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Staatsanwaltschaft prüftEx-FC-Spielern droht Verurteilung wegen Mordes

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Die beiden Angeklagten sitzen im Landgericht neben ihren Anwälten. Die jungen Männer sollen sich Ende 2023 auf der A555 ein Rennen geliefert haben.

Die beiden Angeklagten sitzen im Landgericht neben ihren Anwälten. Die jungen Männer sollen sich Ende 2023 auf der A555 ein Rennen geliefert haben.

Die beiden heute 22-Jährigen sollen sich auf der A555 bei Wesseling ein Autorennen geliefert haben. Zwei Frauen starben. Sie bestreiten, sich dazu verabredet zu haben.

Großes Medieninteresse verursachte der Prozess gegen zwei ehemalige Nachwuchsspieler des 1. FC Köln, der am Freitag (20. Februar) vor dem Landgericht Köln begonnen hat. Den heute 22-jährigen Leistungssportlern wird vorgeworfen, sich am 1. Dezember 2023 gegen 22.50 Uhr auf der A555 bei Wesseling ein illegales Autorennen geliefert zu haben, bei dem eine Mutter (49) und ihre Tochter (23) ums Leben kamen.

Die Anklage lautet auf verbotenes Kraftfahrzeugrennen im Straßenverkehr mit Todesfolge. Abhängig von Erkenntnissen im Verhandlungsverlauf erwägt die Staatsanwaltschaft, einen Mordvorwurf zu erheben. Dafür muss den Männern aber nachgewiesen werden, dass sie sich auf der Heimfahrt von einem Fußballspiel zu einem Autorennen verabredeten und für den Spaß aus ihrer Sicht gegenseitige Kollisionsgefahr mit Verletzungen und sogar dem Tod von Menschen billigend in Kauf nahmen.

Einer der Angeklagten stellte das Geschehen lapidar als Unfall dar

Beide Ex-FC-Spieler erklärten sich am ersten von insgesamt neun Verhandlungstagen bereit auszusagen. Der Mitte Juli 2003 geborene Angeklagte hörte weinend zu, als Verteidiger Wolfgang Schenk auf seinen Wunsch eine Erklärung verlas. „Ich bin froh, dass ich mich jetzt für das entsetzliche Geschehen verantworten muss“, ließ der Wesselinger übermitteln. An den äußerlich gefasst wirkenden Vater der getöteten Studentin auf der Nebenklagebank und weitere Angehörige im Zuschauerraum adressierte er eine Entschuldigung für das „schwere Leid“, das er ihnen zufügte, indem er sich zu einem Autorennen „verleiten“ ließ.

Der Ende August 2003 geborene Angeklagte trug seine Einlassungen sachlich vor. Dass er beim Überholen des Kleinwagens, in dem die Frauen von einem Konzert in Köln nach Bonn zurückfuhren, mit hoher Geschwindigkeit von hinten auffuhr, stellte er lapidar als Unfall dar. Durch die Wucht des Aufpralls explodierte der VW Polo, Mutter und Tochter hatten keine Chance. Sie starben noch am Unfallort.

Zwei Menschen sind im Dezember 2023 bei dem Unfall gestorben.

Zwei Menschen sind im Dezember 2023 bei dem Unfall gestorben.

Der 1. FC Köln entließ beide Nachwuchsspieler infolge der Geschehnisse auf der A555 aus den Verträgen. Zwischen 2000 und 5000 Euro im Monat bringt eine solche Verpflichtung ein. Der in Troisdorf und Bornheim aufgewachsene etwas ältere Spieler hatte sich von dem Geld, über das er plötzlich verfügte, einen hochmotorisierten Mercedes angeschafft, der etwas Jüngere einen Audi. Beide räumten vor Gericht ein, dass sie hochmotorisierte Autos lieben und gerne Fahrten mit Geschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern in ihrer Snapchat-Gruppe teilen. Sie versicherten aber, nur bei freier Strecke kräftig aufs Gaspedal zu drücken.

Während der Wesselinger schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Mitspieler erhob, hielt der etwas Jüngere den Ball flach. Sechs Videos von Tempofahrten liegen dem Gericht vor. 16 Sekunden ist die Aufnahme vom Tattag lang, die der Beifahrer im Audi filmte, bis der Airbag aufging. Der Mercedes-Pilot will von dem Crash so erschrocken gewesen sein, dass er im Schockzustand bis zum Parkplatz bei Bornheim weiterfuhr. Dort soll er zuerst den Beifahrer in dem Audi angerufen und anschließend die Rettungskräfte verständigt haben.

Ich habe einfach immer nur reagiert
Einer der beiden Angeklagten

Die Audi-Insassen wollen nach der Kollision einen Brandgeruch wahrgenommen und sich deshalb zunächst im Grünstreifen rechts der Fahrspur in Sicherheit gebracht haben. Als sie bemerkten, so berichtete es der Fahrer, dass nicht ihr Auto, sondern der Kleinwagen in Flammen stand, seien sie umgekehrt, um zu helfen, erkannten aber, dass jede Hilfe zu spät kam. Wenig später sollen die Rettungskräfte eingetroffen sein.

Akribisch hakte der Vorsitzende Richter der 26. Großen Strafkammer nach, was sich kurz vor dem Unfall bereits an der Baustelle Godorf abgespielt hatte. „Ich habe einfach immer nur reagiert“, beteuerte der Mercedes-Fahrer, der von rasanten Spurwechseln und Überholmanövern des früheren Freundes erzählte, die ihn angeblich bis zum Standstreifen abdrängten. Die Äußerung „Der Polo sollte als Pylone benutzt werden“ bei einer früheren Befragung widerrief er allerdings bei Gericht.

Davor haben wir noch nie über ein Rennen geredet
Ein Beifahrer

Der Beifahrer, der auch das Video aufgenommen hatte, sagte als Zeuge aus, man sei „rücksichtslos“ gefahren. „Auf der A555 haben wir auch von rechts überholt.“ Auf die Frage, ob es um ein Autorennen gegangen sei, sagte er: „Davor haben wir noch nie über ein Rennen geredet.“ Sie hätten nur später nach dem Unfall in den Nachrichten gelesen, dass es ein Rennen gewesen sein sollte.

Der Beifahrer in dem anderen Wagen, der ebenfalls als Zeuge geladen war, sagte, unmittelbar nach der Kollision mit dem Kleinwagen habe der Fahrer in den Rückspiegel geschaut und gesagt: „Das Auto brennt.“ „Dann habe ich mich umgeguckt und einen großen Feuerball gesehen.“ Der Prozess wird fortgesetzt. (mit dpa)