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Landgericht Köln72-Jährigen in Pulheim mit Nagelschere und Nagelfeile bedroht

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Das Bild zeigt den Schriftzug Landgericht am Gerichtsgebäude.

Vor dem Landgericht Köln muss sich ein 45-jähriger Algerier wegen besonders schweren Raubes verantworten.

Opfer nahm Entschuldigung des Angeklagten an.

Wegen eines besonders schweren Raubes muss sich ein 45-jähriger Algerier vor dem Landgericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft kommt auch eine Anklage wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung in Betracht, da der Mann bei dem Überfall mit einer Nagelschere und einer Nagelfeile drohte.

Der Vorfall ereignete sich am 1. November 2025 um 12 Uhr mittags in Geyen, als ein Hundebesitzer seinen Vierbeiner ausführte. Am Ortsausgang Richtung Pulheim bemerkte er einen Mann, der einen E-Scooter schob, dabei fluchte und augenscheinlich unsicher auf den Beinen war, als er die Manstedtener Straße überquerte. Der Unbekannte sei direkt auf ihn zukommen.

Als der Hundebesitzer Hilfe angeboten habe, soll ihn der Mann böse angeschaut und auf Französisch 20 Euro gefordert haben. „Ich versuchte, ihm klarzumachen, dass ich kein Geld dabeihabe, woraufhin er in meine Jackentaschen griff und mir die Schultertasche wegreißen wollte. Dann holte er eine Schere aus seiner Reisetasche und machte Stichbewegungen in Richtung meines Gesichts“, schilderte der Geschädigte den Vorfall von Allerheiligen.

72-Jähriger nahm Täter die Schere ab

Irgendwie sei es dem am Tattag 72-Jährigen gelungen, dem Angreifer die Schere wegzunehmen und hinter sich in ein Feld zu werfen. Doch der Angreifer zog „etwas langes silberfarbenes Spitzes“ aus der Tasche, so der Geschädigte. „Ich rief um Hilfe“. Der Angreifer habe dann das Smartphone des damals 72-Jährigen an sich genommen. Um den Angreifer hinzuhalten, habe er dann vorgeschlagen, bei einem Bekannten um Geld zu bitten.

Ein Radfahrer bemerkte den Vorfall, blieb aber auf Abstand und rief die Polizei. Inzwischen hatte auch ein Autofahrer die Situation bemerkt und angehalten. Der Fahrer – dem Zeugen nach muskulös – schaffte es, den Angreifer zu fixieren und ihm das Handy abzunehmen. Dennoch schaffte es der Algerier, sich loszureißen.

Geistesgegenwärtig filmte der Autofahrer ihn. Vor Gericht zeigte sich der Algerier zwar geständig, will sich an Einzelheiten der Tat aber nicht erinnern. „Ich habe den Eindruck, er verdrängt manches“, sagte Verteidiger Gundo Golla. Seit einigen Jahren lebte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Barcelona.

Nach eigenen Angaben sei er für Baustellen-Jobs und Drogen im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Auf dem Weg zurück nach Spanien, wo seine Frau gestorben sein soll, sei er in Pulheim gestrandet. Nur drei Tage vor der Tat war der Suchtkranke schon in Düsseldorf zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nachdem der Geschädigte von der schwierigen Lebensgeschichte des Angeklagten erfahren hatte, nahm er dessen Entschuldigung an und wünschte ihm eine bessere Zukunft. Der Prozess wird fortgesetzt.