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Nächster RückschlagStadt Köln trennt sich von Architekten der Heliosschule

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Die Helios-Schulgemeinschaft demonstrierte erst im November vor dem Rathaus: „Wir leisten seit Jahren Unmögliches – mit Herz, Engagement und Mut. Aber jetzt ist Schluss mit Provisorien!“

Die Helios-Schulgemeinschaft demonstrierte erst im November vor dem Rathaus: „Wir leisten seit Jahren Unmögliches – mit Herz, Engagement und Mut. Aber jetzt ist Schluss mit Provisorien!“

Für die Heliosschule reiht sich eine schlechte Nachricht an die nächste. Was das Projekt jetzt erneut ausbremsen könnte.

Das Projekt des Neubaus der Heliosschule ist erneut zurückgeworfen: Die Stadt Köln hat den Vertrag mit dem Architekturbüro aufgelöst, das bislang die Planung für die inklusive Universitätsschule in Ehrenfeld übernommen hatte. Das sei im gegenseitigen Einvernehmen passiert, teilte die Stadt Freitagmittag mit. Das Architekturbüro Schilling gewann 2015 den Realisierungswettbewerb, es war am Freitag für die Redaktion nicht mehr zu erreichen. Der Schritt erfolgte nun kurz vor Fertigstellung des Projekts nach sechs Jahren Bauzeit und reiht sich ein in zahlreiche Probleme auf der Baustelle, die den Einzug der Schulgemeinschaft seit Jahren verzögern.

Welche Auswirkungen sich konkret ergeben, ließ die Stadt am Freitag offen. Sie teilte nur mit: „Das Projekt wird nun neu aufgestellt.“ Und weiter: „Der Baustellenbetrieb läuft unterdessen weiter.“ Eine Nachfrage, was das für den Zeitplan und die Kosten (bisheriger Stand: 156,5 Millionen Euro) bedeute, konnte die Verwaltung am Freitag nicht beantworten. Auch die Gründe, erklärt sie in der Mitteilung nicht, schreibt nur: „Die Neuausrichtung ist nötig, um die Projektstruktur weiter zu stabilisieren.“

Schulleiter bedauert Verlust an Wissen über pädagogisches Konzept

Helios-Gesamtschulleiter Andreas Niessen sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Freitag, ihn trieben jetzt vor allem zwei Fragen um: Was das für den Einzugstermin bedeutet und was für die Einrichtung der Schule mit Mobiliar. Denn das soll wie schon das Schulgebäude, das neue Maßstäbe für das Lernen setzen soll, im Einklang mit dem pädagogischen Konzept stehen.

Dem Vernehmen nach stand das Architekturbüro kurz davor, einen weiteren Auftrag auch für die Einrichtung des Gebäudes zu erhalten. Die Architekten sollen sich über die Jahre intensiv auch inhaltlich mit dem Schulprojekt auseinandergesetzt haben.

18.09.202 Köln. Die Baustelle für die neuen Gebäude der Heliosschule in Ehrenfeld. Die Fertigstellung des neuen Schulgebäudes auf dem früheren Helios-Gelände verzögert sich, daher kann die Schule erst später dort einziehen. Foto: Alexander Schwaiger

18.09.202 Köln. Die Baustelle für die neuen Gebäude der Heliosschule in Ehrenfeld. Die Fertigstellung des neuen Schulgebäudes auf dem früheren Helios-Gelände verzögert sich, daher kann die Schule erst später dort einziehen. Foto: Alexander Schwaiger

Andreas Niessen sagte: „Dieses Wissen ist jetzt weg. Wir haben den Anspruch, als Schule weiterhin an der Möblierungsplanung zu partizipieren.“

Schüler gingen schon nach vorheriger Verzögerung auf die Straße

Im November hatten die Schülerinnen und Schüler nach der vorherigen Hiobsbotschaft schon vor dem Rathaus demonstriert. Zuvor hatte die Stadt den Einzug erneut verschoben. Statt zum kommenden Schuljahr 2026/27, lautet seitdem der aktuelle Stand, dass der Bau im ersten Quartal 2027 fertig werden soll. Das bedeutet, dass der erste Jahrgang der Schule niemals das finale Gebäude gesehen haben wird. Auf Plakaten hatten die Schüler die Kommunikation der Stadt bemängelt, Schülersprecherin Leyla Onur hatte einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben und gesagt: „Kleine Verzögerungen können passieren, aber in der Summe ist das nicht mehr verständlich.“

Der erste Spatenstich war vor sieben Jahren, im Mai 2019, damals war die Fertigstellung für 2024 terminiert. Damals avisierte Baukosten: 91,7 Millionen Euro. Dann sorgte erst die Corona-Pandemie für Verzögerungen und erste Kostensteigerungen. Im Mai 2023 wurde bekannt, dass die Stadt mitten im Bauprozess ein neues Ingenieurbüro beauftragt hat. Weil diverse Handwerker laut Verwaltung fehlerhaft arbeiteten, mussten immer wieder Kündigungen ausgesprochen und die einzelnen Gewerke europaweit neu ausgeschrieben werden. Um überhaupt noch eine Chance zu haben, im zwischenzeitlich angepeilten Jahr 2026 fertig zu werden, zog die Stadt im Herbst 2024 die Reißleine und beauftragte einen Generalunternehmer mit der Fertigstellung des Baus.