Florian Kainz ist ein verdienter FC-Profi. Doch jetzt spielt er keine Rolle mehr, sein Vertrag läuft aus. Der Umgang mit der Situation ist für alle nicht einfach.
Dienstältester FC-ProfiDer leise Abschied von Kölns Ex-Kapitän Florian Kainz

Florian Kainz bedankt sich bei den FC-Fans nach dem Spiel in Stuttgart. Er kam unmittelbar vor dem Abpfiff ins Spiel – es war sein einziger Einsatz in den vergangenen zehn Partien.
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Am Freitagnachmittag stieg Florian Kainz in den Flieger in Richtung Bayern. Beim Auswärtsspiel des 1. FC Köln am Freitag (20.30 Uhr) beim FC Augsburg zählt der Routinier zum Kader. Für den dienstältesten Profi des Bundesliga-Aufsteigers ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Seit über sieben Jahren steht der 33-Jährige beim FC unter Vertrag, 202 Pflichtspiele mit 28 Toren und 41 Vorlagen hat der Österreicher absolviert – sportlich aber spielt er in dieser Saison nur noch eine Nebenrolle.
Dass Kainz die Reise überhaupt antrat, war vor allem der angespannten Personalsituation geschuldet. Der FC hat große Probleme. Neben Jan Thielmann, Joel Schmied, Alessio Castro-Montes und Sebastian Sebulonsen fällt weiter Linton Maina aus. Am Donnerstag meldete sich zudem Denis Huseinbasic ab (Hüfte). Immerhin: Die Oberschenkelprobleme von Said El Mala erwiesen sich als weniger gravierend, der 19-Jährige bestritt das Abschlusstraining und trat die Reise mit an.
Es ist natürlich nicht einfach für Spieler, eine veränderte Rolle anzunehmen. Die Intensität eines Bundesligaspiels ist in den letzten fünf Jahren enorm gestiegen.
Unabhängig davon ist die sportliche Bedeutung von Kainz in seiner achten Saison beim FC stark gesunken. Gerade einmal 235 Einsatzminuten stehen für den Routinier zu Buche. In den vergangenen zehn Partien kam der offensive Mittelfeldspieler nur eine Minute zum Einsatz – beim 1:3 in Stuttgart. Sechsmal saß er zwar auf der Bank, blieb aber ohne Spielzeit, fünfmal fehlte er ganz im Aufgebot. Auffällig: Trainer Lukas Kwasniok entschied sich zuletzt sogar zweimal für den dritten Torhüter Matthias Köbbing, der nicht in die Nähe eines Einsatzes kommt – und gegen den früheren Kapitän.
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Kwasniok macht keinen Hehl daraus, wie anspruchsvoll solche Konstellationen sind. „Es ist natürlich nicht einfach für Spieler, eine veränderte Rolle anzunehmen“, sagte der Trainer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zugleich lobte er: „Er hat ein bisschen gebraucht, aber ich finde, dass er diese Rolle mittlerweile als Unterstützer von jungen Spielern auf dem Platz so ausfüllt, wie ich mir das vorstelle.“
Der Coach ordnete die Situation grundsätzlich ein – und verteidigte zugleich die Haltung des Spielers. „Die Jungs sind ja nur so weit gekommen, weil sie sich immer gegen andere durchgesetzt haben. Und auf einmal sollen sie eher die gute Fee sein und gute Stimmung verbreiten – ohne viel zu spielen.“ Dass Kainz mit seiner Situation hadere, sei logisch. „Es wäre schlimm, wenn er sagen würde: Alles ist wunderbar. Das Feuer muss da sein“, betonte Kwasniok. Genau dieses Feuer sehe er bei Kainz weiterhin. „In dem Moment, wo du das verlierst, kannst du dich abmelden.“
Der Trainer betonte zudem, dass das Verhältnis aus seiner Sicht von gegenseitigem Respekt geprägt sei – trotz der sportlichen Distanz. Und machte deutlich, dass die Entscheidung gegen Kainz keine grundsätzliche Qualitätsfrage sei. „Auge-Fuß-Koordination, Weitblick – da ist er nach wie vor ein Top-Spieler“, sagte Kwasniok. Vielmehr hätten sich die Anforderungen im Profifußball massiv verändert. „Die Intensität eines Bundesligaspiels ist in den letzten fünf Jahren enorm gestiegen.“
Alles deutet dennoch auf einen Abschied im Sommer hin. Kainz, der in der Saison 2023/24 noch Kapitän des FC war, wird den Klub mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verlassen. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus, eine Verlängerung gilt als ausgeschlossen. Der Spieler und sein Management wollen sich auf Anfrage derzeit zumindest offiziell nicht äußern. Gespräche mit Sportgeschäftsführer Thomas Kessler sind für Ende März, Anfang April geplant – substanziell dürften sie für eine Kölner Zukunft kaum werden. Aber auch für Kessler ist der Umgang mit Kainz kein einfacher: Der Ex-Torwart spielte selbst noch anderthalb Jahre gemeinsam mit dem Mittelfeldspieler beim FC und schätzt ihn – menschlich und sportlich.
Mir tut seine Situation leid, da er nicht nur ein sehr guter Fußballer, sondern auch ein toller, feiner Mensch ist. Aber: Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen. Seine Konkurrenz beim FC ist auch größer geworden.
Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Kainz eine ganz andere Rolle innehatte. Am Ende einer schwierigen Zweitliga-Spielzeit war der Österreicher am 9. Mai einer der Aufstiegshelden. Am vorletzten Spieltag schoss er unter Interimstrainer Friedhelm Funkel den FC mit zwei Treffern zum 2:1-Sieg in Nürnberg. Auch beim 4:0 am letzten Spieltag gegen Kaiserslautern steuerte er ein Tor bei – die Bundesliga-Rückkehr war perfekt. Funkel setzte damals bewusst auf Kainz. „Kainzi ist für mich ein Spieler, auf den ich mich bei meinen zwei Amtszeiten in Köln immer zu 100 Prozent verlassen konnte. Er ist ein sehr guter Fußballer. Mir tut seine aktuelle Situation leid, da er auch ein toller, feiner Mensch ist. Aber: Jeder Trainer hat seine eigenen Ideen und Vorstellungen. Er hat es auch schwerer, weil die Konkurrenz auf seiner Position größer geworden ist“, sagte Funkel dieser Zeitung. Ihm sei es immer wichtig gewesen, sich mit verdienstvollen Spielern intensiv und vertrauensvoll auszutauschen – selbst dann, wenn sie nicht mehr regelmäßig spielten. Als Beispiel nannte er Marco Höger, dem er im letzten Saisonspiel 2020/21 einen abschließenden Kurzeinsatz bei den Profis ermöglichte.
Auch für Kainz endet bald eine Kölner Ära. Leise – aber mit Geschichte. Seine Laufbahn indes will der Grazer noch fortsetzen. Mit 33 soll noch nicht Schluss sein.
Mögliche Aufstellungen:
FC Augsburg: Dahmen - Banks, K. Schlotterbeck, Zesiger - Fellhauer, Massengo, Jakic, Giannoulis - Rieder, Claude-Maurice - Gregoritsch.- 1. FC Köln: Schwäbe – Simpson-Pusey, van den Berg, Özkacar – Kaminski, Martel, Krauß, Lund – Bülter, El Mala, Ache.- Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden).

