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Abschied nach über 20 JahrenLeiter der Siegburger Verbraucherzentrale geht in den Ruhestand

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Ein Mann und eine Frau halten gemeinsam einen großen Pappschlüssel in den Händen. Alle lachen in die Kamera.

Symbolische Schlüsselübergabe (v.l.): Stefan Rosemann (Bürgermeister der Stadt Siegburg), Marie Budde (neue Leiterin der Beratungsstelle), Martin Wieler (bisheriger Leiter der Beratungsstelle) und Beate Fackeldey (Regionalleiterin Verbraucherzentrale NRW).

Wechsel an der Spitze der Verbraucherzentrale in Siegburg: Marie Budde folgt auf den langjährigen Leiter Martin Wieler.

Anrufe am Sonntag, montags legte ihm ein Ratsuchender eine Pizza auf den Schreibtisch – langweilig war es Martin Wieler in seiner Laufbahn als Leiter der Siegburger Verbraucherzentrale nie. Nun geht er nach mehr als 20 Jahren in den Ruhestand. Wieler habe sich unermüdlich für die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher eingesetzt, lobt Beate Fackeldey, Leiterin der Verbraucherzentrale NRW.

Auf den 64-Jährigen folgt Marie Budde. Die gebürtige Bonnerin war zuletzt in Berlin als Beraterin für Textil und Mode, Kreislaufwirtschaft und Mobilität tätig sowie als Referentin im dortigen Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Ihre „Sehnsucht nach dem Rheinland“, so Budde, hat sie jetzt zurück nach Siegburg geführt.

Offiziell ist sie seit dem 1. Januar im Amt und befindet sich gerade noch in der Kennenlernphase – nicht nur mit Siegburg, sondern auch mit ihrem Team und den anstehenden Aufgaben. „Ich wurde sehr herzlich willkommen geheißen und habe ein sehr engagiertes Team an meiner Seite. Aber bevor ich meinen eigenen Stempel draufdrücke, möchte ich erstmal schauen, was es schon gibt“, sagt sie.

Ehemaliger Leiter der Beratungsstelle: Rasante digitale Entwicklung und KI als Problem

Martin Wieler erzählt, er habe schon während des Studiums gewusst, dass er einmal bei der Verbraucherzentrale arbeiten möchte. Ab 1993 war er zunächst Leiter der Beratungsstelle in Düren. Wenn Wieler an seine Anfänge zurückdenkt, erinnert er sich vor allem daran, dass es in der Beratungsstelle noch keine Computer gab und Verbraucherinnen und Verbraucher noch keine Probleme mit dem Internet hatten. Allein ein Schuhladen in Düren habe ihm immer wieder Probleme gemacht – die Sohlen wollten einfach nicht an den Schuhen halten. Seit 2002 war er bei der Verbraucherzentrale in Siegburg.

Wieler steht vor einem Banner der Verbraucherzentrale und lächelt in die Kamera.

Wusste schon im Studium, dass er einmal bei der Verbraucherzentrale arbeiten möchte: Martin Wieler, der ehemalige Leiter der Siegburger Beratungsstelle.

Über eine lange Zeit haben Martin Wieler Klingeltöne beschäftigt, die man kostenpflichtig von dubiosen Internetseiten herunterladen konnte. „Heute hat sich das durch die Flatrate ziemlich geändert, Klingeltöne lädt auch keiner mehr kostenpflichtig runter“, erinnert sich Wieler schmunzelnd. „Aber damals waren das richtig große Kostenfallen“, ergänzt Fackeldey.

Aktuell sieht der ehemalige Leiter vor allem die rasante digitale Entwicklung und die damit einhergehenden Betrugsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Fake-Anrufe, bei denen Betrüger mittels KI die Stimmen von Angehörigen täuschend echt nachahmen, als Problem: „Die Menschen kommen einfach nicht mehr mit“, so Wieler. Künstliche Intelligenz verändere auch die Beratungssituation an sich. Immer häufiger würden Verbraucherinnen und Verbraucher bei Problemen die KI fragen. „Doch auch wenn Sie Dr. KI gefragt haben: Die KI irrt häufig“, mahnt Fackeldey.

Siegburger Verbraucherzentrale: Pizza auf dem Schreibtisch

Wieler erinnert sich an einen besonders kuriosen Fall: Ein Ratsuchender legte ihm montags eine Pizza auf den Schreibtisch und beschwerte sich über die Größe und den angeblich spärlichen Belag. „Da denke ich mir, muss das sein? Manche Leute machen sich ihre Probleme auch selbst.“ Natürlich sei man aber immer Ansprechpartner, man müsse für vieles Verständnis haben. „Jeder Jeck ist anders“, so Wieler.

Jeder Jeck ist anders.
Martin Wieler

Was einen wirklich belaste, seien Leute, die aufgrund ihrer Gutgläubigkeit hereingelegt werden. „So eine Ungerechtigkeit hat mich schon immer geärgert, wenn Leute über den Tisch gezogen werden.“

Teilnahme am Pilotprojekt in der JVA Siegburg besonders einprägsam

Das große Vertrauen, das ihm in seiner Tätigkeit als Chef der Beratungsstelle entgegengebracht wurde, habe dazu geführt, dass ihn Menschen auch mal sonntags anrufen: „Der ist doch von der Verbraucherzentrale, den kann man immer anrufen, der ist doch gut zu den Menschen“ – „Kommen Sie am Montag vorbei“, beantwortet Wieler solche Anrufe.

Besonders einprägsam fand der 64-Jährige seine Teilnahme am Projekt „Fit im Einmaleins des Verbraucheralltags“ in der JVA Siegburg. Hier hat Wieler jugendliche Straftäter vor der Entlassung begleitet. Diese Tätigkeit habe auch sein Interesse am Strafrecht geweckt, weshalb er seitdem als Schöffe am Bonner Landgericht tätig ist.

Bürgermeister Rosemann betont Wichtigkeit von niedrigschwelligen Beratungsangeboten

Zum Abschied sagt Wieler: „Irgendwann ist es vielleicht auch mal gut.“ Besonders die Doppelbelastung mit dem Ehrenamt des Schöffen habe ihn geschlaucht. „Teilweise war ich vier Tage Schöffe und nur einen Tag hier … und das als Leiter.“ Im Ruhestand möchte er sich mehr Zeit für Dinge nehmen, die vorher zu kurz gekommen sind: Freunde, Familie, Unternehmungen oder „Karneval feiern und danach nicht am nächsten Tag arbeiten zu müssen.“

Siegburgs Bürgermeister Stefan Rosemann betonte anlässlich der offiziellen Schlüsselübergabe an Wielers Nachfolgerin die Wichtigkeit von niedrigschwelligen Beratungsangeboten und einer Institution, die auch Antworten gibt, die man nicht hören will. Die Verbraucherzentrale sei seit vielen Jahren eine wichtige Anlaufstelle und man arbeite eng miteinander zusammen. „Das Vertrauen ist, glaube ich, höher als in die Stadtverwaltung“, sagte er lachend.