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Politik ist gefordertPulheimer fordern Böllerverbot – Silvester „außer Kontrolle“

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Das private Zünden von Silvesterfeuerwerk hat zunehmend Gegner, aber nach wie vor auch viele Anhänger.

Das private Zünden von Silvesterfeuerwerk hat zunehmend Gegner, aber nach wie vor auch viele Anhänger.

Die Ratspolitiker in Pulheim müssen über 19 Bürgeranträge entscheiden. Die Stadtverwaltung vertritt eine klare Position zu einem Verbot.

Die Verantwortlichen im Rathaus sprechen sich gegen ein Verbot privater Feuerwerke aus. Glücklicherweise sei es in der Vergangenheit in Pulheim nur vereinzelt zu Personenschäden durch Silvesterfeuerwerk gekommen.   Brandgefahren an Gebäuden seien über die gesetzlich verankerten Regelungen hinaus in Pulheim nicht bekannt. Die ländliche Lage der Pulheimer Ortsteile vermindere erfahrungsgemäß das Risiko, dass sich Feuer ausbreite. Dies geht aus einer Stellungnahme der Stadtverwaltung hervor, die am 10. März in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses beraten werden soll.

19 Bürgerinnen und Bürger haben sich mit der Deutschen Umwelthilfe in separaten Anträgen für ein Feuerwerksverbot ausgesprochen. Eine Vielzahl der Schreiben ist ähnlich aufgebaut und bedient sich zum Teil wortgleich derselben Argumente – was dadurch zu erklären sein dürfte, dass sich die Antragsteller vorgefertigter Anschreiben bedient haben. Darin heißt es unter anderem, dass die Silvesternacht in den Städten jedes Jahr „aufs Neue außer Kontrolle“ gerate. Notaufnahmen seien überfüllt mit Menschen, die schwere Verbrennungen, Hörschäden oder Augenverletzungen erlitten hätten.

Die Auswirkungen der Silvesterknallerei sind kommunal zu spüren
Dr. Winfried Kösters

Und weiter: Einsatzkräfte würden behindert oder sogar angegriffen, „während dichter Rauch, Explosionen und Brände die Straßen in Chaos versetzen“. Vielerorts breche die öffentliche Ordnung zusammen. Die Antragsteller verweisen auch auf die erhöhte Brandgefahr durch Feuerwerke. Besonders gefährdet seien Häuser mit Reetdach, mit einem hohen Holzanteil, Tankstellen sowie Gebäude und Anlagen, in denen leicht entzündliche Materialien gelagert werden. Daher sollten Feuerwerksverbotszonen eingerichtet werden, damit die Stadt Pulheim ihrer Schutzpflicht nachkomme.

In den Schreiben wird darauf hingewiesen, dass Kommunen, die dagegen verstoßen würden, haftungs- und strafrechtliche Konsequenzen drohten, „falls infolge unterlassener Maßnahmen Schäden entstehen“. Die Verwaltung betont jedoch, es reiche aus,   die Sicherheitslage jedes Jahr aufs Neue gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr zu analysieren, um bei Bedarf künftig reagieren zu können.

Dr. Winfried Kösters fordert ein Feuerwerksverbot.

Dr. Winfried Kösters fordert ein Feuerwerksverbot.

Vor Wochen hatte Dr. Winfried Kösters, der Ortsbürgermeister von Bergheim-Ahe, in einem Brief an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ebenfalls ein Verbot des Verkaufs und Abschusses von Feuerwerkskörpern gefordert. „Es gehört nicht zu den kommunalpolitischen Kompetenzen, ein Verbot von Feuerwerkskörpern zu erwirken, aber die Auswirkungen der Silvesterknallerei sind nur kommunal zu spüren“, begründete er den Schritt.

In früheren Jahren hat Ahe zum Jahreswechsel schlechte Schlagzeilen gemacht und rückte in den Fokus der Einsatzkräfte. In der Silvesternacht 2023 war wegen eines Feuerwerkskörpers eine Wohnung in Brand geraten. Polizei und Feuerwehrleute waren während ihres Einsatzes im Wohnpark mit Böllern beworfen worden. Silvester 2024 wurde ein Abfallcontainer in Brand gesetzt und so hingestellt, dass die Zufahrt in ein bestimmtes Wohngebiet blockiert war. Erneut waren Rettungskräfte mit Feuerwerk beschossen worden.

Kritik am abendlichen Feuerwerk im Brühler Phantasialand

Auch im Süden des Rhein-Erft-Kreises gab es zuletzt Diskussionen um Feuerwerk. So hatte das „Klimabündnis Brühl“ ein abendliches Feuerwerk im Phantasialand kritisiert. Was für Besucherinnen und Besucher eine Attraktion sei, belaste die Nachbarschaft. Neben der Lärmentwicklung breiteten sich dichte Schwaden von Feinstaub aus, die unter anderem Metallsalze und Schwermetalle enthielten und weiträumig in die Umgebung getragen würden.

Zudem erlebten Tierhalterinnen und Tierhalter täglich die ausgeprägten Stressreaktionen ihrer Haustiere. Auch die Wildtiere des angrenzenden Villewalds seien den wiederkehrenden Störungen allabendlich ausgesetzt. Zwischen dem 15. November und dem 25. Januar hatte der Vergnügungspark täglich während der Veranstaltung „Wintertraum“ ein Feuerwerk abgebrannt.

Mehr als drei Millionen Unterschriften für ein Böllerverbot

Und zu Jahresbeginn haben mehr als eine Million Menschen in einer Unterschriftenliste ein Verbot privater Feuerwerke gefordert. Das von der Deutschen Umwelthilfe initiierte Bündnis #Böllerciao hatte die Liste dem Bundesinnenministerium übergeben.

Zu den Initiatoren gehören unter anderem auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Bundesärztekammer, der Deutsche Tierschutzbund, PETA Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk. Eine weitere Petition der GdP Berlin für ein Böllerverbot wurde sogar von mehr als drei Millionen Menschen unterstützt.