der Prozess gegen vier Angeklagte begonnen. Es war ein bedeutender Schlag gegen die grenzüberschreitende europäische Drogenkriminalität, als die Ermittler auf einem ehemaligen Bauernhof im Kerpener Stadtteil Manheim-alt ein stattliches Labor zur Herstellung von Amphetamin hochnahmen. Und die Ermittler staunten nicht schlecht, als sie in einer Halle einen Reaktor zur Produktion des Rauschgifts mit einem Volumen von 2355 Litern vorfanden.
Von Ende November 2024 an sollen damit insgesamt rund 1,8 Tonnen Amphetaminbase produziert und weiterveräußert worden sein, während die Fahnder vor Ort einen Restbestand von knapp 39 Kilogramm sicherstellen konnten. Neben dem Rauschgift und der Produktionsstätte konnten die Beamten auch noch ein stattliches Waffenarsenal mit einer Maschinenpistole, einem Gewehr Kaliber 22 mit Zielfernrohr, einer Kriegswaffe, einer Schrotflinte sowie zwei Handfeuerwaffen sicher.
Vier Männer sind angeklagt
Seit Donnerstag stehen nun der mutmaßliche Drahtzieher und Betreiber (45) der Drogenproduktionsstätte, sein Vermieter (47) sowie zwei weitere mutmaßliche Mittäter (33 und 34) vor dem Kölner Landgericht.
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Den schwersten Tatvorwurf trifft den 45-jährigen Niederländer, dem die Staatsanwaltschaft bewaffnete Herstellung von und Handel mit Betäubungsmitteln zur Last legt. Die Mindeststrafe liegt, sollte sich der Vorwurf bestätigen, bei fünf Jahren Haft, die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft. Waffen und Munition Er soll ab Ende November 2024 gemeinsam mit dem 33-jährigen Polen „eine professionelle Anlage zur Produktion von Amphetamin“ aufgebaut und „in großen Mengen fortlaufend Amphetaminbase“ hergestellt haben. Die so gewonnene Amphetaminbase sei anschließend gewinnbringend an Unbekannte verkauft worden. „Zu diesem Zweck bezogen sie aus dem Nachbarland Polen in großen Mengen Ausgangsstoffe zur Herstellung dieser synthetischen Drogen.“
Zwölf Lieferungen mit Grundstoffen wie Phosphor, Ameisensäure und Apaan aus Polen
Laut Anklage sollen seit Aufnahme der Ermittlungen gegen das Drogenlabor im April 2025 mindestens zwölf Lieferungen mit Grundstoffen wie Phosphor, Ameisensäure und Apaan aus Polen angeliefert worden sein. Der Niederländer habe zudem „in den von ihm genutzten Schlaf- und Wohnräumen über diverse funktionstüchtige und geladene Waffen samt Munition“ verfügt. Weiter hieß es: „Die neben dem Bett aufgefundenen Waffen verfügten allesamt über ein geladenes Magazin.“
Der 47-jährige Vermieter soll sowohl von der Drogenproduktion gewusst haben, als auch immer mal wieder geholfen haben. So habe er unter anderem bei der Beseitigung von Chemieabfällen geholfen. Allein am 28. Mai 2025 seien bei einer „mehrstündigen Aufräumaktion“ von dem 47-Jährigen, dem 34-Jährigen sowie weiteren Beteiligten 215 Kilogramm Chemikalienkanister auf einer Deponie entsorgt worden, „was einem geschätzten Gesamtvolumen von mindestens 18.000 Litern Chemikalien entspricht“, sagte die Staatsanwältin.
Monatlich soll er eine Miete von 3000 Euro von dem Niederländer erhalten haben. Der Niederländer räumte über Verteidiger Philipp Thiée die Vorwürfe ein. Die Waffen hätten aber nichts mit der Drogenproduktion zu tun gehabt. Er sei Waffensammler, entstamme einer niederländischen Militärfamilie und habe damit in einem nahe dem Gehöft gelegenen Wald jagen wollen. Der 47-Jährige bestritt über Verteidiger Jan Victor Khatib die Vorwürfe. Er habe nichts von einer Drogenproduktion gewusst. Der Niederländer habe ihm vielmehr erklärt, er stelle E-Liquids für Elektrozigaretten her. Die beiden anderen Angeklagten machten zunächst keine Angaben. Der Prozess umfasst insgesamt 13 Verhandlungstagen und soll voraussichtlich Mitte April enden.

