Der Pegel der Sieg stieg innerhalb von 24 Stunden um fast zwei Meter an, Bäche schwollen stark an. Die S-Bahn-Strecke war nur einspurig befahrbar.
HochwasserDer Pegel der Sieg stieg über Nacht um fast zwei Meter an

Die Sieg bei Hennef-Weldergoven führt reichlich Hochwasser, die Aue gleicht einem großen See.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Die großen Niederschlagsmengen des Wochenendes haben über Nacht die Bäche vor allem im östlichen Rhein-Sieg-Kreis anschwellen lassen. Über Nacht stieg zudem der Pegel der Sieg um fast zwei Meter und erreichte am Montagmittag den vorläufigen Höchststand von 3,51 Metern. Zahlreiche Uferwege waren bereits überflutet, der rasante Anstieg kam vielerorts überraschend.
Vor dem Tunnel in Eitorf-Merten rutschten Erde auf ein Gleis
Die größten Auswirkungen gab es dabei zwar im Siegtal, aber abseits des Flusses. Auf der Bahnstrecke zwischen dem Haltepunkt Eitorf-Merten und dem Bahnhof Eitorf war gut 100 Meter vor dem Tunnel, der durch den Sieghang unterhalb von Merten führt, ein Stück des Hangs ins Rutschen geraten. Etliche Kubikmeter Erde, Geröll und Pflanzen waren auf den Gleiskörper gestürzt und blockierten ein Gleis. In der Böschung war deutlich erkennbar, wie massiv der Erdrutsch war.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn entfernten Erde, Geröll und Pflanzen von der Strecke, deutlich ist der Hangrutsch zu erkennen.
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Der Zugverkehr musste seit der Nacht zu Montag neu organisiert werden. Verspätungen, Teil- und Komplettausfälle bei S 12 und S 19 sowie der Regionalbahn RE 9 waren die Folge. Der Streckenabschnitt, sonst an dieser Stelle zweispurig, ist nur einspurig passierbar. Die Züge reduzierten die Geschwindigkeit. Blockweise werden sie durchgeschleust, zur Entlastung des Fahrplans wurden Fahrten gestrichen.
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Kurz vor der Mittagszeit erreichte eine Arbeiterkolonne den Erdhaufen auf den Schienen. Die Kräfte begannen sofort, mit Hacken und Schaufeln den aufgeweichten Boden, der von der Böschung heruntergekommen war, abzutragen, Sträucher und Zweige herauszuziehen und Felsstücke zur Seite zu räumen. Vor Ort war nicht zu erfahren, ob aktuell weitere Hangsicherungsmaßnahmen geplant waren. Die Störung dauerte bis in die Abendstunden an.

Die Siegtalstrecke der Deutschen Bahn ist durch einen Hangrutsch eingleisig gesperrt. Die Sieg führt reichlich HOchwasser, kleine Bäche sind stark angeschwollen.
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Oberhalb im Hang strömte der Masbach durch sein betoniertes Bett. Offenbar hatte er in der Nacht Schlamm mitgeführt, der sich über den Weg verteilt hatte. In der Böschung über dem Tunnelmund war ebenfalls Geröll und aufgeweichte Erde abgerutscht, ohne jedoch die Bahnstrecke zu erreichen.
Die Freiwilligen Feuerwehren rückten aus zu überfluteten Straßen
Schon am Abend und in der Nacht hatte der starke Regen zu mehreren Feuerwehreinsätzen geführt. Die Einsatzkräfte in Windeck mussten gleich mehrfach eingreifen. Um 19.49 Uhr rückten sie nach Stromberg aus, die Fahrbahn der Landesstraße 333 war überflutet. Die Einsatzkräfte öffneten die Kanaleinläufe, so dass das Wasser wieder abfließen konnte. Um 20.12 Uhr folgte der nächste Einsatz. Ein Stück weiter die L333 hinauf in Richtung Windeck zeigte sich das gleiche Bild, auch hier konnten die Kanaleinläufe geöffnet werden, um die Störung zu beseitigen.

Die Siegtalstrecke der Deutschen Bahn ist durch einen Hangrutsch eingleisig gesperrt.
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Nahezu parallel wurde ein unter Wasser stehender Keller in Sangerhof gemeldet. Die nächste Welle folgte um 21.15 Uhr: Schotter auf der L312 zwischen Herchen und Gerressen, ein Keller unter Wasser und ein Baum auf der Straße in Opperzau.
Einen vergleichbaren Alarmablauf hatten die Feuerwehrleute in Eitorf. Sie mussten Keller in Halft und Kelters auspumpen, an der zweiten Adresse hatte das Wasser schon das Erdgeschoss erreicht. In Lützgenauel war ein Baum auf die Straße gestürzt. Wegen des stark steigenden Wassers mussten Einsatzkräfte noch in der Nacht kurz vor 1 Uhr Warnschilder in Höhe der Kelterser Brücke aufstellen. Hier wurden Rad- und Fußwege überflutet.

Die unteren Bereiche des Campingplatzes Happacher Hof mussten gesperrt werden.
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Die unteren Flächen des Campingplatzes Happacher Hof sind ebenfalls gesperrt, zahlreiche Wohnwagen und Wohnmobile sind auf höhere Flächen ausgewichen. Dort, wo bei schönem Wetter Kinder am Ufer der Sieg spielen, strömt der Fluss mit großer Geschwindigkeit vorbei und bricht sich an den Pfeilern der Eisenbahnbrücke.
Die Siegaue in Hennef war in weiten Teilen ein großer See
Die Siegaue der Hennefer Orte Weldergoven, Lauthausen und Müschmühle war am Morgen in weiten Teilen ein großer See. Das Flussbett der Sieg war gleichwohl deutlich zu erkennen, Gestrüpp und ganze Baumstämme zogen mit erheblicher Geschwindigkeit vorbei. Die direkt am Fluss liegenden Gärten waren in den unteren Abschnitten schon überflutet.

Städtische Mitarbeiter flatterten den Allner Weg ab, der in Teilen unter Wasser stand. Später wurde die Spundwand aufgebaut.
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Der Pegel war überraschend schnell gestiegen. Am Allner Weg kontrollierten städtische Mitarbeiter die Strecke und sperrten den Fußweg mit Flatterband ab. Die Überschwemmung teilten sie ihren Vorgesetzten mit, die kurzfristig entschieden, die Spundwand aufzubauen. Denn für den Abend waren weitere Regenfälle angekündigt, noch nicht absehbar waren die Auswirkungen der Schneeschmelze im Sauerland angesichts der steigenden Temperaturen.

