Vor beliebten Ausfahrt trafen sich Besitzer alter Schmuckstücke auf dem Marktplatz, wo die Wagen für glänzende Augen sorgten.
Tour de FlönzOldtimerfreunde präsentieren in Pulheim ihre noblen Karossen

Feuerrot und viel Chrom – so zeigt sich der Jaguar von 1957, den der Pulheimer Leo Piller schon 1982 selbst restaurierte.
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Zur 13. Tour de Flönz begrüßte Renate Dopheide von den Oldtimerfreunden der KG Ahl Häre 66 Halter von Young- und Oldtimern zur Fahrerbesprechung auf dem Marktplatz. Unter ihnen die geschwungenen Citroën, die sich als Gangsterfahrzeuge in einschlägigen Filmen wiederfinden, und Alltagsfahrzeuge aus der Mitte des letzten Jahrhunderts wie Opel Rekord Olympia oder ein Ford Taunus „Badewanne“.
Moderner zeigten sich die graue Charleston-Ente von Giovanni aus den 1980er-Jahren, daneben amerikanische Prestigefahrzeuge wie die Corvette Sting Ray des Kerpener Oldtimerfreundes Eric oder der Porsche 911 von 1996 von Christoph Hansen, der erstmals zur Tour gekommen war. Eine wunderschöne Strecke auf rund 100 Kilometern mit Zielprüfungen und Aufgaben auf dem Glessener Markt und der Wiedenfelder Höhe, leckere Reibekuchen und Preise in Form der „Sieger-Flönz“ versprach Renate Dopheide den Teilnehmern.
Pulheim: Seltener Anhänger
Bernd Bröhl aus Stommeln führte die Fahrt mit dem ältesten Auto der Tour an, seinem Ford Model A, Typ „Luxus Sedan“, gebaut im August 1931 in der Halle A der Kölner Fordwerke. Genau in dieser Halle habe er zum Ende seiner 39-jährigen Laufbahn beim Autobauer gearbeitet, erzählte Bernd Bröhl, deshalb habe er auch ausgerechnet dieses Auto sein Eigen nennen müssen.
Mit einem selten gesehenen Anhänger, einer hölzernen „Gepäckbrücke mit Hilfsrad“, machte sich das Ehepaar Bröhl auf den Weg. Die kuriose Kiste beherbergt unter anderem den vorschriftsmäßigen Verbandkasten in einer ledernen Arzttasche, wie sich beim Sicherheitscheck mit Prüferin Antje Kress herausstellte. 4,6 Millionen Autos dieses Typs seien in den USA produziert worden, in Köln lediglich nur 1886, immerhin über 400 des Viertürers seien erhalten geblieben, weiß der Mitbegründer der Interessengemeinschaft Model A IG.
Auf dem Mobiltelefon zeigte Bröhl sein aktuelles Projekt, die Restaurierung eines Speedster-Rennwagens aus dem Jahr 1928. Als „Auto in Maßanfertigung“ stellte er es vor, das er hoffentlich zur Tour de Flöns im nächsten Jahr zeigen können. Bei aller generellen Liebe zur Erhaltung des Originalzustands, er habe doch die Sitzbank seines Luxus Sedans nach hinten versetzen und neu verschrauben müssen, damit er mit fast zwei Metern Größe hinter das Lenkrad passe: „Früher waren die Leute einfach kleiner.“
Von Gesprächen mit Puristen der Oldtimerszene erzählte Leo Piller, da seien schon der Ventildeckel und Vergaser seines Jaguars XK 140 aus dem Jahr 1957 als „Kulturschande“ bekrittelt worden, die er habe verchromen lassen. Wenn er die Motorraumhaube öffne, gefalle ihm eben das Zusammenspiel der verchromten Teile mit ebenfalls verchromten Oberflächen des Kühlers und den runden Scheinwerferfassungen, sagte der Karosseriebaumeister und Lackierer aus Pulheim.

Einen ausfahrbaren Bordcomputer hat Leo Piller ins Instrumentenpaneel aus japanischer Kirsche im Jaguar von 1957 eingebaut.
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Als Gralshüter der Automobilgeschichte sieht er sich nicht: „Ich habe das Auto vor allem, damit es mir Spaß macht.“ 1982 habe er den einstigen, runtergekommenen Rennwagen, der in Le Mans dank seiner erstmals verbauten Scheibenbremsen drei Siege eingefahren haben soll, in drei Jahren Arbeit komplett neu aufgebaut. Heute zeigen sich die runden Formen des 220 Stundenkilometer schnellen Flitzers in Fiesta-Rot.
Den Motor habe er von einem Spezialisten überholen lassen, im Armaturenbrett aus japanischer Kirsche sogar einen Bordcomputer eingelassen, der sich mittels Knopfdruck versenken lasse. Das Auto mit seiner heute verzinkten Karosserie und überholtem Motor fahre er beinahe täglich, selbst bei schlechtem Wetter. Für die passenden Kennzeichen mit seinem Vornamen LEO hatte er sich damals eigens für einen Tag in der Stadt Leonberg angemeldet.

