Der städtische Energieversorger Bad Honnef AG hat Bäume ohne Genehmigung gefällt. Das Unternehmen spricht von einem Missverständnis.
PhotovoltaikanlageStädtische Bad Honnef AG startete Rodungsarbeiten ohne Genehmigung

Auf dieser Fläche will die städtische Bad Honnef AG eine Freiflächen-Photovoltaikanlage errichten. Die Rodungsarbeiten musste der kommunale Energieversorger aber erst einmal stoppen.
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Der städtische Energieversorger Bad Honnef AG (BHAG) hat auf Intervention der Unteren Naturschutzbehörde Rodungsarbeiten auf einer großen Wiesenfläche im Lohfeld gestoppt. Der Grund: Dem Unternehmen fehlte die formale Genehmigung. Die Bad Honnef AG spricht in einer Stellungnahme von einem „Missverständnis“.
Der Energieversorger will auf dem lange von den Bogenschützen des 'TV Eiche genutzten Areal im Süden der Stadt eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage bauen. Das Gelände gehört dem städtischen Unternehmen. „Die Rodungsarbeiten wurden in der festen Überzeugung durchgeführt, dass alle notwendigen baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien“, teilte die BHAG auf Anfrage mit.
„Rodungsarbeiten wurden umgehend und ohne Verzögerung eingestellt“
Grundlage sei die schriftliche Kommunikation zwischen dem Rhein-Sieg-Kreis und dem für die Einholung der nötigen Genehmigungen beauftragten Planungsbüro gewesen. „Diese schriftliche Kommunikation ließ den Schluss zu, dass für die bauvorbereitende Rodung keine gesonderte Genehmigung mehr erforderlich sei.“
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Laut Kreisverwaltung war Anfang Februar ein Antrag für das Bauvorhaben bei der Unteren Naturschutzbehörden eingegangen. Zwar seien das nötige Artenschutzgutachten und der landschaftspflegerische Begleitplan eingereicht worden. Eine abschließende Prüfung der Angelegenheit sei aber voraussichtlich erst nach Vegetationsbeginn im Frühjahr möglich. Am 12. Februar hat der Versorger auf Intervention der Behörde die Arbeiten gestoppt, und zwar „umgehend und ohne Verzögerung“, so die BHAG.
In der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses kritisierten mehrere Mitglieder die Kommunikationspolitik der Bad Honnef AG gegenüber den Bürgern. Das Vorgehen sei „in der Außenwirkung verheerend“ gewesen, hieß es. Die Grünen forderten, solche Projekte „transparent, rechtssicher und mit frühzeitiger Bürgerbeteiligung“ umzusetzen. Klaus Wegner (Grüne) betonte, dass die Bad Honnef AG in der Vergangenheit beim gleichen Thema in Windhagen eine Bürgerversammlung veranstaltet habe.
Bernhard Rothe, Geschäftsbereichsleiter Städtebau, erklärte auf Anfragen von CDU und Grünen, die Stadt sei in der Sache „nur am Rande beteiligt“. Auf dem Gelände, auf dem die Solaranlage errichtet werden soll, befinden sich auch Trinkwasserbrunnen der BHAG, die zur kritischen Infrastruktur gehören.

Für ein Bauprojekt des Abwasserwerks mussten am unteren Ende der Giradetallee (nahe der B42) Bäume gefällt werden.
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„Durch die geplante Umzäunung des Grundstücks soll der Sicherheit dieser Brunnen verstärkt Rechnung getragen werden.“ Die Photovoltaikanlage („PV-Park“) sei zudem ein weiterer Baustein für mehr Versorgungssicherheit bei der Stromversorgung.
Die Freiflächenanlage soll aus 8031 Modulen bestehen und rund 4,6 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren. Abnehmer sollten das Wasserwerk und ein großer Gewerbebetrieb sein, bei Überschussstrom gebe es weitere Abnehmer im Umfeld der BHAG. Durch die Freiflächenanlage könnten rund 1670 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden.
Stadt Bad Honnef schafft Hartholz-Auenwald am Rheinufer
Unterdessen hat die Stadt Bad Honnef wie zuvor angekündigt, Bäume an der unteren Giradetallee und auf dem Grundstück Am Spitzenbach 23 nahe der Bundesstraße 42 gefällt. Diese Rodungsarbeiten bereiten den Bau eines „Abschlagbauwerks“ des Abwasserwerks vor, das in den nächsten zwei Jahren mit Abschlagskanälen und zwei Einleitungsstellen in den Rhein errichtet wird.
Im Zuge der Maßnahme, die auch den geplanten Bau einer neuen Fußgängerbrücke über die B42 tangiert, soll das seit Jahren leestehende und nicht mehr bewohnbare Haus Am Spitzenbach 23 abgerissen werden. Bäume müssten auch am Stadtgarten sowie jenseits der B42 am Rheinufer gefällt werden. Nach Abschluss der Bautätigkeiten gebe es Ersatz durch Neuanpflanzungen, so die Stadt Bad Honnef. Zudem wird als landschaftspflegerischer Ausgleich am Rheinufer ein Hartholz-Auenwald neu angelegt.


