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„Keine Entscheidung gegen, sondern für etwas“Kölner Eltern stimmen über Zukunft ihrer Grundschulen ab

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Die Katholische Grundschule (KGS) Berrenrather Straße in Sülz soll nach einer Inititative der Eltern zu einer Gemeinschaftsgrundschule werden.

Die Katholische Grundschule (KGS) Berrenrather Straße in Sülz soll nach einer Inititative der Eltern zu einer Gemeinschaftsgrundschule werden.

An drei katholischen Einrichtungen entscheiden Eltern darüber, ob die Schulen zu Gemeinschaftsgrundschulen werden. Das sind die Hintergründe.

Drei Kölner katholische Grundschulen (KGS) stehen möglicherweise vor einer wichtigen Veränderung: In den kommenden Tagen sollen die Eltern der KGS Berrenrather Straße (Sülz), der KGS Neufelder Straße (Holweide) und der KGS Lindenburger Allee (Lindenthal) darüber abstimmen, ob die Einrichtungen künftig als Gemeinschaftsgrundschulen (GGS) geführt werden sollen. Ob die Bekenntnisschulen ihr Profil ändern, ist aber offen: „Noch wissen wir nicht, ob wir es wirklich schaffen“, sagte die Vorsitzende der Schulpflegschaft der KGS Berrenrather Straße, Jana Hübler, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Auslöser für die Initiative der Eltern an der Sülzer Schule ist ein bevorstehender Wechsel an der Spitze der Schule. Weil die bisherige Schulleiterin, Heike Klostermann, in absehbarer Zeit in den Ruhestand geht, benötigt die Einrichtung eine neue Führungskraft. Die bisherige Stellvertreterin, Gönke Harms, stünde eigentlich bereit, die Leitung zu übernehmen. „Sie ist eine super Konrektorin, sie hat aber den Makel, dass sie evangelisch ist“, sagt Hübler.

Angst vor dem Leitungsvakuum

Tatsächlich regelt das Schulgesetz NRW in Paragraf 26, Absatz 6, dass in Bekenntnisschulen Schulleiter oder -leiterinnen dem betreffenden Bekenntnis angehören müssen. Die Eltern befürchten nun, dass sich Harms woanders bewerben könnte, falls sie den Posten an der Berrenrather Straße nicht erhält, und ein Leitungsvakuum entstünde. Das wäre nicht ungewöhnlich, denn zahlreiche Schulleitungen sind in NRW derzeit nicht besetzt.

Sie ist eine super Konrektorin, sie hat aber den Makel, dass sie evangelisch ist
Jana Hübler, Vorsitzende der Schulpflegschaft der KGS Berrenrather Straße

Die Umwandlung hätte einige Konsequenzen für die Sülzer Schule. Künftig könnten sich Lehrkräfte aller Konfessionen (und auch Konfessionslose) auf die Leitungsstelle bewerben. Und die Einrichtung dürfte bei der Anmeldung für die ersten Klassen katholische Mädchen und Jungen nicht mehr bevorzugen – wie es in katholischen Grundschulen bisher der Fall ist, teilt die Stadt mit. „Für die Aufnahme relevant sind hier ausschließlich die seitens der Schulleiterin oder des Schulleiters festgelegten Aufnahmekriterien“, so die Stadt. In vielen Grundschulen werden die Kinder derzeit nach der Wohnortnähe aufgenommen.

Logo der KGS Berrenrather Straße

Logo der KGS Berrenrather Straße

„Am Schulalltag werde sich wenig ändern“, sagt Hübler. Christliche Traditionen wie Schulgottesdienste oder Feste wie Karneval, St. Martin und Advent sollen weiter stattfinden. Katholische Kinder würden weiterhin katholischen Religionsunterricht erhalten, zusätzlich könnten evangelische Religion, Ethik oder Philosophie angeboten werden.

Kritk an Abstimmungsregeln

Kritisch sehen die Eltern die Modalitäten zur Abstimmung, die vom 16. bis 18. März stattfindet. Laut der Bestimmungsverfahrensverordnung können zehn Prozent der Eltern eine Umwandlung einer KGS in eine GGS beantragen, 50 Prozent müssen schließlich für die Umwandlung stimmen, teilt die Stadt mit. Das Problem: Die Stimmen der Eltern, die nicht votieren, werden als Nein gewertet. Hübler gibt zu bedenken, dass es möglich sei, dass Eltern von Kindern in den vierten Klassen der Abstimmung fernblieben, weil die Kinder im Sommer ohnehin die Schule wechseln.

Zeitgleich mit den Sülzer Eltern stimmen die Eltern der KGS Neufelder Straße ab. „In der Schule ist das schon länger ein Thema“, sagt Jan Schmidt von der Schulpflegschaft. Die Änderung würde dem Alltag in der Schule entsprechen, denn nur eine Minderheit der Schülerinnen und Schüler sei katholisch, vielmehr gebe es in der Schule Kinder aus vielen verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen.

Wir sehen keine relevanten Nachteile an einer Gemeinschaftsgrundschule
Jan Schmidt, Schulpflegschaft KGS Neufelder Straße

Zudem – das ist ähnlich wie an der KGS Berrenrather Straße – sei die Schulleiterin Birgit Pütz im Januar in den Ruhestand gegangen und die Eltern rechnen sich bessere Chancen aus, einen guten Ersatz zu finden, wenn es keinen Bekenntnisvorbehalt gibt. „Wir sehen keine relevanten Nachteile an einer Gemeinschaftsgrundschule“, sagt Schmidt. „Es ist keine Entscheidung gegen etwas, sondern für etwas.“ Die KGS Lindenburger Allee stimmt vom 23. bis 25. März ab.

NRW ist neben Niedersachsen das einzige Bundesland, in dem es noch Bekenntnisgrundschulen gibt. In Köln existieren derzeit 44 katholische Grundschulen, die wie Gemeinschaftsgrundschulen zu 100 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert werden. In den vergangenen Jahren seien „an zwölf städtischen katholischen Grundschulen Anträge auf Umwandlung der Schulart gestellt worden“, sagt eine Stadtsprecherin.

Neun wurden schließlich in eine GGS überführt – zuletzt waren das 2023 die Grundschule Langemaß (Mülheim) und 2024 die Grundschule Bülowstraße (Nippes). Die Abstimmungen an den Grundschulen Fußfallstraße (Merheim), Gutnickstraße (Roggendorf-Thenhoven) und Forststraße (Rath-Heumar) scheiterten dagegen.