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Leben in der AltstadtNeuer Verein richtet in der Altstadt von Königswinter einen Nachbarschaftstreff ein

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Ein Mann in blauer Jacke vor einem Haus, dessen Fassade mit Graffiti gestaltet ist.

Werner Völker vor dem Haus Hauptstraße 373, dessen Fassade vor rund drei Jahren der Streetart-Künstler Gris gestaltet hat. Der Verein Leben in der Altstadt will hier nun einen Nachbarschaftstreff schaffen. 

In der Fußgängerzone von Königswinter will der neue Verein Leben in der Altstadt einen Nachbarschaftstreff schaffen. Das Haus hat er schon gekauft.

Im Schaufenster stehen ein paar kleine Spielzeugfiguren, der vordere Raum des einstigen Ladenlokals ist schon neu gefliest. Ein Schriftzug an der Decke verrät, dass in dem nicht mehr wirklich taufrischen Gemäuer einst eine Wäscherei mit Heißmangel und chemischer Reinigung untergebracht war. Auf Betonfundamenten im hinteren Teil des langgesteckten Traktes standen früher mal Waschmaschinen, weiß Werner Völker zu berichten und zeigt auf die Reste der Wasserabläufe auf dem Boden.

Der langjährige Kölner Jugendpfarrer ist Vorsitzender des im August 2025 gegründeten Vereins Leben in der Altstadt (LidA), der das Gebäude in der nördlichen Fußgängerzone in Königswinter gekauft hat. Zu einem günstigen Preis, finanziert durch Privatdarlehen der Gründungsmitglieder, so Völker.

Streetart-Künstler Gris gestaltete 2022 die Fassade des Hauses

Das Ziel von LidA: Im Haus Hauptstraße 373, dessen Fassade im Frühjahr 2022 der Streetart-Künstler Gris im Rahmen des Kunstprojekts „Hotspot KW“ gestaltete und das damals – wie viele andere Gebäude in der Altstadt auch – Eigentum der Immobilienentwicklers Verianos war, soll ein „Nachbarschaftstreff“ geschaffen werden.

Ein Blick in das langgestreckte Gebäude, das von der Fußgängerzone bis zum parallel verlaufenden Kleinen Graben reicht und das fast 350 Quadratmeter Fläche aufweist, macht allerdings deutlich, dass dafür noch erhebliche Umbauten nötig sind. Teilweise hängen Rohre sinnlos an der Wand, in einem Seitenraum liegen Putzbrocken auf dem Boden. Im hinteren Teil steht aber auch schon ein Baugerüst und ein Anhänger voll Schutt.

Ein langgezogener Raum mit einer Rampe in der Mitte, an einer Wand lehnen eine Leiter sowie Besen und Schaufel.

Richtig viel Platz haben die Initiatoren des geplanten Nachbarschaftstreffs in dem Haus in der Altstadt.

„Wir haben alle Erfahrung mit alten Häusern“, macht Werner Völker deutlich, dass die Initiatoren des künftigen Nachbarschaftstreffs der Aufgabe gelassen gegenüberstehen. Dreimal hatte der Verein zu „Arbeitseinsätzen“ aufgerufen – der vierte steht laut Aushang in einem Schaukasten neben dem Eingang an diesem Samstag (21. März, 10 bis 15 Uhr) an –, und rund 30 Leute hatten sich laut Werner Völker beteiligt. Jetzt müssen laut Aushang stillgelegt Schornsteine abgerissen, eine Stützmauer gebaut und Putz abgeschlagen werden.

Die vielen Leerstände in der Altstadt und der Umstand, dass es hier keinen Treffpunkt für die Bewohner gibt, hat die Gründer zum Start von „LidA“ bewogen, berichtet Werner Völker im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es gibt nichts für Kinder und auch keinen Platz für Jugendliche.“ Die Häuser der Jugend stehen bekanntlich in Niederdollendorf und Oberpleis.

Einsetzen will sich der Verein aber auch „für Maßnahmen zur Aktivierung und Reaktivierung von leerstehendem Wohnraum“, heißt es auf der Homepage. Vor einem Jahr hatte die Stadtverwaltung mit der Mitteilung überrascht, dass in ganz Königswinter mehr als 700 Wohnungen leer stehen.

Eine Dartscheibe, einen Basketballkorb, einen Kicker oder auch einen Billardtisch kann sich der Vereinsvorsitzende als Angebote für Jugendliche im künftigen Nachbarschaftstreff vorstellen. Mal- oder Bastelgruppen für Kinder oder Hausaufgabenhilfe stehen auf der Ideenliste. Konzerte im kleinen Rahmen oder auch Probenräume für Bands – „wir sind offen“.

Nachbarschaftstreff richtet sich am Menschen jeglichen Alters

Aber „generationenübergreifend“ solle das Projekt sein, betont der Vereinsvorsitzende. Auf der Homepage schreiben die LidA-Mitstreiter: „Wir denken an Menschen jeglichen Alters, mit unterschiedlichen Muttersprachen, Interessen, Geschmäckern und Fähigkeiten.“ Unterstützung bei der Umsetzung der Idee erhofft sich der Verein unter anderem von der Stadt Königswinter.

In den vergangenen Jahren standen zeitweise 100.000 Euro für die Schaffung beziehungsweise die Förderung von Bürgerhäusern im städtischen Etat. Der aktuelle Haushaltsentwurf hat allerdings eine Finanzierungslücke von fast zwölf Millionen Euro. Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen, der im Dezember 2025 unterzeichnet wurde, steht: „Um das gesellschaftliche Engagement vor Ort zu stärken, verbessern wir die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit kommunaler Mehrzweckräume und Bürgerhäuser durch ein digitales Antragsverfahren und klare Ansprechpartner.“

Ein Mann mit Mundschutz arbeitet mit Hammer und Meißel.

Rainer Trill meißelt am Kamin im Obergeschoss.

Gleichzeitig wollen die Koalitionäre laut Vertrag eine zentrale Koordinationsstelle in der Verwaltung schaffen, die unter anderem Vereine und Einrichtungen beraten und Fördermöglichkeiten erschließen soll. Während sich die Initiatoren des Nachbarschaftreffs beispielsweise auch über die Kreissparkassenstiftung für uns Pänz um eine Förderung bemühen wollen, sollen auch ökologische Aspekte eine Rolle spielen. So könnten die Toiletten mit Regenwasser gespült werden, weil es am Gebäude eine Zisterne mit rund zehn Kubikmeter Fassungsvermögen gibt. Und auf dem Dach will der Verein Leben in der Altstadt laut Werner Völker eine Photovoltaikanlage installieren.

Die erste große öffentliche Aktion von LidA soll ein Sommerfest im Juni sein. In den Herbstferien ist ein einwöchiges Programm für Kinder geplant. Aktuelle Infos gibt es nicht nur über die Homepage, sondern auch über den Schaukasten neben der Eingangstür. „Der ist ein ganz wichtiges Kommunikationsinstrument“, sagt Völker. Man habe auf diesem analogen Weg sogar schon neue Mitglieder gewonnen.