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GeisterzugErich Hermans aus Wesseling rief das gruselige Treiben in Köln 1991 ins Leben

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Ein Mann mit langen weißen Haaren und einem langen weißen Bart zeigt auf ein Mottobild des Geisterzugs.

Zu Hause hat Erich Hermans einige der Mottobilder hängen, die er für den Geisterzug selber entworfen und gemalt hatte.

Es war seine Idee, die 1991 mit Leben erfüllt wurde, als der Geisterzug erstmals durch Köln ging. Damals lebte Hermans in Köln.

Ein bisschen stolz ist Erich Hermans (70) schon, wenn er auf die vergangenen dreieinhalb Jahrzehnte zurückblickt. Viele Erinnerungsstücke – sogar selbst entwickelte und gemalte Mottobilder aus der Geschichte des Kölner „Jeisterzochs“ – hängen in seinem Haus in Wesseling. Und im Keller sind in den Schränken sogar noch etliche Kostüme aufbewahrt, die Hermans in den vergangenen 35 Jahren selber geschaffen und beim Kölner Geisterzug getragen hat.

Denn der 70-Jährige ist sozusagen der Vater der Geisterzüge. Es war seine Idee, die 1991 mit Leben erfüllt wurde, als der Geisterzug erstmals durch Köln ging. Damals lebte Hermans in Köln, war dort aktiv im Kölner Friedensplenum und bei den Grünen. Wegen des Irakkriegs wurde der Straßenkarneval abgesagt. „Im Friedensplenum habe ich dann angeregt, eine Friedensdemonstration am Rosenmontag zu organisieren.“

Wesseling/Köln: 100.000 Menschen feierten

Er schlug auch vor, dass dieser Zug genau die Strecke des Rosenmontagszugs gehen sollte. Das kam an. An Weiberfastnacht erzählten die Friedensdemonstranten auch den Medienvertretern, die zum Alter Markt gekommen waren, von der bevorstehenden Demo. Denn trotz des Irakkriegs feierten viele Besucher und Bands dort Karneval. Die Musikgruppen spielten allerdings ohne Verstärker und Lautsprecher. 

„Und tags darauf berichteten alle großen Kölner Zeitungen auch über die bevorstehende Friedensdemo am Rosenmontag.“ Auch er war total überwältigt, als er später erfuhr, dass es sicherlich 100.000 Menschen waren, die an Rosenmontag 1991 hinter ihm und dem Organisationsteam durch die Straßen der Stadt Köln gezogen waren. Auch offizielle Karnevalisten waren unterwegs.

Der Vater des Geisterzugs trägt ein Erbsenbär-Kostüm.

Öfter ist Erich Hermans auch als Ähzebär im Geisterzug unterwegs gewesen – und immer war er ganz vor an der Spitze dabei.

Sie hatten angekündigt, dass sie die Straßen der Stadt doch nicht den Chaoten überlassen könnten. „Zunächst gingen die Karnevalisten andere Wege“, erklärt Hermans. Am Rathaus seien dann mehrere Gruppen aufeinandergetroffen. „Und dort hat mich der Weltenbummler – Gerd Rück – untergehakt und gesagt: Wir müssen zusammenhalten.“ „Den Rest des Demonstrationszugs sind wir dann bei leichtem Schnellfall zusammen gegangen.“

Noch ahnte er nicht, dass diese Friedensdemo zum Vorläufer seiner Geisterzüge werden sollte – die auch noch 35 Jahre später die Menschen in ihren Bann ziehen. Witterungsabhängig sind immer mal mehr und mal weniger Menschen unterwegs. „Unser Motto ist auch fast immer politisch“, berichtet Hermans. Auch dies steht natürlich in direktem Zusammenhang mit Hermans Steckenpferden: der Politik, der Kölner Geschichte und ganz besonders der Geschichte des Karnevals.

Es geht ja darum, die Wintergeister zu vertreiben
Erich Hermans, Vater des Kölner Geisterzugs

Als junger Mann hatte sich Hermans schon darüber geärgert, dass der Karneval so unpolitisch war. Das brachte ihn auf die Idee, die Tradition der Geisterzüge aus dem 19. Jahrhundert wieder aufleben zu lassen. Traditionell finden diese Züge in der Dunkelheit statt. „Es geht ja darum, die Wintergeister zu vertreiben“, so Hermans. Das gehe nur im Dunkeln. „Die Wintergeister schlafen ja tagsüber.“

Nach einigen Jahren, als Hermans schon in Wesseling wohnte, hat das Orgateam den Verein „Ähzebär und Ko“ gegründet – vorwiegend zur Organisation des Geisterzugs. 1998 ist wurde Hermans Vorsitzender. Seit dem ersten Zug ist er immer ganz vorne mit dabei, geht mal als „Frost“ im Kostüm eines Schneemanns, mal als Teufel, als Friedensengel oder als Ähzebär (Erbsenbär) im Zug mit.

„Der Ähzebär ist die älteste Karnevalsmaske, die es in Köln gibt“, erklärt er. Es sei ein mit Erbsenlaub verziertes Bärenkostüm. Der Überlieferung zufolge habe man damals gedacht: „Wenn man die Erbsen aus der Schote und die Bären aus der Höhle treibt, dann kann der Frühling kommen.“ Statt Erbsenstroh habe er das Kostüm in der Vergangenheit öfter auch mit Knöterich-Gestrüpp, in diesem Jahr sogar mit wildem Wein-Geäst umwickelt.

Lange zogen die Geister am Karnevalssamstag durch die Kölner Straßen. 2018 haben die Organisatoren den Geisterzug um eine Woche vorverlegt. „Seitdem sind wir auch wieder ganz offiziell als Demonstration unterwegs“, berichtet Hermans. Der heute 70-Jährige ist auch in Wesseling kein Unbekannter: Er war Mitgründer der Wählervereinigung Wir, für die er 16 Jahre im Stadtrat saß. 


Historische Bezüge

„Agrippina zu Ehren“ lautete das Übermotto des Geisterzugs von 2010 bis 2017. „Wir hätten uns 2016 eine große 2000-Jahr-Feier in Köln für die Kaiserin gewünscht“, erklärt Hermans. Doch außer dem Geisterzug-Orgateam habe sich kein Mensch in Köln dafür interessiert. „Dabei war Agrippina die einzige römische Kaiserin, und sie ist 16 nach Christus sogar in Köln geboren.“ 2017 erinnerte der Geiisterzug an das Jahr 17 nach Christus, als die komplette römische Flotte nach Köln verlegt wurde. (mkl)