Die Tunnelkette der Bundesstraße 42 ist wieder frei. Mit dem Brückenneubau bei Rhöndorf könnte das nächste Nadelöhr folgen.
„Um Verzeihung bitten“Mammutbaustelle an der B42 freigegeben – Verkehrsminister Krischer vor Ort

Vorerst ist auf der Strecke nur Tempo 60 erlaubt.
Copyright: Ralf Klodt
Die Mammutbaustelle in der Tunnelkette der Bundesstraße 42 bei Königswinter hat Tausende Pendler über Jahre hinweg viele Nerven gekostet und viel Geduld abverlangt. Aus geplanten zwei Jahren Bauzeit wurden viereinhalb Jahre, aus 54 Millionen Euro kalkulierten Gesamtkosten wurden rund 62 Millionen Euro, wie gestern bekannt wurde.
Aber diese Investition sei „ohne Alternative“ gewesen, betonte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer am Mittwoch mit Blick auf das Alter der Tunnelkette der B42 zwischen Königswinter und Oberkassel, die vor mehr als 40 Jahren gebaut wurden. Und deren Sicherheitseinrichtungen nicht mehr dem Stand der Technik entsprachen, wie Krischer betonte.
Verkehrsminister Oliver Krischer entschuldigt sich bei Bürgern und Pendlern
Und dann tat der Minister etwas Bemerkenswertes. Er entschuldigte sich im Namen der Landesregierung bei Bürgern und Pendlern. „Ich kann hier nur um Verständnis und um Verzeihung bitten, dass solche Projekte nicht im Vorhinein immer so abschätzbar und nicht immer so planbar sind, wie es vielleicht wünschenswert wäre.“
Ich kann hier nur um Verständnis und um Verzeihung bitten.
Nur rund zehn Minuten bevor Oliver Krischers Dienstwagen am Grünen Weg, der B42-Ausfahrt Oberdollendorf, ankam, hatten Arbeiter ein Stück weiter im Süden die letzten Sperrbaken beseitigt. Die Tunnelkette sei „wieder vollständig befahrbar“, schrieb der Landesbetrieb Straßenbau NRW.

Freigabe der Bundesstraße 42 mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer.
Copyright: Ralf Klodt
Vorerst allerdings nur mit Tempo 60, wie manch ein Autofahrer angesichts der „freien Bahn“ verwundert festgestellt haben dürfte. Mit der Freigabe aller Spuren beginne erst noch einmal ein etwa einmonatiger Probebetrieb, wie Mohamed Abodahab, Abteilungsleiter bei der Regionalniederlassung Rhein-Berg des Landesbetriebs, erläuterte. Er sprach von einem „Test unter Realbedingungen“. Erst danach werde wie in den letzten Jahren Tempo 80 ausgeschildert auf der Bundesstraße, über die rund 50.000 Fahrzeuge am Tag fahren.
Kosten von über 60 Millionen Euro: Tunnelkette „sehr aufwendige Baustelle“
Die Tunnelkette sei „eine sehr aufwendige Baustelle“ gewesen, betonte der Verkehrsminister. „Wir haben über 60 Millionen Euro ausgegeben. Wenn man sich andere Baustellen in unserem Land anguckt, kommen die bei weitem nicht in diese Dimension.“ Das Geld floss unter anderem in die Betonsanierung der Tunnel Oberkassel (588 Meter Länge) und Oberdollendorf (630 Meter) sowie in die Galerie dazwischen (320 Meter). Die Asphaltdeckschicht wurde ebenso erneuert wie die Straßenentwässerung, die Flucht und Rettungswege und die Zugänge für die Feuerwehr wurden erweitert, ein unterirdisches Löschwasserbecken gebaut und sieben Verkehrszeichenbrücken installiert.

Eine Nachrüstung der Sicherheitstechnik sei zwingend erforderlich gewesen.
Copyright: Ralf Klodt
Europäische Sicherheitsrichtlinien, die nach mehreren schweren Tunnelunglücken um die Jahrtausendwende überarbeitet worden waren, haben nach Angaben des Landesbetriebs die Nachrüstung der Sicherheitstechnik „zwingend erforderlich gemacht“, so die Behörde. Und Krischer betonte, der Landesbetrieb, die Landesregierung und auch er selbst verstünden „keinen Spaß, wenn es um Sicherheit geht“. Dann müsse die Technik funktionieren, da gebe es keine Kompromisse.
Unliebsame Überraschungen sorgten für Verzögerung und Kostensteigerung
Eine Vielzahl von unliebsamen Überraschungen führten nach Aussage von Mohamed Abodahab zu den Kostensteigerungen und der Verzögerung um mehr als zwei Jahre. So seien die Betonbewehrungen an sechs großen Stützen völlig korrodiert gewesen, was man zuvor nicht habe sehen können. Ein wesentlicher Zeitfaktor war der Umstand, dass sich das Betriebsgebäude in der Langemarckstraße, das voller Technik steckt, als undicht erwiesen hat; von einer „hochkomplexen Anlage“ sprach Abodahab. Und schließlich spielten die Coronapandemie und der Beginn des Ukrainekriegs eine Rolle.
Ein wenig unangenehm schien es den Verantwortlichen zu sein, dass sie am Tag der offiziellen Freigabe darauf hinweisen mussten, dass heute und morgen (Donnerstag und Freitag) vor beziehungsweise hinter dem Tunnel Oberkassel die jeweilige Überholspur auf 1000 Meter Länge tagsüber noch einmal gesperrt werden muss. Dann sollen an einem der Spezialtore, die es der Feuerwehr im Notfall ermöglichen, auf die Gegenfahrbahn zu gelangen, ein defektes elektronisches Gerät ausgetauscht und die Mitarbeiter der Straßenmeisterei in deren Technik eingewiesen werden.
Nächstes Nadelöhr auf Bundesstraße 42 droht ab 2027
Und Pendler müssen sich schon mal auf das nächste Nadelöhr auf der Bundesstraße 42 einstellen: Im vierten Quartal 2027 beginnt der Landesbetrieb mit dem Abriss und dem Neubau der Brücke Am Steinchen, also an der B42-Ein- und Ausfahrt Rhöndorf.
Laut Mohamed Abodahab geht's auch dort nur einspurig vorbei. Er hoffe, dass man mit sehr kurzen Bauzeiten die Behinderungen auf ein Mindestmaß reduzieren könne. „Aber ganz ohne verkehrliche Einschränkungen wird es nicht geben.“

