Seit ihrer Anschaffung in 1755 hat die Marien-Figur in der Kapelle an der Mühlenstraße einiges mitgemacht. Zeit, die Statue zu konservieren.
„Schlangenhaut“ und abblätternde FarbeRestauratorin beginnt mit Konservierung von Siegburger Marien-Figur

Freuen sich über die geplante Konservierung der Marien-Figur: Restauratorin Johanna Baldus und Dr. Andrea Korte-Böger, Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Michaelsberges.
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Aufgrund der Hitze von aufgestellten Kerzen hat sie an manchen Stellen eine „Schlangenhaut“. Sie sieht grauer als früher aus – Rauch und Umweltverschmutzung haben ihren Teil dazu beigetragen. Das sieht man auch ihrem Kind an, das sie auf dem Arm hält. Hier und da blättert bei Mutter und Sohn die Farbe ab. Ihr Blick aber blieb unverändert.
Gegen die Beschädigung der Marien-Figur in der Kapelle an der Mühlenstraße geht nun eine Fachfrau vor. Der Verein Freunde und Förderer des Michaelsberges, der sich laut eigenen Angaben seit über 70 Jahre um die Unterstützung und Bewahrung des benediktinischen Gedenkens bemüht, hatte für die Bewahrung der Figur 2024 einen Spendenaufruf gestartet.
Und dieser Aufruf drang bis zu Johanna Baldus durch. „Meine Mutter hat mir Bescheid gegeben“, berichtet die 26-Jährige. Ein Glücksfall: Die Siegburgerin studiert im Master Konservierung und Restaurierung an der Technischen Hochschule Köln und steht kurz vor ihrer Abschlussarbeit. Baldus nahm Kontakt mit dem Verein auf und bot ihre Hilfe an. Noch in diesem Monat beginnt die Restauratorin nun ihre Arbeit an der Madonna.
Siegburg: Konservierung der Marien-Figur in der Kapelle an der Mühlenstraße läuft an
Neben der Figur liegen verschiedene Behälter mit Chemikalien, ein Wattestäbchen, Handschuhe und ein Notizbuch. „Erstmal schaue ich mir das Objekt genau an“, erläutert Johanna Baldus. Die Namen der Stoffe, mit denen sie arbeitet, nennt die Restauratorin bewusst nicht. Sie appelliert: „Laien sollen bitte nicht versuchen, etwas zu konservieren.“ Dabei könne einiges schief gehen. Es bestehe etwa die Gefahr, sich zu verletzten oder die Farbbeschichtung aufzulösen, statt diese zu schützen.

Löcher in der Farbe werden festgestellt.
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Im Vorgespräch mit dem Verein hatte Baldus bereits Materialien und Zustand der Figur erfragt. Vor Ort macht sie sich ein ergänzendes Bild. „Kunstobjekte sind wahnsinnig komplex“, erklärt sie: „Diese Marien-Figur besteht zum Beispiel aus Sandstein, einer Grundierung, vermutlich Öl-Farben, teilweise gibt es Elemente aus Holz.“ Dazwischen bestehen laut der Expertin unterschiedliche Wechselwirkungen. Wichtig sei die Perspektive auf den zu bewahrenden Gegenstand: „Ich sehe das Objekt nicht nur als beschädigt an.“ So sei etwa der Entstehungszeitraum für das weitere Vorgehen relevant.
„Die Figur wurde vermutlich 1755 angeschafft“, erläutert Dr. Andrea Korte-Böger, Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Michaelsberges: „Der damalige Abt hatte die Kapelle als Willkommensgruß in der Nähe des ehemaligen Stadttors erbauen lassen.“ Mutmaßlich wollte der Geistliche die Stadt als Wallfahrtsort attraktiver machen. Die Vorsitzende deutet im Gespräch monetäre Beweggründe an, in dem sie Daumen und Zeigefinger aneinander reibt.
Denkmalschutz betrifft zunächst nur das Gebäude
Korte-Böger hat knapp 35 Jahre das historische Archiv in Siegburg geleitetet. Mit Blick auf die Kapelle an der Mühlenstraße sagt die 73-Jährige: „Ich habe das Ding ja selbst unter Denkmalschutz gestellt.“ Die Marien-Figur sei zu dem Zeitpunkt noch nicht in den Fokus geraten. „Beim Denkmalschutz stellt man zuerst das Gebäude und leider nicht die Einrichtung unter Schutz“, so Korte-Böger.

Die Kapelle an der Mühlenstraße.
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Ihr sei die Restaurierung ein persönliches Anliegen: „Als Archivarin identifiziert man sich total mit der Stadt.“ Zu der Figur weiß Korte-Böger, dass sie dem Barock-Stil entspricht – „eine ganz klassische Anfertigung, Christus hat richtig barocke Locken“ – und dass sie nicht immer an der gleichen Stelle stand. Nach der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg wurde die Figur laut Korte-Böger übergangsweise in die Barockkapelle an der Ringstraße versetzt. „'64 kam sie wieder in die Mühlenstraße zurück.“
Moderne Konservierung liegt in der Stoffauswahl näher am Objekt
Beim Thema 1960er kommt Korte-Böger auf eine misslungene Restaurierung aus der Dekade zu sprechen: „Die Jesus-Statue im Kloster Seligenthal platzt schichtweise auf.“ Nach Einschätzung von Johanna Baldus könnte das Problem im dort verwendeten Kunstharz liegen. „Mittlerweile wird mehr danach geschaut, etwas zu verwenden, das nah am Objekt ist“, führt sie aus.
Bei der Marien-Figur ist die Priorisierung für die Expertin klar: „Das wichtigste ist, das zu erhalten, was da ist.“ So sind einige Stellen mit großflächig abblätternder Farbe auf der Figur zu sehen, deren Auffüllung sei aber der zweite Schritt. „Erst nachdem die Figur konserviert wurde, geht es an die Restaurierung“, so Baldus. Zunächst überprüft sie die Rückseite der Figur und macht erste Einschätzungen. Sie stellt unter anderem die „Schlangenhaut“ fest, typische Verfärbungen – vermutlich durch die Hitze von Kerzen verursacht –, die dem Muster des namensgebenden Tieres ähneln.
Nach der ersten Konservierung eines kleinen Bereichs wird die Restauratorin hochrechnen, wie viel Zeit die vollständige Konservierung beanspruchen wird. Während der Ersteinschätzung sei noch keine seriöse Beurteilung der Gesamtlänge für die Arbeit möglich, sagt sie.

