In diesem Jahr soll eine Variante für den Neubau der Nordbrücke festgelegt werden. Weitere Sperrungen sollen vermieden werden.
Bis zu 20 Wohngebäude betroffenWas über die Planung der neuen Nordbrücke in Bonn bekannt ist

Die Nordbrücke in Bonn soll neugebaut werden. Anwohner wehren sich gegen eine Verbreiterung.
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Die Sperrung der Bonner Nordbrücke für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Gewicht sowie die weitere Planung zu deren Ersatzneubau beschäftigt die Politik im Rhein-Sieg-Kreis und der Region weiterhin erheblich.
In Anbetracht der Bedeutung der Verkehrsader für die Region verabschiedeten die Mitglieder in der jüngsten gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn entsprechende Anträge. Ziel ist es, dass sich Kreis und Bundesstadt verstärkt für eine beschleunigte Planung und Realisierung des Ersatzneubaus der Brücke einsetzen. Zugleich forderten sie eine konsequente Kontrolle und Durchsetzung des Lkw-Verbots, etwa durch den Einsatz von Schattenblitzern, um weiteren Schaden der Brücke und zusätzliche Sperrungen zu vermeiden.
Busverkehr zu linksrheinischen Schulen wird wegen Brückensperrung angepasst
Zuletzt hatte auch der Schulbusverkehr aus dem rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis zum Collegium Josephinum in Bonn sowie zur Ursulinenschule in Bornheim-Hersel im Verkehrsausschuss für Diskussionen gesorgt. Noch haben die oft als Schulbuslinien bezeichneten Busse (552 und 595) von der Autobahn GmbH eine Ausnahmegenehmigung, um über die Nordbrücke zu fahren. Diese Ausnahme wird aber mit dem neuen Schuljahr wegfallen. Dann müssen die Schulbusse innerstädtisch über die Kennedybrücke nach Bonn fahren.
Der Vorschlag, den Schulverkehr mit Kleinbussen durchzuführen, wurde aufgrund der finanziellen Belastung und der Menge an Schülerinnen und Schülern bereits in der Ausschusssitzung Anfang März als unverhältnismäßig abgelehnt. Jetzt werden die Buslinien im Zuge der Linienänderungen aufgrund der Sperrung der Nordbrücke aber angepasst.
Demnach werden die Schulfahrten ab dem 2. September 2026, wenn das neue Schuljahr beginnt, in die Buslinien 117, 550 und 551 integriert. „Auf allen drei Linien sind Fahrten zu Schulbeginn und Schulende vorgesehen“, heißt es in einer Ausschussvorlage.
Es ist das beste, was man in Anbetracht der Brückensperrung rausholen konnte.
Die Schulfahrten sollen morgens auf den regulären Strecken der Schnellbuslinien 117 ab Lülsdorf Kirche, 550 (neu) ab Spich Bahnhof und 551 ab Sieglar Schulzentrum/Schwabenweg bis zum Konrad-Adenauer-Platz in Bonn-Beuel verkehren. Von dort aus fahren die Busse ohne weiteren Halt weiter zum Josephinum beziehungsweise nach Hersel. Mittags ist vorgesehen, zunächst ohne Halt bis zum Bertha-von-Suttner-Platz zu fahren und anschließend auf den regulären Linienwegen weiterzuführen. „Auf diesem Fahrweg war bei mit der RSVG durchgeführten Zeitmessfahrten ein zügiger Betrieb möglich, da die Schulfahrten gegen die Hauptlastausrichtung des Autoverkehrs laufen“, heißt es in der Ausschussvorlage.
„Konkret bewegen sie (die Fahrtzeitverlängerungen, Anm. d. Red.) sich bezogen auf die jeweiligen zentralen Haltestellen in den Ortsteilen im Bereich bis maximal zehn Minuten, einige Relationen sind aufgrund der optimierten Linienwege sogar schneller möglich.“ Im Ausschuss rief das Konzept Zustimmung hervor. „Es ist das beste, was man in Anbetracht der Brückensperrung rausholen konnte“, sagte Michael Richter von den Sozialdemokraten.
Bis zu 20 Wohngebäude könnten von Brückenneubau betroffen sein
Für den grundsätzlichen Planungsstand der neuen Brücke solle „demnächst“ eine Vorzugsvariante für den Neubau festgelegt werden, erläuterte Friederike Schaffrath von der Autobahn GmbH im Ausschuss. Geplant sei, noch in diesem Jahr in die weitere Teilplanung einzusteigen, die werde dann bis 2027 dauern. Im Jahr darauf solle es in das Planfeststellungsverfahren gehen.
Aktuell kommen drei Varianten für den Neubau in Frage. Insgesamt soll die Brücke verbreitert werden, um Platz für sechs statt wie bisher vier vollständige Fahrspuren zu schaffen. So würde die Brücke von jetzt rund 30 Metern auf mehr als 60 Meter Breite anwachsen – und dafür müssten auch Wohnhäuser in direkter Umgebung abgerissen werden. Laut Schaffrath betrifft das je nach Variante sieben bis 20 Wohngebäude mit bis zu 90 Wohneinheiten. Die betroffenen Hauseigentümer würden über Updates informiert, so Schaffrath.
Initiative aus Bonn wehrt sich gegen Erweiterung der Nordbrücke
Den Fragen aus dem Ausschuss, ob die Brücke auch ohne eine Erweiterung neugebaut werden könne, erteilte Schaffrath eine klare Absage. Laut Bundesverkehrswegeplan müsse beim Neubau der „bedarfsgerechte Ausbauzustand“ hergestellt werden. Das funktioniere nicht ohne zusätzliche Fahrspuren.

Die nachbarschaftliche Initiative „Wir für 4“ positioniert sich gegen eine Verbreiterung der Bonner Nordbrücke.
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Gegen eine solche Verbreiterung wehren sich die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner weiterhin vehement. „Das Thema wird immer zugunsten des Verkehrs und der Politik breitgetreten“, sagt Erik Sarkissian, Mitglied der Initiative „Wir für 4“, die sich für einen Neubau mit vier Fahrspuren einsetzt. Er wohnt mit seiner Familie parallel zu einer Straße, die von einem Abriss betroffen wäre. „Wir fallen bei der Diskussion immer hinten runter als Betroffene, weil Stauregelung und Verkehr priorisiert werden. Aber es geht hier um Menschen, die ihr Zuhause verlieren.“
Es sei positiv, dass die Politikerinnen und Politiker im Ausschuss viele Fragen auch zu den direkt betroffenen Menschen in den Wohngebieten an der Nordbrücke gestellt hätten. Das zeige Interesse. Bei der Kommunikation der Autobahn hofften sie jedoch weiter auf Besserung. „Uns wurde versprochen, dass die flächenschonendste Möglichkeit priorisiert werde, das merkt man aber nicht wirklich“, betont Sarkissian.
Seiner Meinung nach sei es äußerst fragwürdig, heutzutage ein solches Projekt mitten durch ein Wohngebiet zu ziehen. „Und wenn wir nach alternativen Lösungen fragen, heißt es immer: ‚Wie stellt ihr euch das vor?‘ Aber es ist nicht unsere Aufgabe, Lösungen zu finden, das muss das Verkehrsministerium tun – auch im Sinne der Menschen, nicht nur des Verkehrs.“

